Stellungnahme von Erzbischof Schick zum Schreiben von Papst Franziskus an die deutschen Katholiken

Über das Schreiben von Papst Franziskus „An das pilgernde Volk Gottes in Deutschland“ bin ich sehr froh und dankbar. Der unmittelbare Anlass ist zwar der „Synodale Weg“, den die Deutsche Bischofskonferenz zusammen mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken beschlossen hat. Das eigentliche Anliegen des Papstes ist es aber, dieses Unternehmen sowie alle Initiativen und Aktivitäten der Kirche in Deutschland auf das Hauptziel der Kirche auszurichten: Die Evangelisierung. Als Verantwortlicher in der Bischofskonferenz für Weltkirche und Mission freut mich das sehr. Denn es gilt für die Kirche insgesamt und für die Kirche in Deutschland: Entweder missionieren oder demissionieren.
Der Papst lobt die katholischen Gemeinden in Deutschland für ihr Engagement. Er schreibt: „Die katholischen Gemeinden in Deutschland in ihrer Diversität und Pluralität sind weltweit anerkannt für ihr Mitverantwortungsbewusstsein und ihre Großzügigkeit, die es verstanden hat, die Hand auszustrecken und die Umsetzung von Evangelisierungsprozessen in Regionen in benachteiligten Gegenden mit fehlenden Möglichkeiten zu erreichen und zu begleiten.“ Damit nennt er indirekt die Missionswerke missio und die Solidarwerke Adveniat, Renovabis und Misereor sowie die deutschen Bistümer und Orden. Diesen guten Ruf dürfen wir nicht aufs Spiel setzen.
Franziskus ruft uns auch angesichts der derzeitigen kirchlichen Situation in Deutschland auf, die Evangelisierung bei uns selbst neu in den Blick zu nehmen. Das Evangelium ist frohe Botschaft. Jeder Getaufte soll selbst eine Mission sein: „Sei eine Mission“, trägt er jedem Getauften auf. Den Priestern und allen Hauptamtlichen in der Seelsorge rät er, nahe bei den Menschen zu sein, ihnen Wege zum Evangelium zu zeigen und daraus selbst Freude im pastoralen Dienst zu finden. Er mahnt uns auch eindringlich, die Einbettung in die Weltkirche nicht aufs Spiel zu setzen bei unseren Initiativen in Deutschland. Er schreibt: „Falls sie (die Teilkirchen in Deutschland) von der Weltkirche getrennt wären, würden sie sich schwächen, verderben und sterben.“ Jede Teilkirche muss die Katholizität, die Einbettung in die Weltkirche, bewahren. Das soll auch für den synodalen Weg gelten. Ebenso fordert er auf, den Weitblick nicht zu verlieren und nicht im Auf und Ab der Konflikte, den Sinn für die tiefe Einheit der Kirche zu verlieren.
Wir in Deutschland können gern auf den Papst hören; er legt uns die wesentlichen Themen und Aufgaben ans Herz. Sein Schreiben will uns am Hochfest Peter und Paul ermuntern, das zu tun, was uns Katholiken aufgetragen ist: In Verbindung mit dem Papst und der Weltkirche zu leben und zu wirken und auch für ihn zu beten, was er immer wieder von uns erbittet.
Ich konnte und wollte nur einige Aspekte des Schreibens hervorheben. Alle Katholiken und alle Interessierte bitte ich, das Schreiben des Papstes zu lesen, zu bedenken, zu besprechen und zu beherzigen. Sie finden es auf der Website der Deutschen Bischofskonferenz (www.dbk.de) und auch auf der Website unseres Erzbistums (www.erzbistum-bamberg.de).
Mit herzlichen Grüßen und allen guten Wünschen für ein gesegnetes Hochfest Peter und Paul und einen guten Sonntag.
Dr. Ludwig Schick
Erzbischof von Bamberg
Bamberg am Hochfest Peter und Paul, 29. Juni 2019.