Zur Weihnachtsikone

Eine Bildbetrachtung zur Botschaft ihrer Farben
Liebe Freundinnen und Freunde der Ikonen,
was sind die vorherrschenden Farben auf der traditionellen Weihnachtsikone und was wollen sie uns sagen?
Zunächst einmal sind Farben, die ins Auge fallen: der in hellem Ocker getönte große Berg, in dem sich die tiefschwarze Höhle befindet, der Ort des Geburtsgeschehens. Treppenförmig kommen die Stufen gleichsam vom Himmel auf die Erde herab.
In auffallender Nähe zu diesem Ockerton steht das Gold als Hintergrund, das natürlich ein Metall ist. Das Gold steht als Realsymbol für Gott, der beständig ist und strahlendes Licht, das die Dunkelheit der Welt erhellt – wie dieses Metall. Gott, könnte man formulieren, ist die Hintergrundstrahlung für dieses Geschehen: In seinem Sohn Jesus Christus wird Gott Mensch. Es ist seine Initiative in diese Welt einzutreten.
Eine weitere wichtige auffallende Farbe ist das Rot, in all seinen Abtönungen: die Gottesmutter liegt auf einem hellroten Ruhekissen, sie selbst ist in ein braunrot-erdtonfarbenes Gewand gekleidet. Einer der Könige kommt in Rot zur Krippe, die Farbe der Herrschenden. Der Engel der Verkündigung trägt ein rotes Obergewand, und eine der Hebammen ebenso.
Rot ist eine Signalfarbe, die anzeigt, hier geschieht etwas ganz Besonderes: Gott erniedrigt sich, wird ein bedürftiges Kind.
Sein auffallendes Weiß der Windeln ist ein heller Lichtpunkt mitten in der Dunkelheit der Höhle.
Grün ist die Farbe, die am wenigsten vertreten ist, Blau nahezu überhaupt nicht. Die Zukunft ist noch offen und das priesterliche Himmelsblau wird erst beim öffentlich auftretenden Jesus, dem Pantokrator sichtbar.
Alles in allem erinnern uns diese frohen Farben an den Farbbogen, den Gott in den Himmel gestellt hat, um seinen Bund mit uns Menschen zu bestätigen. Die Farben der Geburt Jesu erinnern uns, dass dieser Bund endgültig bekräftigt ist.
So wünsche ich uns allen ein farbenfrohes und lichtvolles Weihnachtsfest und ein gesegnetes Neues Jahr
Wolfgang Fleckenstein
(Leiter der Ikonenkurse der KEB Forchheim)
Hinweis: sollten Sie selbst interessiert sein, die Kunst des "Ikonenschreibens" kennenzulernen, dann bietet die Kath. Erwachsenenbildung im Landkreis Forchheim dazu regelmäßig Kurse an. Nähere Infos dazu hier.