Zum Inhalt springen

Weihnachten

Christbaum
Datum:
Veröffentlicht: 24.12.23
Von:
Marco Weis

Der ohnmächtig-grenzenlose Gott

Der ohnmächtig-grenzenlose Gott

Immer wieder fragen Menschen danach, wo Gott im Krieg oder in persönlichem Leid ist – warum er nicht eingreift, nicht mit starkem Arm handelt. Sie fragen, warum der grenzenlos Allmächtige seine Allmacht nicht unter Beweis stellt und das Ruder herumreißt, warum der, der doch angeblich das All, die Sterne und unsere Erde umfängt nicht sichtbar eingreift. Und dann liegt die zweifelnde Schlussfolgerung nahe, dass Gott doch gar nicht so allmächtig, sondern vielmehr ohnmächtig und begrenzt ist. Das ist verständlich.

Dennoch kann folgender philosophische Gedanke helfen, trotz gegenteiliger Erfahrungen nicht zu klein von Gott zu denken – gerade am Weihnachtsfest: Gerade dadurch, dass Gott sich uns in einem Kind zeigt, er ein Mensch wird, gerade darin, dass Gott die Grenze überschreitet und die Sphäre seiner göttlichen Allmacht verlässt und ein ohnmächtiges Kind wird, ein Baby, zeigt er, dass er vor keiner Grenze Halt macht. Er offenbart seine Grenzenlosigkeit gerade darin, dass er vor der Grenze der menschlichen Endlichkeit nicht zurückschreckt, sondern sie überschreitet und zu uns kommt. Als allmächtiger Gott könnte er darauf getrost verzichten, doch er tut es nicht. Er wendet sich uns zu, indem er einer von uns wird. Wahr Mensch – und wahrer Gott. Darin zeigt sich, dass Gott oft so ganz anders ist und handelt, als wir uns das vorstellen und erwarten würden. Das ist herausfordernd aber zugleich tröstlich. Die Zusage seiner Nähe jedoch steht durch die Geburt seines Sohnes fest – und wurde besiegelt durch dessen Tod am Kreuz. Und so leuchten Sterne der der göttlichen Zuwendung in unsere menschlichen Nächte und Abgründe, geben Hoffnung und Zuversicht.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen im Namen des gesamten Seelsorgeteams ein gesegnetes Weihnachtsfest 2023.

Marco Weis