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Randbemerkungen

Datum:
Veröffentlicht: 22.2.16
Von:
Stefan Schneider, in: Pfarrbriefservice.de

Interview. Richtig Fasten

Googelt man im Internet zum Stichwort „Fasten“, dann landet man bei unzähligen Diätratgebern und „Wellness-Experten“ – wird da ein christlicher Wert vereinnahmt und entfremdet? Oder bietet sich hier ein Einfallstor für die frohe Botschaft?

Viele Menschen sind heute zwar nur noch begrenzt kirchlich gebunden, dennoch bleibt ihnen die Sehnsucht nach Religion, die Sehnsucht nach dem, was sie „unbedingt angeht“, nach dem, wohin das Herz sie zieht. Aus einer christlicher Vorstellung vom Fasten sind mir drei Aspekte wichtig: Es ist geistlich, es ist solidarisch und es ist rhythmisch. Für das geistliche haben wir Jesus von Nazareth als Vorbild, der sich zu Beginn seines öffentlichen Wirkens in die Wüste zurückzieht, um sich auf die Auseinandersetzung mit dem Versucher vorzubereiten und die Götzen dieser Welt zu enttarnen. Mit dem Fasten werden wir mit der Frage konfrontiert: Wo kann der Versucher in meinem Leben ansetzen? Wo bin ich abhängig? Was macht mich unfrei? Solidarisch ist Fasten, weil es so viele Menschen auf dieser Welt gibt, denen die Lebensgrundlage fehlt, die mit einer Schale Reis am Tag und ohne sauberes Wasser auskommen müssen. Die Fastenaktion Misereor greift seit ihrer Gründung dieses Anliegen von Fasten als Zeichen der Solidarität und der „Compassion“ auf und elementarisiert diesen Gedanken in geistlichen Impulsen, in der Gestaltung der Liturgie und in Bildungsangeboten. Christliches Fasten ist aber auch „rhythmisch“: Es geht darum, einen Rhythmus zwischen Alltag und Festtag, zwischen Fasten und Feiern zu finden. In der Gestaltung der Fastenzeit als eine Zeit des Verzichts kommen wir wieder in Einklang mit uns selbst und mit unserem Leib. Denn nur wer Askese übt, kann auch genießen. Paradoxerweise lerne ich gerade im Verzichten genussfähig zu werden. Ich gehe dabei gut mit mir und meinem Körper um.

Ist das etwas, was moderne Menschen suchen?

Die genannten drei Aspekte, geistlich, solidarisch und rhythmisch, sprechen auch heute noch Menschen an. Manches davon findet sich sicher auch in säkularen Formen und Motiven des Fastens. Wir leben in einer Zeit der Individualisierung, das gilt auch in Bezug auf das Fasten. Die Fastenangebote der Kirche können helfen, den Horizont der Fastenden zu weiten: etwa das Wohltuende für den eigenen Körper mit Zeichen der Solidarität zu verknüpfen. Kirchliche Angebote für Fastengruppen etwa könnten aufzeigen: Wir leben nicht alleine, wir glauben nicht allein und wir fasten auch nicht allein.