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Zeit für Besinnung und Besonnenheit

Erzbischof Dr. Ludwig Schick
Datum:
Veröffentlicht: 27.11.16
Von:
Erzbischof Ludwig Schick

Erzbischof Ludwig Schick zum Beginn der Adventszeit

Am Sonntag beginnt die Adventszeit: Zeit der Besinnung, in der wir Besonnenheit neu entdecken und einüben können. Dazu möchte ich Sie alle aufrufen und einladen.

Liebe Schwestern und Brüder,
aber auch liebe Distanzierte und Abweisende!

Liebe Freunde und Follower,
aber auch liebe Fremde und Gegner!

Am Sonntag beginnt die Adventszeit: Zeit der Besinnung, in der wir Besonnenheit neu entdecken und einüben können. Dazu möchte ich Sie alle aufrufen und einladen.

Die letzten Monate waren von vielen populistischen Äußerungen, verbalen und sogar brachialen Attacken, Schmähungen und Entgleisungen geprägt. In den sozialen Netzwerken gab es heftige Shitstorms. Im Jahr der Barmherzigkeit war manches Reden und Tun sehr unbarmherzig. Die Besonnenheit war abhandengekommen. Viele Menschen haben darunter gelitten und sind beschädigt worden, menschliche Beziehungen wurden zerstört und die soziale Atmosphäre vergiftet. Auch persönlich habe ich darunter zu leiden gehabt.

Der Advent ist zuerst die Aufforderung an uns alle, zu verzeihen und zu versöhnen; ohne Verzeihen und Versöhnen gibt es keinen Neuanfang und keine bessere Zukunft; das gilt für alle Bereiche des Lebens.

Dann lädt der Advent ein, sich zu besinnen, um neu zu beginnen und anders weiterzumachen. Entschleunigung und Ruhe sind dafür nötig im Reden und Urteilen, auch beim Tippen, Posten oder Senden.

Jeder Mensch ist im Innersten seines Wesens gut, hat Frieden in sich und sucht Frieden, wünscht sich Wohlwollen und kann freundlich den Mitmenschen begegnen. Jeder kann Freund sein und Feindschaft überwinden. Wenn wir aggressiv werden, böse reden und handeln, dann sind wir fremdbestimmt. Die Adventszeit lädt ein, unser Selbst, unser Inneres, die Quellen unseres Lebens neu freizulegen; aus ihnen entsteht Besonnenheit im Reden und Tun.

Gönnen wir uns in der Adventszeit jeden Tag wenigstens eine Viertelstunde, wenn irgend möglich mehr, in der wir still in uns hineinhören, um unser gutes Sein und Wesen wieder freizulegen. Dann werden unsere Worte weniger aber ausgewogen, unser Handeln besonnen, unser Verhalten wird achtsamer und respektvoller, unsere Stimmung freudiger und freundlicher, unser Miteinander von Wohlwollen und Barmherzigkeit geprägt. Gönnen wir uns einen guten Advent 2016.