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Randbemerkungen

Datum:
Veröffentlicht: 25.8.14
Von:
Dr. Luitgard Derschmidt, Pfarrbriefservice.de

Die Sprachen der Liebe

Wir alle wissen, dass es verschiedene Sprachen gibt, in denen man sich ausdrücken kann. Da gibt es die Sprachen, in denen sich Menschen verständigen, die in der gleichen Gegend, dem gleichen Land aufgewachsen sind. Wenn wir die Sprache eines anderen Landes lernen, so ist das zunächst für uns eine fremde Sprache, aber wenn wir sie können, haben wir eine weitere Möglichkeit, andere zu verstehen und von ihnen verstanden zu werden.

Es gibt aber auch andere Arten von Sprachen, wie z. B. die Zeichensprache, bei der wir uns durch Zeichen zu verständigen versuchen. Dabei bemühen wir uns, unsere Zeichen eindeutig zu machen, wir wollen ja verstanden werden. Hilfreich ist es da, wenn es uns gelingt, uns so weit als möglich in den- oder diejenige hineinzuversetzen, von dem wir verstanden werden wollen. Wir erkennen dann besser, was für den anderen gerade jetzt gut verständlich sein könnte.

Das Sich-in-den-anderen-Hineinversetzen oder der Versuch, etwas aus der Sicht des anderen zu sehen und zu verstehen, sind ganz heiße Tipps für gute Gespräche. Wir Menschen sind einfach nicht gleich gestrickt, sondern verschieden. Das macht auch den Reiz von jeglicher Art von Beziehung aus. Wenn wir alle gleich wären, so wäre das unsäglich fad, behaupte ich einmal. Andererseits ist die Verschiedenheit aber auch die Ursache für die vielen Missverständnisse.

Missverständnisse sind einfach normal und nicht zu vermeiden. Es liegt aber an uns, das zu akzeptieren und zu versuchen, sie zu erkennen und sie aufzuklären. Missverständnisse sind kein Zeichen eines Mangels an Liebe! Der Satz: „Wenn du mich liebtest, könntest du wissen, was ich will, und mir meine Wünsche von den Augen ablesen“ ist möglicherweise unser aller Wunschvorstellung, aber unrealistisch und dumm.

Sich aber darum zu bemühen, Missverständnisse zu erkennen, sie liebevoll aufzugreifen und gemeinsam zu klären zu versuchen, das bedeutet Liebe und Zuneigung.

Der amerikanische Paar- und Beziehungstherapeut Gary Chapman hat wiederholt die Erfahrung gemacht, dass Paare sich oft sehr umeinander bemühen, aber die Partner jeweils die Bemühung des anderen nicht wahrnehmen. Dass z. B. ein Partner dem anderen unheimlich viele Geschenke macht und der oder die andere nicht kapiert, dass das ein Zeichen der Liebe ist, und sich ungeliebt fühlt, weil der Andere so wenig Zeit für sie oder ihn hat.

Chapman hat herausgefunden, dass es fünf unterschiedliche „Sprachen der Liebe“ gibt, nämlich: Anerkennung – Geschenke – Unterstützung – Zeit – Zärtlichkeit.

Was für den einen das stärkste Zeichen der Zuneigung bedeutet, sagt dem anderen vielleicht nichts und belastet ihn womöglich noch. Das Problem dabei ist, dass jeder versucht, sich in der eigenen Sprache der Liebe auszudrücken. Das Risiko besteht, dass er oder sie vom anderen nicht verstanden wird, weil dieser eine ganz andere Sprache der Liebe hat. Wenn ich nur Deutsch sprechen kann, dann kann mir jemand stundenlang auf Französisch etwas erklären, und ich werde es nicht begreifen. Daher ist es einfach wichtig, dass man herauszufinden versucht, welche Sprache der Liebe der oder die andere spricht, damit man eben in der Sprache des anderen sagen kann, wie sehr man ihn mag.

Übrigens: auch für Kinder trifft das zu, wie man leicht beobachten kann.