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Randbemerkungen

Datum:
Veröffentlicht: 26.2.24
Von:
Stanislaus Klemm; In: Pfarrbriefservice.de

Was heißt „Umkehr“?

Nicht selten stehen wir
vor der Entscheidung:
entweder weiter so, wie gehabt,
immer in dieselbe Richtung,
oder stehen bleiben und „umkehren!“
Wie Jesu Worte helfen können, neu zu denken

Nicht selten stehen wir vor der Entscheidung: entweder weiter so, wie gehabt, immer in dieselbe Richtung, oder stehen bleiben und „umkehren!“ Man sagt, dass die ersten und letzten Worte eines Menschen ganz besondere Bedeutung haben. So ist denn auch das biblische Wort: „Kehrt um!“ (Mk 1,15) im ältesten Evangelium nach Markus das erste von Jesus wörtlich überlieferte Wort. Wie ein Fanfarenruf klingt es, ein unüberhörbares Programm, das sich durch die gesamte Lehre Jesu hindurch zieht: „Kehrt um!“

Kehrt um – Denkt um!

Das deutsche Wort „Umkehr“ drückt eher eine äußere Bewegung aus. Im griechischen Urtext klingt es noch viel deutlicher, was hier eigentlich gemeint ist. Hier heißt es: „metanoeite!“ Das hat etwas mit Denken zu tun und heißt frei übersetzt: Denkt um, denkt anders, denkt neu, denkt quer, wandelt euch durch neues Denken, ändert euch von Grund auf! Stellt die Dinge einmal auf den Kopf, damit sie wieder ins Lot kommen! Nur so verstehen wir Jesu Botschaft: „Der Größte von euch soll euer Diener sein. Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.“ (Matth 23,11-12) oder: „So werden die Letzten die Ersten sein und die Ersten die Letzten!“ (Matth 20,16). Er sagt nicht, ob die Ehebrecherin gesteinigt werden soll oder nicht. Er redet und denkt viel radikaler: „Wer von euch ohne Schuld ist, der werfe den ersten Stein!“ (Joh 8,7). Das ist Umkehr!

Kunstvoll ausbalancieren

Man macht auf Schritt und Tritt immer wieder die Erfahrung, dass gelungenes Leben einhergeht mit einer kunstvollen Balance zwischen verschiedenen, sich immer wieder ergänzenden Gegensätzen, zum Beispiel zwischen Ich und Du, Festhalten und Loslassen, Streiten und Harmonie, Nähe und Distanz … usw. Probleme entstehen immer dort, wo wir eines dieser Bedürfnisse entweder untertreiben oder übertreiben. Hier gilt es, immer wieder stehen zu bleiben, nicht auf dem alten Weg weiter zu machen, sondern umzukehren, in die andere Richtung, auszubalancieren, bis wieder ein Gleich-Gewicht hergestellt ist.

Die Angst vor Veränderung hinter sich lassen

Die Bibel will uns Mut machen, wie wir überholtes und störendes Alltagsdenken durchbrechen können, bei dem am Anfang die Angst steht, alte vertraute Wege, „Trampelpfade“ zu verlassen. Wer Jesus vertraut und seine gute Botschaft vor Augen hat, der findet auch den Mut, umzukehren, und scheut nicht das Risiko, die vertraute Richtung einmal zu ändern. Besonders  die vermeintlichen „Querdenker“ sollten hier ihren vertrauten Blick auf ihre Verschwörungstheorien einmal verlassen, sollten „umkehren“, um wirklich „voran“ zu kommen.