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Woche für das Leben thematisiert Sterben in Würde

WfdL 2015 Plakat
Datum:
Veröffentlicht: 22.4.15
Von:
Homepage der Erzdiözese

Caritas engagiert sich für die Hospizarbeit

In Deutschland ist eine kontroverse Debatte um die Frage einer humanen Sterbebegleitung entbrannt. Dabei hat die Position für ein selbstbestimmtes Sterben, sei es durch Suizid, assistierten Suizid oder Tötung auf Verlangen, viele Befürworter. Die beiden großen Kirchen in Deutschland werben daher bei ihrer „Woche für das Leben“ für eine ganzheitliche Form der Sterbebegleitung.

„Die Brisanz der Entwicklung ist unübersehbar“, urteilt Elisabeth Nüßlein, Referentin für Hospizarbeit beim Caritasverband für die Erzdiözese Bamberg. „Sollen in Zukunft die organisierte Sterbehilfe und der ärztlich assistierte Suizid die gesellschaftlich akzeptierte Antwort auf die Selbstbestimmung am Lebensende sein? Soll die Beihilfe zur Selbsttötung generell verboten werden oder nur ihre geschäftsmäßige Form unter Strafe gestellt werden?“ Dies seien Fragen und Herausforderungen, denen die Gesellschaft sich stellen müsse, weil sie jeden einzelnen irgendwann persönlich beträfen. Deshalb sei eine umfassende Auseinandersetzung mit den ethischen und rechtlichen Aspekten des Themas wichtig und erforderlich.

Gelegenheit dazu gibt die „Woche für das Leben“, eine gemeinsame bundesweite Aktion der katholischen und evangelischen Kirche. Sie findet in diesem Jahr vom 18. bis 25. April statt und steht unter der Überschrift „Sterben in Würde – Herr, dir in die Hände“. Dabei setzen sich die beiden Kirchen für eine ganzheitliche Form der Sterbebegleitung ein, wie sie durch ambulante und stationäre Hospiz- und Pflegeeinrichtungen sowie durch Palliativmedizin und Palliativpflege geleistet wird. Gleichzeitig positionieren sie sich gegen direkte Lebensverkürzung wie Tötung auf Verlangen oder assistierten Suizid.

Die palliative Begleitung – dies meint die Versorgung von unheilbar schwerkranken und sterbenden Menschen unter Berücksichtigung einer wirksamen Symptomkontrolle bei Schmerzen und Angstzuständen – zielt auf eine ganzheitliche Betreuung der Schwerstkranken: medizinisch, pflegerisch, psychosozial und spirituell. „Diese Versorgung leistet in einer zeitgemäßen Form das, was herkömmlich als indirekte Sterbehilfe bezeichnet wurde“, erläutert Nüßlein. „Es meint das Unterlassen und Begrenzen von lebensverlängernden Maßnahmen, wenn der Sterbeprozess bereits eingesetzt hat.“ Eine maßgebliche Rolle spiele dabei der Patientenwille. In vielen Fällen, in denen Menschen – vor allem durch eine individuelle Betreuung in ihrer gewohnten Umgebung – einfühlsam begleitet und medizinisch gut versorgt seien, zeige sich, dass der Wunsch nach Suizid oder Tötung auf Verlangen viel seltener entstehe.

In der Erzdiözese Bamberg betreiben Caritasverbände zwei ambulante Hospizdienste (im Landkreis Forchheim und im Nürnberger Land) sowie das stationäre Hospiz „Haus Xenia“ in Nürnberg. Ein weiteres stationäres Hospiz für Coburg ist derzeit in Planung und wird neu gebaut. Allein im Caritasbereich gibt es über 130 ausgebildete Palliative Care-Fachkräfte sowie geschulte Ethikberater und Ethikbeauftragte. Darüber hinaus arbeiten zahlreiche engagierte Ehrenamtliche mit den Fachkräften in einem Netzwerk zum Wohl der betroffenen Menschen zusammen.

Hier habe sich die bereits zehn Jahre bestehende Kooperation mit der Dr.-Heinrich-Hofmeister-Stiftung zur Förderung christlicher Hospizarbeit bewährt und trage vielfältige Früchte, betont Nüßlein. In Kooperation mit der Stiftungsverwaltung, die Maria-Luise Hofmeister, die Witwe des Stifters, wahrnimmt, konnten viele Projekte und Vorhaben realisiert werden: etwa die Implementierung einer Hospizkultur und die Einrichtung von Abschiedsräumen in Einrichtungen und Diensten der Caritas, die Finanzierung von Fort- und Weiterbildungen für die Mitarbeiter/-innen sowie durch Zuschüsse die Anschaffung medizinischer Geräte und Hilfsmittel, die den Schwerstkranken direkt zugutekommen.

„Trotz der in den letzten Jahren erfolgreichen Arbeit steht bei der Caritas der weitere kontinuierliche Ausbau eines professionellen und flexiblen Versorgungsangebots im Fokus“, unterstreicht Nüßlein. Für die meisten Menschen sei es ein inniger Wunsch, den langjährigen Lebensmittelpunkt und das gewachsene soziale Umfeld auch im Alter und bei Krankheit nicht aufgeben zu müssen. Mit dem Projekt „In der Heimat wohnen“ schaffe man Versorgungsformen, die es Menschen ermöglichen, auch bei erhöhtem Pflegebedarf im vertrauten Wohnumfeld zu bleiben. Elemente des Projekts seien die Errichtung von barrierefreie Wohnungen, Quartiersmanagement mit Beteiligung der Betroffenen, Ausbau der ambulanten Pflege- und Palliativversorgung, hauswirtschaftliche Beratung und Unterstützung, Notruf-Sicherheitstechnik, Mehrgenerationenhäuser. „Nur wenn Menschen in schwierigen existentiellen Situationen Beistand und Versorgungsangebote zeitnah und in ihrem Sozialraum finden“, sagt Nüßlein, „wird glaubhaft, dass wir Schwerstkranke, Sterbende und an Demenz erkrankte Menschen in ihren Wünschen und Bedürfnissen ernst nehmen und respektierten.“