Osterkerze 2025

Gelobt seist du, mein Herr, mit allen deinen Geschöpfen.
Das Motiv der diesjährigen Osterkerze bezieht sich auf den Sonnengesang des hl. Franziskus.
Dieses besondere Lied diente schon oft in Kunst und Musik als Grundlage für
schöpferisches Tun, was zeigt, dass der Text stets aktuell ist. Für eine Einstimmung ist der
Urtext, als deutsche Übersetzung im Gotteslob unter der Nummer 19,2 zu finden.
Für das Motiv habe ich als Grundform unser christliches Kreuz gewählt, welches in den
Farben des Regenbogens gestaltet ist.
Auf dem Kreuz sind in einzelnen Symbolen die Strophen des Sonnengesangs versinnbildlicht:
In abgekürzter Form läuft der Text als Schriftband um das Kreuz herum, scheinbar ohne
Anfang und Ende: Gottes Liebe ist unendlich und seine Schöpfung lobt ihn allezeit.
Der goldene Ring in der Mitte steht als Zeichen für „Bruder Sonne […], schön ist er und
strahlend mit großem Glanz, von dir Höchster ein Sinnbild.“ Der Ring soll Gott als Zentrum
verorten. Von ihm geht alles aus, zu ihm fließt alles zurück. Ein Tropfen in der Mitte zeigt
diese Verbindung. Er findet sich auch an den vier Enden des Kreuzes. Zusammen erinnern sie
auch an die fünf Wundmale Jesu.
Gemeinsam mit dem „Bruder Sonne“ schaffen „Schwester Mond und die Sterne“ durch Tag
und Nacht eine Struktur im Zeitenlauf. Die Sterne und der Mond begleiten uns in der Nacht.
Ihr Licht gibt Sicherheit in der Finsternis, weist manchmal sogar den Weg.
Von Franziskus wurde in der nächsten Strophe „Bruder Wind […] und jegliches Wetter“
besungen. Ein türkiser Wirbel symbolisiert ihn auf der Osterkerze. Dabei kommen mir zwei
Gedanken: Zum einen können wir in der Pfingstgeschichte von einem Brausen lesen (vgl. Apg
2,1-4). Die heilige Geistkraft kommt mit Sturmwind und Feuerzungen zu den Menschen. Sie
bringt etwas Gutes mit, alle wurden vom heiligen Geist erfüllt. Sie können die Sache Jesu mit
Begeisterung weitererzählen. Auch ein zweiter Gedanke taucht für mich an der Stelle auf:
Die Notwendigkeit unsere Schöpfung mit Begeisterung zu hegen und zu pflegen, denn die
Natur benötigt „jegliches Wetter“, damit alles gut wachsen kann. Diese Mahnung scheint
umso drängender, da der Klimawandel unserer Erde mächtig zusetzt und Naturkatstrophen
wie bspw. Wirbelstürme mit zerstörerischer Kraft über uns hinwegfegen.
Viel Behutsamkeit erfordert auch der Umgang mit „Schwester Wasser“. Hellblaue Wellen
sieht man auf dem Motiv. Der Mensch braucht Wasser, sauberes Wasser, damit es „nützlich“
ist, „demütig und kostbar und keusch“, wie es bei Franziskus heißt. Wasser ist im konkreten
Alltag lebensnotwendig, auch im übertragenen Sinn als Taufwasser, als Wasser des Lebens.
Jesus erklärt: „wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr
Durst haben; vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zur sprudelnden Quelle
werden, deren Wasser ewiges Leben schenkt“ (Joh 4, 14).
Hoffnung auf das ewige Leben spiegelt sich auch im „Bruder Feuer“, der „die Nacht“ erhellt.
„Und schön ist er und fröhlich und kraftvoll und stark.“ Das Feuer spendet uns Wärme, es
macht seine Umgebung hell. Als Zeichen steht das Feuer in der Osternacht für helle Freude.
Aber auch als übertragenes Zeichen für die biblische Botschaft wird es verwendet. In dem
Lied aus unserem Cantatebuch wird es so besungen: „Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht,
es hat Hoffnung und Zukunft gebracht. Es gibt Trost, es gibt Halt in Bedrängnis, Not und
Ängsten, ist wie ein Stern in der Dunkelheit.“ Auf der Osterkerze ist das Feuer wegen seiner
für mich zentralen symbolischen Bedeutung in der Mitte des Motivs platziert.
„Gelobt seist du, mein Herr, für unsere Schwester Mutter Erde, die uns erhält …“. Im
Sonnengesang wird unsere Erde gelobt, denn wir Menschen brauchen sie für unser tägliches
Leben. „Machet euch die Erde untertan“, so in etwa steht es in Gen 1,28. Zerstört sie nicht,
beutet sie nicht aus, sondern passt gut auf sie auf und behütet sie. Ein junger grüner Trieb
auf dem Motiv zeigt uns die Zerbrechlichkeit und die Wichtigkeit unserer Mutter Erde auf.
Genauso zerbrechlich wie unsere Umwelt ist auch unser Leben. Franziskus hebt das hervor:
„Selig, die ausharren in Frieden, …“. Frieden als Grundlage unseres Miteinanders. Als
Symbol dafür habe ich geöffnete Hände gewählt: Füreinander da sein in Krankheit, Leid und
Not. Jemandem eine ausgestreckte Hand reichen für das Verzeihen, für den Frieden und die
Liebe. Jesus sagt: „Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe (Joh 15, 12). Kaplan Philipose
hatte sich auch im Misereorgottesdienst zum Thema Menschenwürde zusammenfassend auf
diese Worte bezogen. Es war ein Appell.
Die Tropfen stehen für die Wundmale, für „unsere Schwester, den leiblichen Tod“. Die
Hände fangen den Tropfen auf. Gottes Hände fangen unsere Tränen der Trauer auf und
zeigen uns, dass wir alle irgendwann unser irdisches Leben in Gottes Hände und seine
Ewigkeit zurücklegen. Das spendet Trost und trotzdem: Gehen wir sorgsam mit unserem
Leben und dem Leben unserer Mitmenschen und unserer umgebenden Natur um, denn es
ist endlich, es verdient Aufmerksamkeit, Respekt, Freundlichkeit und Behutsamkeit.
Zu Ostern 2025 von Kathrin Karg