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Randbemerkungen

Datum:
Veröffentlicht: 24.6.13
Von:
Marc Witzenbacher

Zum Johannistag

Am 24. Juni feiert die Kirche das Geburtsfest Johannes des Täufers.
An vielen Orten wird an diesem Tag ein Johannisfeuer angezündet, eigentlich ein heidnischer Brauch. An dem Tag, an dem die Sonne wieder früher untergeht, hat man in alten Zeiten mit einem großen Feuer die Finsternis vertreiben wollen. Die Kirche hat diesen Brauch als Johannisfeuer aufgenommen.

Am 24. Juni feiert die Kirche das Geburtsfest Johannes des Täufers. An vielen Orten wird an diesem Tag ein Johannisfeuer angezündet, eigentlich ein heidnischer Brauch. An dem Tag, an dem die Sonne wieder früher untergeht, hat man in alten Zeiten mit einem großen Feuer die Finsternis vertreiben wollen. Die Kirche hat diesen Brauch als Johannisfeuer aufgenommen und ihn mit dem Wort aus der Heiligen Schrift verbunden: „Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen.“ (Joh 3, 30) Johannes verweist auf Christus, die wahre Sonne. Auch wenn die weltliche Sonne abnimmt, wird die Sonne Christi in den Herzen weiter leuchten. Christus ist die Sonne, die den Tod vertreibt und alle Dunkelheit erhellt.

In der klösterlichen Tradition wurde Johannes sehr verehrt und sein Fest besonders gefeiert. Es war durch den Aufruf gekennzeichnet, nicht sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen, sondern mit seiner ganzen Existenz auf Christus zu verweisen. Benedikt von Nursia hat auf dem Monte Cassino zu Ehren Johannes des Täufers eine Kirche errichtet. Darüber hinaus gilt der Vorläufer Jesu auch als Patron der Kirchenmusik. So stand der Hymnus „Ut queant laxis“, der seit alter Zeit im Stundengebet an seinem Fest gesungen wird, bei der Benennung der Tonleiter Pate: Jede Phrase der Melodie beginnt einen Ton höher als die vorausgehende, so dass es sich anbot, die zugehörigen lateinischen Silben (ut bzw. do, re, mi, fa, sol, la) als Namen für die betreffenden Töne zu gebrauchen. Johannes gilt ebenfalls als Vorbild der christlichen Askese (vgl. Mt 11, 11), weist aber zugleich darauf hin, dass die Gnade größer ist als alles, was der Mensch durch spirituelles Bemühen erlangen kann.

Auch im evangelischen Festkalender ist der Johannistag verzeichnet. Johann Sebastian Bach hat drei eigene Kantaten zum Johannistag komponiert und aufgeführt. Vom Malteserorden bzw. seinem evangelischen Gegenstück, dem Johanniterorden, wird der Johannistag als höchster Feiertag begangen, da sich beide Orden auf Johannes den Täufer beziehen. In Sachsen, aber auch in anderen mehr evangelisch geprägten Gegenden, wird an diesem Tag zu Andachten auf dem Friedhof eingeladen.

Für die Landwirtschaft kennzeichnet der Johannistag ebenfalls einen wichtigen Punkt im Jahr. Als so genannter „Lostag“ entscheidet er nach alter Überlieferung über die Wetterverhältnisse der nächsten Monate. In vielen Dörfern wird an diesem Tag eine Johanniskrone aufgehängt. Sie wird aus Zweigen und Laub geflochten und mit zahlreichen Blumen geschmückt. Abends wird sie mit Kerzen erleuchtet.