Datum:
Veröffentlicht: 1.10.10
Von:
I
Der Rosenkranz hat eine einfache Form, sein Inhalt aber ist groß und tief. Er ist ein Gebet des Verweilens. Wer ihn richtig beten will, muss wegtun, was drängt; absichtslos und still werden. Es kommt nicht darauf an, dass er den ganzen Rosenkranz durchwandere; lieber nur ein oder zwei Gesätze, aber in rechter Weise. Dahinein mag er sein ganzes Leben mitnehmen, Freuden und Schmerzen, Menschen und Dinge, alles – aber so, wie er es zu einem Menschen tragen würde, dessen Wesen Ruhe bringt: nicht um zu hören, wie er irgend etwas besser anfassen können, sondern damit alles ins rechte Licht gelange.
Romano Guardini (1940)