Randbemerkungen
„Applaus und Anerkennung tun jedem Sportler gut“
Oft heißt es im Sport: The winner takes it all – und schon der Zweite ist der erste Verlierer. Und auch Jesus Christus, der ja im „Halbfinale“ am Kreuz eine heftige Niederlage einstecken musste, war im „Finale“ am Ostersonntag wieder der große „Winner“. Was sagt das Christentum den Loosern?
Pfarrer Schütt: Leider gibt es diesen eingeengten Blick nur auf den ersten Winner. Es hilft auch nicht, den Loosern mit wohlfeilen Tröstungen zu kommen. Aber man kann beginnen, einen Weg zu gehen, der erkennen und akzeptieren lernt, das Verlieren zum Sport gehört und als solches keine Schande ist. Vielmehr kann aus dem Verlieren Kraft für die sportliche Zukunft erwachsen und aus Fehlern kann man lernen. Alle sollten jedoch versuchen, den oben beschriebenen verengenden Blick abzulegen und die individuelle sportliche Leistung zu würdigen.
Warum ist es trotzdem in Ordnung und vielleicht auch wichtig, gewinnen zu wollen?
Pfarrer Schütt: Weil die sportliche Leistung ein mir anvertrautes Talent ist, das es zu entdecken und zu fördern gilt. Somit ist Leistung und Leistungssport zunächst einmal etwas Positives, denn er dient der Entdeckung, Erkennung und Förderung der eigenen Möglichkeiten, das aber unter Anerkennung der vorhandenen eigenen Grenzen und Möglichkeiten.
Was ist die Botschaft Jesu an diejenigen, die nicht mitspielen können – weil sie in Lebenswelten geboren werden, die ihnen von der ersten Stunde an keine Chance lassen oder weil sie schlicht nicht „fit“ genug sind?
Pfarrer Schütt: Ich weiß es nicht. Ich könnte mir aber vorstellen, dass es in die Richtung nach der Suche anderer Möglichkeiten geht, dem eigenen Leben Sinn abzugewinnen, und dass die Würde des Menschen nicht an der Möglichkeit des (Hoch-) Leistungssports hängt. Auch eine bescheidenere sportliche Leistung kann einem, je nach individuellen Möglichkeiten, schon das Gefühl von Freude und Zufriedenheit vermitteln, was unzählige Beispiele täglich zeigen.
Was kann im besten Fall ein Gewinner gewinnen?
Pfarrer Schütt: Innere Zufriedenheit, Freude und Stolz auf die erbrachte Leistung, die nicht nur materiell gewürdigt werden muss. Applaus und Anerkennung tun jedem Sportler gut. Das Materielle ist wichtig, aber nicht unbedingt das Entscheidende.
Hans-Gerd Schütt ist seit 2003 Sportbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz, seit 1996 Bundesbeirat des DJK-Sportverbandes.