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Wort an die Pfarrgemeinden des Erzbistums Bamberg zur Fastenzeit 2012

Erzbischof Professor Dr. Ludwig Schick
Datum:
Veröffentlicht: 7.3.12
Von:
Erzbischof Dr. Ludwig Schick, Homepage der Erzdiözese

„Ich liebe die Kirche, weil in dieser Kirche Gott zur Menschheit steht“

Fastenhirtenbrief des Bamberger Erzbischofs Ludwig Schick

Liebe Schwestern und Brüder
in der Erzdiözese Bamberg!

1. „Wenn man mich fragen würde, was ich am meisten in der Welt liebe, was mir das Kostbarste in der Welt ist, könnte ich wirklich nichts anderes sagen als: die Kirche! (…) Warum liebe ich die Kirche über alles, was ich in der Welt habe? Deswegen, weil ich daran glaube, dass in dieser Kirche mit all ihren Mängeln, mit all ihrer Not, mit all ihrer Vorläufigkeit, mit all dem, was anders sein könnte an ihr, Gott zur Menschheit steht.“

Dieses Bekenntnis zur Kirche hat der verstorbene Bischof von Aachen, Klaus Hemmerle, der viele Jahre auch Geistlicher Direktor des Zentral-komitees der deutschen Katholiken war, abgelegt. Es spricht mich sehr an!

Klaus Hemmerle sieht die Kirche realistisch und zugleich tief gläubig. „Ich liebe die Kirche, weil in dieser Kirche Gott zur Menschheit steht.“ Genau das ist Kirche, darum geht es in der Kirche: In ihr steht Gott zur Menschheit! Und weil das so ist, können wir unsere Kirche lieben.

2. Im Jahr 2012 feiert die Erzdiözese Bamberg das 1000-jährige Bestehen des Domes. Dankbar erinnern wir uns an das „Haus aus Stein“ auf dem Domberg, in dem seit 1000 Jahren „die Kirche aus lebendigen Steinen“ aufgebaut wird. Seit 1000 Jahren versammelt Gott in unserem Heinrichsdom ‚sein Volk, damit seinem Namen das reine Opfer dargebracht werde, vom Aufgang der Sonne bis zum Untergang’, wie wir im Dritten Hochgebet der heiligen Messe beten. Seit 1000 Jahren zeigt Gott in unserem Dom sowie in allen Kirchen und Kapellen des ganzen Erzbistums, dass er zu uns Menschen steht.

In der Kirche spricht er uns an. Er nennt uns „seine geliebten Kinder“ (vgl. Röm 8,16; Eph 5,1), er richtet uns auf und tröstet uns, wenn wir niedergeschlagen oder traurig sind, er gibt uns Orientierung und schärft unser Gewissen, er ruft zur Umkehr und schenkt Vergebung.

In der Kirche steht Gott zu uns durch die Feier der Sakramente:

  • In der Taufe zeigt er uns, dass alle Menschen Gotteskinder sind.
  • In der Firmung steht er zu uns, indem er uns seinen Heiligen Geist vermittelt.
  • In der Eucharistie nehmen wir am Leben, Sterben und Auferstehen Jesu Christi teil, der uns das Leben in Fülle schenkt.
  • Im Sakrament der Wiederversöhnung steht Gott zu uns, trotz unserer Fehler und Sünden.
  • In der Krankensalbung macht er uns gesund oder stärkt uns für die Reise ins ewige Leben.
  • In der kirchlichen Trauung steht er zu den Ehepartnern; er lässt sie an seiner unverbrüchlichen Liebe teilhaben; mit der Liebe Gottes gelingen Ehe und Familie.
  • Im Sakrament der Bischofs-, Priester- und Diakonenweihe begnadet und sendet er Männer, die als Werkzeuge Christi zeigen sollen, dass Gott in dieser Kirche zur Menschheit steht.

Wenn ein Mensch sagen kann, die oder der steht zu mir, dann kann er leben und glücklich sein in frohen und auch in schweren Tagen. Wenn Gott zu mir, zu allen Menschen und zur ganzen Schöpfung steht, gibt das der ganzen Menschheit Hoffnung, die niemals enttäuscht wird.

3. In dieser Kirche steht Gott zur Menschheit. Damit hängt logisch und konsequent zusammen, dass die Kirche ihrerseits zu jedem Menschen stehen muss. Es gibt für Gott keine Gottlosen, niemand ist verloren, niemand abgeschrieben! Das verpflichtet die Kirche in Wort und Tat zu bezeugen, dass jedes Geschöpf von Gott geliebt ist. Die Kirche muss für die Würde und die Rechte jedes Menschen eintreten. Wie der menschgewordene Gott, Jesus Christus, soll sie besonders zu den Kindern und Jugendlichen, zu den Kranken, den Menschen mit Behinderung und den Hilfsbedürftigen stehen. Sie muss sich für die Hungernden und Vertriebenen, die von Naturkatastrophen Heimgesuchten und von Menschen Gequälten engagieren. So steht die Kirche zu jedem einzelnen Menschen und zur Menschheit - so wie Gott es tut.

4. Damit die Kirche zeigen kann, dass in ihr und durch sie Gott zu den Menschen steht, muss sie Personen und Institutionen haben:

Zum Beispiel:

  • Für die Kinder – die Kindergärten.
  • Für die Ratsuchenden – die Beratungsstellen der Caritas und des Sozialdienstes der katholischen Frauen.
  • Für die Kranken – die Krankenhäuser.
  • Für die Senioren und Seniorinnen, die alten und kranken Menschen – die Altenheime, Sozialstationen und Hospize.
  • Für die Jugendlichen – die Schulen.
  • Für die Armen in der weiten Welt – die kirchlichen Hilfswerke wie Misereor und Caritas.

5. Gott steht zur Menschheit in der Kirche und durch die Kirche. Deshalb schenkt er ihr immer wieder Priester, Diakone und Ordenschristen, pastorale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Religionslehrerinnen und -lehrer, Erzieherinnen und Krankenschwestern, gute Eltern und viele, viele Ehrenamtliche, die verkünden und leben, dass Gott in dieser Kirche zu den Menschen steht. Aus ihnen ragen die Heiligen hervor, die jeder Generation Vorbilder und Fürsprecher sind. Ich erinnere an Benedikt und Scholastika, an Franziskus und Klara, an Don Bosco und Mutter Teresa, an Heinrich und Kunigunde. Diese müssen wieder mehr Raum im Denken, Beten und Handeln der Kirche einnehmen. Kirche ist Ereignis und Leben, Bewegung zu Gott und auf die Menschen zu. Die Heiligen bilden das Zentrum der Kirche. In den Heiligen, zu denen wir alle gehören sollen, steht Gott zur Menschheit.

6. Liebe Mitchristen! Betrachten wir unsere Kirche als Ereignis und Bewegung, in der Gott zur Menschheit steht. So sehen auch die Dokumente des Zweiten Vatikanischen Konzils und unser Pastoralplan „Den Aufbruch wagen – heute!“ die Kirche. In diesem Jahr denken wir an die Eröffnung des Konzils vor 50 Jahren. Ich bitte Sie, die Konzilstexte neu zu lesen und sie in den Pfarrgemeinderäten, in Gruppen und Vereinen zu besprechen. Das Erzbistum Bamberg soll eine Kirche des Zweiten Vatikanums sein! Der selige Papst Johannes XXIII. schrieb kurz vor der Eröffnung des Konzils in sein Geistliches Tagebuch: „Mein Leben muss ganz Liebe zu Christus sein und zugleich ganz ausstrahlende Liebe und Hingabe für die einzelnen Menschen und für die ganze Welt“. Lasst uns wie Johannes XXIII. Christus lieben und die Menschen! So lieben wir die Kirche! Je mehr wir die Kirche lieben, desto mehr haben wir – nach den Worten des heiligen Augustinus – den Heiligen Geist. Im Geist Jesu können wir „begeistert“ in der Kirche mitwirken. Je mehr wir uns in der Kirche einsetzen, umso mehr erkennen wir ihren Sinn und Auftrag. In der Kirche bringt Gott sein Reich der „Gerechtigkeit, des Friedens und der Freude“ (vgl. Röm 14,17) zu allen Menschen. Dabei dürfen wir mitarbeiten.

7. Die Fastenzeit ruft uns auf, „umzukehren und an das Evangelium zu glauben“. Inhalt des Evangeliums ist die Frohe Botschaft: „Gott steht zur Menschheit“.

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Fastenzeit im Jubiläumsjahr „1000 Jahre Bamberger Dom“. Die Vorbereitungszeit auf Ostern soll unsere Freude an der Kirche erneuern. Wir alle sollen wie Bischof Klaus Hemmerle sagen: „Was ich am meisten liebe, was mir das Kostbarste in der Welt ist, ist die Kirche!“

Ich grüße Sie herzlich und segne Sie im Namen des Dreifaltigen Gottes + des Vaters und + des Sohnes und + des Heiligen Geistes.

Ihr Erzbischof
Dr. Ludwig Schick
Erzbischof von Bamberg