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Randbemerkungen

Datum:
Veröffentlicht: 26.6.23
Von:
Jan Korditschke SJ, Quelle: Jesuiten.org: Newsletter – Ignatianische Nachbarschaftshilfe; In: Pfarrbriefservice.de

Wollen Sie besser leben?

„Willst du gesund werden?“,
fragt Jesus einen Gelähmten (Joh 5,6).
Was für eine Frage!
Was Jesu Heilung eines Gelähmten für uns bedeuten kann

„Willst du gesund werden?“, fragt Jesus einen Gelähmten (Joh 5,6). Was für eine Frage! Natürlich wünscht sich der Kranke nichts sehnlicher, als wieder gehen zu können. Oder etwa nicht?

Es fällt auf, dass der Gelähmte die Frage Jesu gar nicht beantwortet, sondern mit Jammern reagiert: „Kein Mensch hilft mir!" (vgl. Joh 5,7). Offenbar hat Jesus einen wunden Punkt getroffen. Aber nicht nur bei dem Gelähmten. Auch bei mir. Manchmal mag ich nicht wahrhaben, was ich will. Sobald ich mir nämlich eingestehe, was ich will, stellt sich die Frage: „Warum mache ich es nicht?"

Wenn ich etwas will, hat dies Konsequenzen für mein Handeln. Dann verändert sich mein Leben. Aber bin ich dazu bereit? Oft scheint es einfacher, alles beim Alten zu lassen. Ich vermeide eine Antwort auf die Frage, was ich will. Aber so lähme ich mich selbst.

Der Kranke spürt, was es bedeutet, wenn er Jesu Frage mit „Ja" beantwortet ... und zieht es vor, das Problem von sich wegzuschieben: „Es liegt an den andern. Sie stehen mir nicht bei!“

Der Gelähmte braucht Hilfe, aber es geht nicht ohne sein eigenes Tun. Deshalb unterstützt ihn Jesus, indem er ihn ermutigt, aktiv zu werden: „Nimm deine Bahre und geh!“ (Joh 5,8)

Der Kranke könnte erwidern: „Du verlangst von mir genau das, was ich nicht kann. Erst musst du mich heilen, danach kann ich losgehen." Stattdessen macht er sofort, was Jesus sagt – und gerade so tritt die Heilung ein.

Oft meine ich, ich müsse zunächst meine Ängste loswerden, negative Gedanken austilgen, mehr Selbstvertrauen gewinnen. Erst danach könne ich meiner Sehnsucht folgen und besser leben. Ich kann aber sofort anfangen, Schritt für Schritt mein Leben zu verbessern.

Dabei komme ich nicht umhin, mich meinem Unbehagen zu stellen. Es gilt, unangenehme Gedanken und Gefühle anzunehmen – so wie der Gelähmte seine Bahre auf sich nimmt. Die Bahre gehört zu ihm, aber sie kann ihn nicht am Losgehen hindern. Alles, was ich denke und fühle, gehört zu mir, aber es kann mich nicht daran hindern, zu tun, was ich im Innersten will.

Wenn wir immer mehr so leben, wie wir eigentlich wollen, werden wir uns nach und nach besser fühlen und positiver denken. Wir werden heil.

Wollen Sie besser leben? Dann fangen Sie gleich damit an!