Weihnachtszeit in San Carlos

Der 4. Brief von Ruth Meißner
Und schon wieder ein Monat vorbei… Und schon musste ich mich zeitweise von meiner Arbeit in den pre-escolares so halb verabschieden, Dezember und Januar sind hier die Sommerferien für alle Schulen. Nur im CDI, dem einzigen richtigen Kindergarten, kann ich jetzt noch mit den Kindern arbeiten. Dafür warten viele andere Kleinigkeiten auf mich: Im Moment helfe ich in der albergue, dem Frauenhaus, im Büro mit. Außerdem darf ich wohl Sugeyling, Sozialarbeiterin bei ARETE und meine Mitbewohnerin, auf die wöchentlichen Touren in die Dörfer auf dem Land begleiten, worauf ich mich schon richtig freue =)

San Carlos, 6. Dezember 2012
¡Hola a todos!
Und schon wieder ein Monat vorbei… Und schon musste ich mich zeitweise von meiner Arbeit in den pre-escolares so halb verabschieden, Dezember und Januar sind hier die Sommerferien für alle Schulen. Nur im CDI, dem einzigen richtigen Kindergarten, kann ich jetzt noch mit den Kindern arbeiten. Dafür warten viele andere Kleinigkeiten auf mich: Im Moment helfe ich in der albergue, dem Frauenhaus, im Büro mit. Außerdem darf ich wohl Sugeyling, Sozialarbeiterin bei ARETE und meine Mitbewohnerin, auf die wöchentlichen Touren in die Dörfer auf dem Land begleiten, worauf ich mich schon richtig freue =)
Dazu planen hier gerade alle Freiwilligen vor Ort und ein paar Nicas einen Weihnachtstag für die Kinder aus dem Armenvierteln von San Carlos, welcher in einer Woche stattfinden soll. Vielen der Familien von dort ist es nämlich nicht möglich Weihnachten wie wir zu feiern. Wir waren schon in den Vierteln, um die Kinder einzuladen. Der Lebensstandard dort ist wirklich unbeschreiblich. Auch wenn dort erst kürzlich jeder Familie von der Regierung ein Haus (= ein Zimmer mit Vorraum und „Küche“, die Toilette findet sich außerhalb) gebaut wurde, ist es einfach beeindruckend: Es gibt keine Straßen, bei Regen sind die Wege verschlammt, lehmig und extrem rutschig; in den Häusern gibt es nicht viel mehr zu sehen als die kahlen Wände; fließendes Wasser und Abwasserkanäle gibt es schon gar nicht. Zum Teil lebt in einem Haus eine Familie mit mehr als fünf Kindern! Und es gibt immer noch andere Behausungen, die aus aufgestellten Ästen oder Bretterwänden und Plastikplanen bestehen.
Um den Kindern trotzdem ein bisschen das Gefühl von Weihnachten zu geben, wird es Essen, Eis, Piñata, ein Weihnachtsgeschenk für jedes Kind, eine Menge an Spielen geben und selbstverständlich auch einen Santa Klaus ;-)
Es geht aber auch anders: Viele Häuser in Zentrum sind schon schön geschmückt, die künstlichen Weihnachtsbäume stehen auch schon seit Ende November und das Fernsehen wünscht schon seit Wochen „Frohe Weihnachten und ein Frohes Neues Jahr!“ Aber Dinge wie Lebkuchen, Adventskalender, Weihnachtsmarkt und Glühwein gibt es natürlich nicht, nicht zu vergessen der Schnee oder zumindest Frost, der fehlt. Das macht es mir persönlich schon ganz schön schwer, mich auf Weihnachten einzustimmen…
Im Moment gibt es aber davon unabhängig die Tradition der Purisima. Zur Verehrung von Maria Empfängnis wird jeden Tag in einer anderen Straße die Marienstatue aufgestellt, geschmückt und am Abend mit Blaskapelle durch die Straßen getragen. Neben kleinen Geschenkpaketen für alle gibt es noch toros, also Feuerwerksbauten, mit denen angezündet Jugendliche durch die Straße rennen. Das ist sehr gefährlich, aber ein Riesenspektakel; die ganzen Kinder laufen dem Stier immer hinterher! Richtig schön anzusehen! Danach wird die Marienstatue wieder in die Kirche getragen, um am nächsten Tag um vier Uhr morgens von dem nächsten Stadtviertel wieder abgeholt zu werden. Vor allem bei der abendlichen Prozession kommt dann doch trotz des warmen Klimas ein bisschen Weihnachtsstimmung auf!
In diesem Sinne eine besinnliche Adventszeit, frohe Weihnachten und ein frohes neues Jahr!
Muchos saludos,
Ruth

