Randbemerkungen
Interview. Richtig Fasten (2/2)
Viele Menschen denken beim Fasten nicht mehr nur ans Essen, sondern auch ans Autofasten, PC-Fasten, Fernsehfasten. Es gibt sogar eine Initiative, die sich das Enthalten von faulen Ausreden vornimmt. Was ist der Kern christlichen Fastens?
Es kommt nicht von ungefähr, dass das klassische Fasten, d.h. Reduzierung der Ernährung, beim Fasten an erster Stelle steht, da es auf ein urmenschliches Bedürfnis des Menschen reagiert. Aber auch die anderen Formen des Fastens haben ihren Sinn und können uns auf dem Weg einer christlichen Spiritualität weiterführen: Fasten als eine Reduktion der Sinnesreize, die uns in dieser modernen Welt überfluten, uns überfordern oder uns wegführen von uns selbst … Fasten im Sinne der Reduzierung kann uns die Freiheit wieder eröffnen, Wesentliches vom Unwesentlichen zu unterscheiden und das Leben wieder leise leben zu lernen.
Verzichten hat ja durchaus auch eine unangenehme Seite. Ist es wichtig, dass Fasten „weh tut“?
Christliches Fasten soll letztlich gut tun. Wenn das Fasten aber meine Abhängigkeiten, meine selbstgemachten „Götzen“ ansichtig macht, dann kann mich das Fasten auch in eine Krise führen, dann kann es mich mit meiner Angst konfrontieren, dann können auf dem Weg des Fastens auch Schmerzen auftreten. Doch eigentlich ist die Kirche ja Expertin für die Bewältigung von Krisen, von Lebensübergängen und Schwellenerfahrungen. Denken wir nur an die Riten, an die Sakramente und Sakramentalien. Gerade in solchen Übergangssituationen erweist sich die christliche Gemeinschaft, konkretisiert etwa in einer Fastengruppe, als eine große Stütze: Wenn ich in ein seelisches Loch falle, kann mich die Gruppe oder die geistliche Begleitung stützen und mir zur Seite stehen.
Prof. Dr. theol. Martin Lörsch ist Professor für Pastoraltheologie an der Theologischen Fakultät Trier. Zuvor war Martin Lörsch Abteilungsleiter im Bischöflichen Generalvikariat und von 2005 bis 2008 Bischöflicher Beauftragter für das Projekt „Entwicklung von Pfarreien und Pfarreiengemeinschaften im Bistum Trier und Strukturplan 2020“. Die Fragen stellte Stefan Schneider.