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Randbemerkungen

Datum:
Veröffentlicht: 20.10.14
Von:
Dr. Eckhard Bieger SJ, Pfarrbriefservice.de

Doch keine Religion

Der Fußball vermittelt ekstatische Gefühle, reißt die Fans aus dem Alltag heraus und gibt eine Ahnung von einer anderen Welt, in die der Ball gelangt. Seine Riten sind mit denen der Religion vergleichbar. Wie in der katholischen Kirche legt eine oberste Instanz die Regeln für den Ablauf der wöchentlichen Feiern und der großen Festzeiten, der Europa- und Weltmeisterschaften fest.

Aber ist der Fußball eine Religion? Erklärt er z.B. den Fans, wie alles entstanden ist? Das tut der Fußball nicht. Wie die Wirtschaft und die Börse lebt er nur in der Gegenwart. Man kann mitmachen, den tieferen Sinn des Wettkampfes erklären aber weder die FIFA noch die Sportkommentatoren. Wie in der Börsenberichterstattung verfolgen die Medien nur das Geschehen, ohne den Zuschauern einen tieferen Sinn zu erschließen. Auch wenn der Fußball eine Art Jenseits kennt - wenn der Ball die Grenze überschreitet, leuchtet es kurz auf - bleiben die Zuschauer ohne Zukunftsperspektive. Ihnen wird durch die Teilnahme am Spiel nicht versprochen, in eine himmlische Existenz zu gelangen.

Ein Spiel hat etwas mit einem Opfer zu tun. Schweiß muss fließen, der einzelne Spieler muss sich für die Mannschaft aufopfern, aber trotz Opfer gibt es keine Gnade. Es gibt einen Sieger, die Absteiger werden von der nächsten Runde ausgeschlossen. Der Fußball funktioniert letztlich nicht anders als die normale Welt. Deshalb gibt es am Ende des Spiels nicht wie im christlichen Gottesdienst den Auftrag, in die Welt zu gehen und sie zum Guten zu verändern. Das Spiel hat keine besondere Hoffnung, nur auf das nächste Spiel, um dann vielleicht zu gewinnen.

Letztlich spiegelt der Fußball die Welt, ohne eine wirkliche Erlösung zu versprechen. Die Welt nicht zu verändern, aber in einem anderen Glanz erscheinen zu lassen, das macht der Fußball offensichtlich sehr gut.