IMPULS DES TAGES

„Karsamstag – Tag der Leere und der Stille, Tag der Ruhe“
Mitten drin zwischen Karfreitag und Ostern liegt der Karsamstag, „ein Tag der Leere und der Stille, ein Tag der Ruhe“.
Im Altarraum unserer Kirchen ist alles weggeräumt: keinerlei Schmuck, keine Blumen und keine Kerzen, keine Glocken, die die Ministranten beim Gottesdienst (gerne) läuten, nicht einmal ein Altartuch ist aufgelegt; und selbst der Tabernakel ist leer, d.h. auch das Ewige Licht, das das Jahr über Tag und Nacht brennt, ist nicht da!
Nur das Grab Jesu ist an diesem Tag in unseren Kirchen zu finden. Im Gedächtnis an die Grabesruhe Jesu bleibt der Karsamstag ein Tag ohne Gottesdienst!
Es herrscht also eine ungewohnte Leere in unseren Kirchen, eine Ruhe und eine Stille wie sonst kaum!
Dieser Tag ist wie eine Unterbrechung in unserem kirchlichen Jahreskreis, eine Zäsur, die unserer gegenwärtigen Lebenssituation in Zeiten von „Corona“ gleicht, wo auch der alltägliche Rhythmus von uns Menschen außer Kraft gesetzt ist und aufgrund not-wendiger Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie das sonst vertraute Miteinander nicht möglich ist.
Mit dem Tod Jesus am Kreuz, den wir am Karfreitag bedacht haben, ist alles ausgestanden; der Leidende ist erlöst im Tod.
Es herrscht nun Stille und Ruhe, mitunter aber auch Leere. Trauer und Ratlosigkeit, Entsetzen und Traurigkeit, Verzweiflung und Einsamkeit prägten damals die Situation der Jünger und der Freunde und Freundinnen von Jesus; und sie prägen auch heute die Situation vieler Menschen, die einen lieben Angehörigen oder Freund/Freundin verloren haben.
Ich selbst kann dies heuer besonders nachempfinden, da ich in eben dieser Karwoche einen lieben Menschen aus der Verwandtschaft verloren habe; und noch viel schmerzlicher ist dieser Verlust natürlich für den Ehepartner und die Kinder dieser Verstorbenen.
Und wenn ich an die Beerdigungen das ganze Jahr über denke, so muss ich oft erleben, wie traurig, enttäuscht und verzweifelt, ja manchmal fassungslos viele Menschen an den Gräbern ihrer Lieben stehen; und es bleibt ihnen nichts anderes, als loszulassen.
„Ruhe in Frieden“ so sprechen wir den Verstorbenen zu; und Gott, den Herrn über Leben und Tod, bitten wir: „o Herr, gib ihnen die ewige Ruhe und das ewige Licht leuchte ihnen!“
Heute, am Karsamstag, denken wir daran, wie Jesus und all unsere Verstorbenen uns vorausgegangen sind.
Jesus ist dem Tod und dem Leid nicht ausgewichen, sondern er hat das Kreuz auf sich genommen; er hat - wie wir - die Höhen und Tiefen menschlichen Lebens durchlebt; ja, er ist für uns am Kreuz gestorben und hat uns so Erlösung und Heil gebracht.
Der Karsamstag ist ein Tag, an dem wir in der Trauer verweilen und uns auch dankbar an viel Gutes zurückerinnern können, ein Tag der Ruhe und der Stille, und vielleicht auch der Leere, den wir nicht schnell hinter uns bringen müssen, sondern bewusst durchleben sollten.
Zugleich leuchtet - im Blick auf den morgigen Ostersonntag – doch auch schon ein Stück Hoffnung durch; die Hoffnung und das Vertrauen, dass mit dem Tod und der Grablegung nicht alles aus und vorbei ist, sondern dass – wie bei einem Samen, den wir in die Erde stecken, der dort ruht und schließlich keimt – neues Leben möglich ist; dass Auferstehung geschieht!
Auch die Zeit, wo sich anscheinend nichts tut, wo alles still zu stehen scheint – so eine Zeit erleben viele ja auch gegenwärtig! - ist oftmals wichtig für den nächsten Schritt, für etwas Neues im Leben!
Denn: Begraben in der Erde keimt und wächst neues Leben!