Warum arbeite ich gerne in der katholischen Kirche ...

Gemeindereferentin Beate Herrmann
Ich bin eine Frau.
Ich bin Mitte dreißig.
Und ich bin Gemeindereferentin in der katholischen Kirche.
Glauben Sie mir, das ist etwas, was ich oft erklären muss, wenn ich gefragt werde.
Gemeindereferentin – d.h. irgendwas bei der Stadt?
Nein. Bei der Kirche. Bei der katholischen Kirche.
Ein Beruf, der Laien in der katholischen Kirche möglich ist.
Warum? Fragen dann manche, andere verlieren prompt beim Wort katholische Kirche das Interesse.
Natürlich könnte ich jetzt einfach antworten:
Ich bin christlich erzogen worden und in einer Familie aufgewachsen, der der Glaube wichtig war. Ja.
Ich habe eine tolle Jugendarbeit und Ministrantenarbeit genossen und in Gemeinschaft mit anderen Gleichaltrigen und einer lebendigen Gemeinde Glauben kennen und lieben gelernt. Ja.
Ich habe mich für diesen Beruf entschieden, weil ich mit der frohen Botschaft arbeiten wollte. Ja.
Reicht das aus, um in einer Kirche zu arbeiten, die nicht gerade den besten Ruf hat, der scharrenweise die Leute wegrennen oder sich ganze Generationen schlicht und einfach überhaupt nicht mehr für sie interessieren?
Meine Checkliste ist wohl von meiner Biographie her gesehen der Zugang gewesen, der mich dazu bewogen hat, in dieser Kirche zu arbeiten.
Und bei aller berechtigter Kritik, bei allem auch vorkommenden eigenen Frust mit dieser Kirche, etwas überwiegt für mich nach wie vor, die frohe Botschaft des Jesus von Nazareth, Handwerker und Menschenfischer, Wanderprediger und Stein des Anstoßes für viele, Mitte und Halt und Hoffnung und Erlösung für andere, und für mich auch.
Könnte ich natürlich so auch leben ohne Kirche.
Aber will ich nicht.
Weil ich ihn, seine Nähe brauche, in der Eucharistie, in einem kleinen Happen, der mir aber den Himmel bedeutet und den Halt. Immer wieder.
Und weil ich glaube, dass er damals wie heute seine Truppe, die manchmal wohl auch eine Gurkentruppe sein kann, brauchen kann, Zweifler und Hoffer, Kämpfer und Verlierer, Menschen eben.
Und weil ich glaube, dass es dabei eben doch auf dich und mich ankommt, einfach ist es zu sagen:
Die Kirche soll dies, die Kirche soll das, die Kirche müsste, nun, ich bin ein Teil davon und ich glaube jeder einzelne auch, der diesen Jesus in die Mitte stellt.
Deshalb bleibe ich dabei und deshalb bin ich gerne dabei, weil ich ein Teil dieses Leibes bin, und weil ich glaube, dass er da ist, und mitgeht, jeden meiner Wege, bei Tag, in tiefster Nacht, in Sturm und in Sonnenschein.
Deshalb arbeite ich, deshalb bleibe ich bei dieser Gemeinschaft, der ich mich manchmal näher, manchmal ferner fühle, ganz besonders wenn es da arg menschelt, aber einer ist und bleibt die Mitte, und an ihm möchte ich mich festmachen, mit den Zweifeln und den Fragezeichen, mit meiner Hoffnung und mit meiner Freude, mit meinem ganzen Leben.