Wort unseres Erzbischofs zum Beginn des Jubiläumsjahres

Glauben stärken, Gemeinschaft leben, für die Menschen da sein
Liebe Schwestern und Brüder!
Glauben stärken, Gemeinschaft leben, für die Menschen da sein
Am kommenden Mittwoch beginnt die Erzdiözese ihr Jubiläum „1000 Jahre Bistum Bamberg“. Das Jubiläumsjahr soll uns helfen, unsere Vergangenheit besser zu verstehen, unsere Gegenwart zu begreifen und für die Zukunft handlungsfähig zu bleiben. Dazu haben wir ein vielfältiges Programm zusammengestellt. Wir wollen miteinander beten und Gottesdienste feiern, Feste veranstalten, uns besinnen und diskutieren. All das soll uns den Zielen, die wir uns gesetzt haben, näher bringen: Glauben stärken, Gemeinschaft leben, für die Menschen da sein. Wir haben den Sternenmantel Kaiser Heinrichs II., der unser Bistum durch die Jahrhunderte begleitet hat, als Symbol für unser Jubiläumsjahr gewählt. Sterne öffnen unseren Blick in die Weite und vermitteln Orientierung für unseren Weg in die Zukunft. Ein Mantel schützt und wärmt, er gibt Geborgenheit und symbolisiert seit den Tagen des heiligen Martin menschliche Zuwendung. Im Zentrum des Sternenmantels steht Jesus Christus.
Liebe Mitchristen! Ich bitte Sie alle, besonders auch die Kinder und Jugendlichen, am Jubiläum teilzunehmen, es mitzugestalten und füreinander Stern und Mantel zu sein. Unsere Mitte dabei ist Jesus Christus: „Durch ihn und mit ihm und in ihm“ bilden wir Kirche.
Getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen
Das Weinstockgleichnis soll uns durchs Jubiläumsjahr begleiten. In ihm sagt Jesus: „Getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen“ (Joh 15,5). Davor verheißt er aber: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht“. Wir wollen uns tiefer in Christus verwurzeln, damit wir reiche Frucht in der Vertiefung und Ausbreitung des Glaubens, im Gebet und Gottesdienst und in Werken der Liebe bringen. Dazu sollen die Anliegen der Jahre 2003-2006 aufgegriffen werden, die das Jubiläumsjahr vorbereitet haben.
Aus der Heiligen Schrift Altes und Neues hervorholen
Erinnern Sie sich an das Jahr 2003: Das Ökumenische Jahr der Bibel! Zu Jesus Christus gelangen wir, wenn wir aufmerksam sein Wort vor allem in den Evangelien lesen und es mit dem Herzen hören. Im Jakobusbrief werden wir gemahnt, nicht nur Hörer, sondern auch Vollbringer des Wortes Gottes zu sein (vgl. Jak 1,22 f.).
Das Lesen der Bibel und das Beten mit der Bibel soll auch in ökumenischen Kreisen verstärkt und mit den evangelischen und orthodoxen Schwestern und Brüdern gepflegt werden. Das Suchen und Erstreben der Einheit aller Christen muss im Jubiläumsjahr eine wichtige Rolle spielen.
2003 war auch das „Jahr des Rosenkranzes“. In diesem wertvollen Gebet meditieren wir Schlüsselszenen aus den Evangelien. Es erschließt uns wichtige Ereignisse aus dem Leben Jesu und seiner Mutter Maria. Der Rosenkranz ist ein biblisches Gebet, das uns Christus näher bringt. Deshalb soll er gerade auch im Jubiläumsjahr seinen Platz haben.
Eucharistie – Quelle und Höhepunkt des christlichen Lebens
Im Jahr 2004 wurde der Pastoralplan: „Den Aufbruch wagen – heute!“ von der ganzen Diözese erstellt. Das Jahr 2004/2005 war auch das „Jahr der Eucharistie“. Wir haben neu über die Eucharistiefeier und die eucharistische Anbetung nachgedacht und sie eingeübt. In unserem Pastoralplan wird an verschiedenen Stellen über die Eucharistie gesprochen. So heißt es z. B.: „Bei aller legitimen Vielfalt liturgischen Feierns und gottesdienstlicher Formen ist und bleibt die Eucharistie ‚Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens’ (LG 11). Aus ihr und auf sie hin entwickelt sich das religiöse Leben der einzelnen Christen und der kirchlichen Gemeinden und Gemeinschaften“ (Seite 52).
Für die Feier der Eucharistie ist der priesterliche Dienst unabdingbar. Auch das steht im Pastoralplan: „Der priesterliche Dienst, der durch die Priesterweihe übertragen wird, ist der Kirche geschenkt und hat unersetzliche Bedeutung. [...] Vornehmlich üben die Priester ihr Amt aus, wenn sie in der Person Christi die Eucharistie feiern“ (Seite 47). Ich bitte Sie im Jubiläumsjahr verstärkt um Priesterberufungen zu beten. Wichtig ist vor allem, dass wir die Sonntagseucharistie wertschätzen und sie mitfeiern.
Mit der Eucharistie ist Besinnung und Umkehr verbunden: Wer den Leib des Herrn isst und sein Blut trinkt, der prüfe sich zuvor, mahnt Paulus die Korinther (vgl. 1 Kor 11, 27 - 29). Deshalb steht am Beginn jeder Messfeier der Bußakt. Im Weinstockgleichnis wird von der Reinigung der Rebzweige gesprochen. Sie ist regelmäßig notwendig, damit der Weinstock Frucht bringen kann. Die Wertschätzung des Bußsakramentes ist eine große Hilfe dafür, dass wir am Weinstock Christi bleiben und reiche Frucht bringen.
Missionarisch und diakonisch Kirche sein
Im Pastoralplan haben wir besonders unterstrichen, dass unsere Kirche missionarisch und diakonisch zugleich sein soll. Auch dazu trägt das Jubiläumsjahr bei. Alle Christinnen und Christen sind aufgefordert, entsprechend ihren Charismen und Ämtern in guter Kooperation das Werk Christi weiter zu führen und so für die Menschen da zu sein. Die Kirche muss den Menschen das Brot des Lebens und den Wein der Freude bringen. Alle einzelnen Veranstaltungen des Jubiläumsjahres dienen der Erneuerung der Kirche. Es muss unser Ziel sein, die Zahl der Kirchenaustritte zu verringern und die der Eintritte zu vermehren. Die froh machende Beteiligung an den Gottesdiensten soll sich verbessern. Besuchen Sie die Ausstellungen und Bildungsveranstaltungen, die einen Beitrag dazu leisten können, unsere Herkunft besser zu verstehen, damit wir uns für die Zukunft bereiten. Unterstützen Sie bitte auch die Initiative „Ausbildung-Arbeit-Zukunft“ für Menschen unserer Region. Wir wollen für jedes Jahr unserer Geschichte 1000 Euro sammeln, um dann mit insgesamt einer Million Euro z. B. Ausbildungsplätze zu schaffen und Familien zu unterstützen. Das Jubiläum darf nicht nur ein Jahr salbungsvoller Worte sein, sondern es muss ein Jahr der Taten, ein Jahr der Gottes- und der Nächstenliebe werden. So werden wir reiche Frucht bringen in der Welt.
Die Jugend der Kirche erneuern
Das Jahr 2005 war das „Jahr der Jugend“ mit dem beeindruckenden Weltjugendtag. Wir erinnern uns an die vielen Jugendlichen aus der ganzen Welt, die fröhlich, betend und singend durch die Straßen zogen, aber auch im sozialen Engagement für Kranke, Behinderte, Alte und Arme tätig waren. Die Jugendlichen und Kinder sollen auch im Jubiläumsjahr eine besondere Rolle spielen. Vor allem bitte ich die Jugendlichen und Kinder selbst, sich einzubringen und mitzuwirken. Viele von Euch haben in den Kommuniongruppen das Bild des Weinstocks behandelt. Ihr habt Eure Gesichter als die Reben eingeklebt. Dass will deutlich machen, dass Ihr ein wichtiger Teil der Gemeinschaft unserer Kirche seid, die um Jesus versammelt ist. Ihr seid die wichtigsten Früchte am Weinstock Eurer Pfarreien, und Ihr sollt auch selber fruchtbar sein für andere Menschen.
Am Tag der Eröffnung des Jubeljahres, am 1. November 2006, werde ich auch den revidierten Jugendplan für unser Erzbistum in Kraft setzen.
Ich bitte Sie, alle Erwachsenen, sich für die jungen Menschen einzusetzen. Sie brauchen für ihre Zukunft vor allem den Glauben an den guten Gott. Sie sollen eine tragfähige und froh machende Gemeinschaft in Kirche und Staat erleben. Sie sollen lernen, für die Menschen da zu sein. So wird im doppelten Sinn die Jugend der Kirche erneuert, die Jugend der Kirche und die Jugend in der Kirche.
Betet ohne Unterlass
Das Jahr 2006 diente der direkten und unmittelbaren Vorbereitung auf das Jubiläum. Ich habe es als „Jahr der Berufung“ und „Jahr des Gebetes“ bestimmt. Wir alle sollen über unsere Berufung als Mensch, als Christ und über unsere Dienste in Kirche und Gesellschaft nachdenken. Das Gebet ist dafür unabdingbar. Es lässt uns unsere Berufung entdecken und stärkt uns, sie zu leben.
Pflegen Sie das persönliche Gebet. Sprechen Sie mit Christus wie mit einem Freund. Feiern Sie die Jubiläumsgottesdienste in Bamberg oder in Ihren Gemeinden mit. Beteiligen Sie sich an der „spirituellen Stafette“, wenn der Sternenmantel durch Ihre Region zieht, und an den Wallfahrten. Nutzen Sie dabei die Gestaltungsvorschläge, die vom Ordinariat in Bamberg zur Verfügung gestellt werden. Besonders darf ich Ihnen das Bildchen mit den „Gebeten zum Jubiläumsjahr“ ans Herz legen, das in keinem Gebetbuch fehlen sollte: Es zeigt Christus als das Zentrum des Sternenmantels und greift in einem Hymnus das biblische Bild vom Weinstock für die Kirche von Bamberg auf. Nehmen Sie es immer wieder zur Hand. Es soll Sie durch dieses Jahr und darüber hinaus begleiten.
Denkt an Eure Berufung!
Liebe Schwestern und Brüder! Feiern wir ein frohes Jubiläumsjahr! Besinnen wir uns, feiern wir und schöpfen wir Kraft, um den Glauben zu stärken, Gemeinschaft zu leben und für die Menschen da zu sein. Als Weinstock Christi werden wir fruchtbar sein für das Leben der Welt. Das ist unsere Berufung in Christus, der von sich gesagt hat: „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben“ (Joh 10, 10).
Dazu segne Sie der dreifaltige Gott, + der Vater, der Sohn und der Heilige Geist
Ihr Erzbischof
Dr. Ludwig Schick