Konzert mit dem Kirchenchor

Musik um Donato Polli (1663–1738)
Im Rahmen der Feierlichkeiten zu „300 Jahre Stuckdecke in St. Xystus" laden wir zum Konzert nach St. Xystus ein am Sonntag, 11.10.2026 um 17:00 Uhr.
Gottfried Reiche (1667–1734): „Abblasen“ für Trompete und Orgel
Der Trompetenvirtuose und führende Stadtmusiker Leipzigs ist ein Paradebeispiel für künstlerische Höchstleistung in der Musik, wie es zeitgleich Donato Polli für die Stuckaturkunst in Nürnberg war. Die Resultate der Zusammenarbeit Reiches mit Johann Sebastian Bach zeigen, wie eng Künstler und Künste im Barock miteinander verknüpft waren. Ein Gesamtkunstwerk bilden im heutigen Konzert auch Musik und Raum – besonders, indem wir die Stuckdecke einbeziehen und indem sich Sinneseindrücke mit geistlichen Impulsen vereinen.
Johann Pachelbel (1653–1706): Toccata C-Dur für Orgel
Etwa zeitgleich ließen sich der Tessiner Polli (1690) und der gebürtige Nürnberger Pachelbel (1695) nach auswärtigen Studien und anderen ersten Wirkungsorten endgültig in Nürnberg nieder und wirkten dort jeweils in ihrem Metier – für Pachelbel war es das Kantorenamt an St. Sebald, für Polli der Beruf des unter dem Schutz Nürnbergs stehenden Stuckateurs – lokal und überregional bedeutend und schulbildend bis an ihr Lebensende.
Johann Pachelbel: Partia V, C-Dur (1691/1695) für zwei Violinen und Basso continuo, Sonata – Aria – Treza – Ciacona
Seit seiner Wiederentdeckung 1968 bis heute ungebrochen beliebt ist der Kanon in D von Pachelbel, nicht nur in Filmmusik, bei Hochzeiten, in Stadien, in Clubs, auf Beerdigungen. Er wurde sogar zu einer „geheimen Blaupause der Popmusik“. Fast unbekannt, aber gleich schön ist die vorgestellte Partie, die in eine Ciacona mündet, die – ähnlich dem berühmten Kanon – über einem gleichbleibenden Bass fantasievoll variiert – graziös und zugleich geometrisch gegliedert, ähnlich einer Stuckarbeit Pollis.
Antonio Vivaldi (1678–1741): Psalm 116 „Laudate Dominum omnes gentes“ für Chor, Streicher und Basso continuo, Allegro
Vivaldi vertritt den Erfolge des italienischen Musikstils, der schnell seinen Siegeszug in ganz Europa antrat. Speziell die Heimat Pollis, das Tessin (seit 1803 zur Schweiz gehörig), kulturell ebenfalls italienisch geprägt, brachte ganz ähnlich durch einen beispiellosen Kulturaustausch in der bildenden Kunst führende Baumeister, Stuckateure und Freskomaler über die Alpen.
Justinus Will / Justinus à Desponsatione B.M.V (1675–1747): Aria Pastorella B-Dur (1723) – Aria Pastorella C-Dur (1723) für Orgel
Der gebürtige Bamberger wirkte als Pater an Niederlassungen seines Karmeliterordens, in Osttirol und der Steiermark, hauptsächlich aber in Franken, etwa in Bamberg, Würzburg, Dinkelsbühl, Neustadt/Saale. Außer mehreren Predigtsammlungen veröffentlichte Will drei umfangreiche Bände für Tastenmusik, die das Repertoire der Organisten auch in Franken mitgeprägt haben dürften.
Valentin Rathgeber (1682–1750): Concerto C-Dur (1728) für Clarintrompete, Streicher und Basso continuo, Allegro – Adagio – Presto
Der aus Rhön stammende Benediktinerpater, der nach seiner Ausbildung in Würzburg ins Kloster Banz eintrat, gilt als einer der produktivsten Kleinmeister Mainfrankens. Gerade seine Kirchenmusikwerke, die er im Zuge seiner Kunstreisen durch Deutschland 1729–1739 schrieb, waren und sind heute wieder weit verbreitet. So ist Rathgebers Musik aus dem Umfeld Pollis nicht wegzudenken.
Johann Jakob Schnell (1687–1754): Magnifikat (1736) für Chor, Trompete, Streicher und Basso continuo, Grave – Allegro
Aufgewachsen als Sohn eines Lakaien am musikliebenden Hof von Graf Rudolf Erwein von Schönborn in Wiesentheid wurde Schnell in Bamberg 1714 Hofmusiker und 1727 Hof- und Kammermusikdirektor. Büchenbach gehörte zum Fürstbistum Bamberg, weshalb das wohl überhaupt erstmalig wieder aufgeführte Magnifikat, als authentisches musikalisches Gegenstück zur festlichen Stuckdecke wirken kann. Der Satz stammt aus einer Marienvesper in Schnells Opus VIII, das Franz Konrad von Stadion, Domkapitular in Bamberg und Würzburg gewidmet war, dem späteren Bamberger Fürstbischof.
Johann Jakob Schnell (1687–1754): Concerto Es-Dur (1729) für zwei Violinen und Basso continuo, Allegro – Adagio – Allegro
Das Konzert entstammt dem Opus 1, das Schnell beim Erscheinen in Bamberg 1729 dem dortigen Fürstbischof Friedrich Karl von Schönborn gewidmet hatte. Schnell berichtet, er habe fünf Konzerte dem Druck der sechs Messen beigefügt, weil das Concerto nach der an den meisten Orten üblichen Praxis Teil der musikalischen Messe – also des musikalischen Hochamtes an Festen – sei.
Valentin Rathgeber: Regina Coeli IV (1736) für Chor, Streicher und Basso continuo, [Allegro] – Alla breve
Das Werk stammt aus Rathgebers Opus XVI, das Vertonungen der Marianischen Antiphonen enthält. Die vorgestellte Vertonung zur Osterzeit verwendet die Melodie der heute weiter gebräuchlichen deutschsprachigen Version des Regina Coeli, des Liedes „Freu dich, du Himmelskönigin“ (Gotteslob 525). Es hatte sich seit 1600 verbreitet und kann auch in Büchenbach Verwendung gefunden haben, wo der Schulmeister für musikalische Kirchendienste mit einem „Liedgeld“ entlohnt wurde.
Giuseppe Torelli (1658–1709): Sonata D-Dur für Trompete, Streicher und Basso continuo, Grave – Allegro – Grave – [Allegro] Grave – Allegro
Wie Vivaldi repräsentiert Torelli die italienische Schule und prägte sie für die Konzertgattung auch maßgeblich mit. Torelli hatte Beziehungen nach Deutschland. Er unterhielt sogar engen Kontakt zu Johann Sebastian Bach, und vor seiner Rückkehr nach Bologna wirkte er kurzzeitig als Kapellmeister in Ansbach. Die Sonata ist Musterbeispiel einer für die Kirche bestimmten repräsentativen Musik.
Mitwirkende
Cornelius Liebster, Trompete; Celine Wilke, Violine; Katharina Liebster-Klakow, Violine; Sibylle Geisler, Violoncello; Christoph Brückner, Orgelbegleitung; Kirchenchor St. Xystus; Orgel und Leitung: Regionalkantor Erich Staab
Die Pfarrei St. Xystus freut sich am Ausgang über eine Spende für die kirchenmusikalische Arbeit und zur Deckung entstandener Kosten.
Danke!