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„Zeugen seiner Auferstehung“

Erzbischof Ludwig Schick mit der Monstranz
Datum:
Veröffentlicht: 15.4.15
Von:
Erzbischof Ludwig Schick

Osterbetrachtung 2015 von Erzbischof Dr. Ludwig Schick

Erzbischof Dr. Ludwig Schick schreibt:
Ostern ist das wichtigste Fest der Christenheit! Es feiert die Auferstehung Jesu Christi von den Toten nach seinen 33 Lebensjahren, nach dem „verborgenen Leben“ in Nazareth und dem „öffentlichen Leben“ mit seinen Predigten und Wundern, mit den Anfeindungen durch die politischen und religiösen Autoritäten der Juden, nach seinem Leiden, Tod und Begräbnis, nach seinem Hinabsteigen in das Reich des Todes. Ostern bestätigt seine Verkündigung der Gottes- und Nächstenliebe als „Nonplusultra - nichts darüber hinaus“ für das menschliche und religiöse Leben.

Liebe Leserinnen und Leser,

Ostern ist das wichtigste Fest der Christenheit! Es feiert die Auferstehung Jesu Christi von den Toten nach seinen 33 Lebensjahren, nach dem „verborgenen Leben“ in Nazareth und dem „öffentlichen Leben“ mit seinen Predigten und Wundern, mit den Anfeindungen durch die politischen und religiösen Autoritäten der Juden, nach seinem Leiden, Tod und Begräbnis, nach seinem Hinabsteigen in das Reich des Todes. Ostern bestätigt seine Verkündigung der Gottes- und Nächstenliebe als „Nonplusultra - nichts darüber hinaus“ für das menschliche und religiöse Leben. Die Auferstehung Jesu Christi von den Toten bewahrheitet auch die Ankündigung des Reiches Gottes, der Gerechtigkeit, des Friedens und der Freude im Heiligen Geist (vgl. Röm 14,17) und dass ein neuer Himmel und eine neue Erde kommen werden (vgl. 2 Petr 3,13). Sie bekräftigt die Einladung, Jesus zu folgen und mit ihm das „Angesicht der Erde zu erneuern“. Die Auferstehung verifiziert, dass Jesus Christus unsere Sünden und Schuld vergibt, den Tod überwindet und allen das „Leben in Fülle“ (Joh 10,10) geben will. Die Auferstehung Jesu ist das große „Amen“, das „Ja zu allem, was Gott verheißen hat“ (vgl. 2 Kor 1,20). Deshalb schreibt Paulus an die Korinther: „Ist aber Christus nicht auferweckt worden, dann ist … euer Glaube sinnlos“ (vgl. 1 Kor 15,14).

Ostern

Auferstehung des neuen Lebens

Wir Christen sind eingeladen, und es muss unser Wunsch und Ziel sein, immer tiefer und umfassender das „Geheimnis der Auferstehung“ zu begreifen, damit wir die Bedeutung Jesu Christi für unser Leben und die Menschheit, für die Geschichte und die ganze Schöpfung erfassen. Das geschichtliche Ereignis der Auferstehung Jesu als existentielles Geschehen erschließt sich uns am besten in den Riten und Symbolen des Osterfestes. Die wichtigsten österlichen Symbole sind das Licht und das Wasser. Beide sind für das Leben unabdingbar. Das Leben entsteht aus dem Wasser und ohne Wasser kann kein Lebewesen, weder die Menschen noch die Tiere und Pflanzen, Bestand haben. Das Gleiche gilt für das Licht. Ohne Licht gibt es kein Leben und kann sich kein Lebewesen entfalten. Deshalb beginnt der Schöpfungsbericht im ersten Buch der Bibel mit den Worten: „Gott sprach: Es werde Licht. Und es wurde Licht. Gott sah, dass das Licht gut war“ (Gen 1,3-4).

In der Osternacht und am Osterfest spielen Licht und Wasser die bedeutenden Rollen in der Liturgie, weil Ostern die Auferstehung des neuen Lebens feiert.

Ich lade Sie ein, am Osterfest 2015, in der Osternacht, die Lichtfeier mit dem Einzug der Osterkerze in die dunkle Kirche, mit dem dreifachen „Lumen Christi - Licht Christi“, mit der Verbreitung des Lichts durch das Entzünden der eigenen Osterkerzen von der großen Osterkerze aus, bewusst mitzuvollziehen. Hören Sie aufmerksam das „Exsultet“, das „Osterlob“, das auf die Osterkerze gesungen wird und lassen Sie sich innerlich davon ansprechen! Verfolgen Sie auch den „Lobpreis über das Wasser“, das seinen Höhepunkt erfährt, wenn die Osterkerze in das Wasser eingetaucht wird! Dazu singt der Priester oder Bischof: „Durch deinen geliebten Sohn steige herab in dieses Wasser die Kraft des Heiligen Geistes, damit alle, die durch die Taufe mit Christus begraben sind in seinem Tod, durch die Taufe mit Christus auferstehen zum ewigen Leben.“ Das symbolisiert: Im Wasser ist das neue Leben, das durch das Licht erweckt und erhalten wird.

Der Auferstandene

Licht der Welt, Wasser des Lebens

Wasser und Licht bringen zum Ausdruck, was der auferstandene Jesus Christus den Menschen und der ganzen Schöpfung sein und bringen will: Leben für die Welt. Im Johannesevangelium heißt es: „Denn wie der Vater die Toten auferweckt und lebendig macht, so macht auch der Sohn lebendig, wen er will“ (Joh 5,21). Und ein paar Verse weiter ist zu lesen: „Denn wie der Vater das Leben in sich hat, so hat er auch dem Sohn gegeben, das Leben in sich zu haben“ (Joh 5,26). Die Auferstehung bestätigt Jesus als den, der das Leben in sich hat, um den Menschen und der Schöpfung das Leben zu geben.

Die große hl. Theresia, deren 500. Geburtstag wir in diesem Jahr feiern, schreibt in ihrem Werk „Weg der Vollkommenheit“: „Sei für immer gepriesen mein Herr, der du so sehr Freund des Gebens bist, dass sich dir nichts in den Weg stellt!“ (CE 44,4). Der Auferstandene ist Freund des Gebens und seine Gabe ist das ewige Leben. Jesus ist ja gekommen, damit die Menschen und die ganze Schöpfung das „Leben haben und es in Fülle haben“, wie er im Johannesevangelium sagt (vgl. Joh 10,10). An Ostern wird bestätigt, dass er das Leben in sich hat, das kein Tod zerstören kann und er jedem dieses Leben gibt, der es von ihm erbittet. Er macht alle lebendig, die sich ihm zuwenden, niemand und nichts kann ihm dabei den Weg verstellen.

In dieses große Geheimnis des Lebens Jesu, das uns lebendig, froh und hoffnungsvoll machen will, sollen wir uns, besonders an Ostern, hineinvertiefen, um es tiefer zu erfassen. Es soll unser ganzes Leben erfüllen, weil darin unsere Freude und unser Friede besteht.

Ostern

Sendung, das neue Leben zu bezeugen

Die Erfahrung des neuen Lebens können und dürfen wir nicht für uns behalten. Wenn im Neuen Testament von der Auferstehung Jesu Christi gesprochen wird, dann auch immer zugleich von den „Zeugen der Auferstehung“. Das bedeutet, jede Christin, jeder Christ soll das neue Leben in Jesus Christus weitergeben. Jede und jeder soll deutlich machen, dass nicht der Tod das letzte Wort hat, sondern das Leben.

Das Evangelium vom neuen, ewigen Leben wird von Anfang an durch Zeugen weitergeben. Maria von Magdala sah als Erste das leere Grab und begegnete dem Auferstandenen. Sie legte Zeugnis davon bei den Aposteln ab. Petrus und Johannes machten sich zum Grab auf und wurden Zeugen der Auferstehung. Ebenso wurden die Emmausjünger, Thomas der Zweifler und viele andere Zeuginnen und Zeugen der Auferstehung und sie bezeugten sie vor anderen. Durch Zeuginnen und Zeugen wurde der Glaube an die Auferstehung bis heute weitergetragen und ist lebendig.

Ihr sollt meine Zeugen sein

In der Apostelgeschichte wird von der Wahl des Ersatzapostels für Judas, den Verräter, berichtet. Wörtlich heißt es: „Einer von den Männern, die die ganze Zeit mit uns zusammen waren, als Jesus, der Herr, bei uns ein und aus ging, angefangen von der Taufe durch Johannes bis zu dem Tag, an dem er von uns ging und (in den Himmel) aufgenommen wurde, – einer von diesen muss nun zusammen mit uns Zeuge seiner Auferstehung sein“ (Apg 1,21-22). Auch diese Schriftstelle zeigt, dass die Auferstehung Jesu Christi die Zentralbotschaft der Christen ist; sie ist der „articulus stantis vel cadentis ecclesiae - der Artikel, mit dem die Kirche steht oder fällt“.

Dieser Glaube muss bezeugt werden. Das gilt nicht nur für die Apostel und ihre Nachfolger, die Bischöfe, Priester, Diakone und die hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Jeder Christ, der durch das Licht Christi und das Wasser des Lebens lebendig geworden ist, soll Zeugin und Zeuge der Auferstehung sein.

Den Glauben an das neue Leben in Jesus Christus in anderen zeugen kann nur eine Person, die voll und ganz hinter der Botschaft steht und sie lebt. Wenn heute Menschen zum Glauben kommen, dann geht das nicht durch Worte und die sogenannte „Weitergabe des Glaubens“, sondern nur durch Christinnen und Christen, die ganz davon erfüllt sind. Deshalb hat der selige Papst Paul VI. in seinem Apostolischen Schreiben „Evangelii nuntiandi“ 1975 festgehalten: „Der heutige Mensch hört lieber auf Zeugen als auf Gelehrte, und wenn er auf Gelehrte hört, dann deshalb, weil sie Zeugen sind“ (EN 41).

Auferstehung ist ein Geschehen, das man nicht beschreiben kann; es ist unseren Worten und Begriffen unzugänglich. Auferstehung ist nur durch das Leben erfahrbar. Auferstehung bedeutet, Aufstehen und Stehen in Jesus Christus, in seinem Leben und seiner Botschaft und auch dafür einstehen mit dem Leben, besonders wenn es einmal schwierig wird, zum Beispiel bei Anfeindungen wegen des Glaubens und gegen die Kirche, bei Verfolgungen und Bedrängnissen. Wer so lebt, der spürt das neue Leben der Auferstehung in sich!

Auferstehung ist neues Leben, alternatives Leben, das gekennzeichnet ist von Vertrauen, Hoffnung und Liebe, von Zärtlichkeit und Barmherzigkeit. Auferstehung ist neues Leben, das den anderen annimmt wie er ist und ihm in Güte und Wohlwollen begegnet. Wer so Auferstehung lebt, der wird zum Zeugen, der zeugt das neue Leben in seinen Mitmenschen. Papst Franziskus sagt in einer Predigt: „Achten wir darauf, Christus in unserem Leben gegenwärtig zu halten! Achten wir aufeinander und haben wir sorgsam acht auf die Schöpfung!“ Und er trägt uns auf: „Christus ist auferstanden! Ich möchte, dass die Botschaft in jedes Haus, in jede Familie gelangt und besonders dorthin, wo mehr Leid herrscht, in die Krankenhäuser, in die Gefängnisse … Vor allem möchte ich, dass sie in alle Herzen gelangt, denn dort will Gott die Frohe Botschaft hineinsäen: Jesus ist auferstanden; es gibt Hoffnung für dich, du bist nicht mehr unter der Herrschaft der Sünde, des Bösen! Gesiegt hat die Liebe, gesiegt hat die Barmherzigkeit! Immer siegt die Barmherzigkeit Gottes!“

Ich wünsche Ihnen allen ein gesegnetes, froh machendes Ostern 2015 – Fest des neuen Lebens.

Ihr Erzbischof
Dr. Ludwig Schick