Wieder zurück!

Gedanken nach einem Jahr Nicaragua
Hallo liebe Apostelgemeinde!
Jetzt bin ich nun seit fast zwei Monaten wieder in Deutschland. Zwei Monate, die von Aufs und Abs geprägt waren: So steht auf der einen Seite mein Abschied von Nicaragua, meinen Freunden, meiner Familie, meinen Arbeitskollegen – einfach der Abschied von dieser komplett anderen Welt, der mich immer noch beschäftigt. Auf der anderen Seite findet sich die Freude der Rückkehr: Meine Eltern, meine Geschwister, meine Freunde. All die Personen, die ich in den vergangenen zwölf Monaten in Nicaragua so sehr vermisst hatte.
Wenn ich an meinen Abschied zurückdenke, werde ich immer noch traurig. Musste ich doch alles zurücklassen, was ich in diesem Jahr so zu schätzen lernte. Die Offenheit und Gastfreundlichkeit der Menschen, die Lebensfreude, meine erfüllende Arbeit. Am schwierigsten war das Wissen darum, dass ich nicht genau wissen würde, wann ich meine ganzen liebgewonnenen Freunde wieder treffen würde – ist doch die Wahrscheinlichkeit, dass sie mich in Deutschland besuchen kommen können, eher gering. Gerade daher, war es so rührend, wie sie alle gekommen waren, um mich am Grenzposten zu Costa Rica zu verabschieden. All diese kleinen Geschenke werde ich nie vergessen: Ein Büchlein mit Fotos und Briefen von allen – Familie, Freunden, Arbeitskollegen – eine Nicaraguaflagge, die ich seit Monaten gesucht hatte, eine typische Tasche, eine Tasse, Ohrringe. Der symbolische Wert dessen ist so groß, dass es unglaublich traurig für mich war, als mir genau jene Tasche mit allen Geschenken darin im Bus zum Flughafen drei Stunden später geklaut wurde (übrigens das einzige Mal in dem ganzen Jahr, dass ich beklaut worden bin). Aber die wichtigsten Erinnerungen sind jene, die ich im Herzen behalte und niemals vergessen werde. Und das ist das, was wichtig ist.
Mit riesiger Enttäuschung vom Klau und dem Gefühl der Traurigkeit bestieg ich also am 17. August ein Flugzeug Richtung Nürnberg und je öfter ich umsteigen durfte und so meiner Heimat näher kam, desto mehr überwog all die Vorfreude, die ich bekam. Ich würde EEEEEENDLICH nach sooo langer Zeit wieder in Deutschland sein, bei meiner Familie und meinen Freunden. Mensch, hatte ich mich riesig gefreut als mich meine Eltern, Geschwister und Freunde am Flughafen mit großen Schildern „Herzlich Willkommen!“ empfingen. Unglaublich das Gefühl, wieder in unserem Haus zu stehen, mein Zimmer zu sehen und in meinem eigenen, weichen, so unbeschreibbar weichen Bett zu liegen. Wie im Traum.
Während sich die ersten Tage in Erlangen wie ein Traum anfühlten, war Nicaragua noch unglaublich real. Doch je mehr die Tage vergingen, desto mehr konnte ich realisieren, dass ich wieder hier bin. Langsam aber immer mehr wandelte sich Nicaragua in einen wunderbaren Traum, von dem ich kaum noch glauben kann, dass das wirklich ein Teil meines eigenen Lebens ist. Doch ja – das ist dieses lateinamerikanische Land – und geprägt hat es mich auch.
Jetzt weiß ich erst zu schätzen, was viele Deutsche leider nicht können: Die Waschmaschine, warmes Wasser aus der Leitung, einer sehr gut ausgestattete Küche, ein großes Haus, und gutes Schulsystem, gute Arbeitsaussichten,… Für mich ist es immer noch schwer zu akzeptieren, dass viele Menschen sich vieler Dinge gar nicht erst bewusst sind. „Das ist halt so, ist nichts Besonderes.“ Doch genau hier sehe ich meine Aufgabe, ich möchte uns die Augen öffnen. Auch in der Städtepartnerschaft Erlangens mit San Carlos sehe ich eine Möglichkeit, mich weiterhin für das, was ich gelernt und erlebt habe, bei Nicaragua zu bedanken. Und Gleichzeitig viele andere Deutsche zu erreichen, zu informieren und vielleicht ein bisschen zum Umdenken zu bewegen.
Und dadurch, dass sie mehr oder minder regelmäßig meine Briefe und Blogs verfolgt haben, haben Sie vielleicht einen kleinen Eindruck des großen Ganzen gewonnen. Vielen, vielen Dank!
Dieses Jahr war ein unglaubliches, riesiges, prägendes, wunderbares und manchmal auch hässliches Erlebnis für mich. Ich habe viel über Nicaragua gelernt, auch wenn ich es nie vollständig werde verstehen können. Vor allem aber habe ich so viel über mich selbst kennen gelernt, mich einzuschätzen und mir etwas zu zutrauen.
Danke Nicaragua! Danke San Carlos! Danke Arete! Danke Sonia, Sugeyling, Mercedes, Julio! Danke Inka und Johannes! Danke Bielka, Marlui, Oli, Ruth, Tania, Tania und Chiché! Danke für alles!
Danke.
Mit besten Grüßen – jetzt wieder aus Deutschland!
Ruth
Spendenaufruf
Wie Sie sich vielleicht denken können, leidet auch unsere/meine Nicht-Regierungs-Organisation ARETE unter Geldknappheit. Unser Vertrag mit US Aid finanziert nur das Anti-AIDS-Programm, die Kooperation mit Norwegen deckt gerade so die wichtigsten Dinge im Frauenhaus ab. Wenn andere Spenden dann nicht ausreichen, kann es leider manchmal sogar zu kurzfristigen Entlassungen der Sozialarbeiterinnen, Psychologinnen etc. kommen. Langfristig gesehen soll diese Notfälle die Bäckerei ausgleichen – bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg.
Wenn Sie uns also unterstützen möchten, wäre ich sehr dankbar! Ich bin mir sicher, dass Sie Ihr Geld so richtig anlegen!
Vielen Dank!
Spendenverbindung für ARETE, meiner Organisation, wo ich für ein Jahr gearbeitet habe:
Städtepartnerschaftsverein Nürnberg – San Carlos
Evangelische Kreditgenossenschaft e.G. Nürnberg
BLZ 520 604 10
Kto.-Nr. 3500870
Stichwort: ARETE
Die Spenden sind steuerlich abzugsfähig.
Bei Fragen etc. können Sie gerne noch einmal auf mich zukommen (ruth@ikja.org).