IMPULS DES TAGES

Erst wenn mir etwas fehlt, wenn ich etwas Selbstverständliches nicht mehr habe, entdecke ich die Bedeutung für mich. Erst dann weiß ich es wieder neu zu schätzen.
So ist das beim Fasten in den Wochen vor Ostern. Heute beginnt eine ganze neue Form des Verzichtens, des Fastens. Wir verzichten (teilweise) auf den Blick ins Gesicht des Nächsten.
Ab heute schützt eine Maske meinen Mund, meine Nase und auch ein wenig die Menschen, denen ich begegne beim Einkaufen, beim Busfahren,…
In den letzten Wochen habe ich immer wieder mal für die Maskenpflicht geübt. Selbst eine Maske zu tragen fällt mir nicht schwer – es ist ja für mich z.B. beim Einkaufen nicht so lange wie für andere, die mit Maske arbeiten müssen.
Aber mir wird bewusst, wie sehr mir der Blick ins Gesicht des Gegenübers fehlt.
Ich merke, wie sehr ich auf die Mimik, den Gesichtsausdruck, die Mundbewegungen bei einem Gespräch achte. Andere nur an den Augen zu erkennen wird eine spannende Übung werden. Mit Mundschutz fehlt soviel an Kontakt, an Begegnung.
Ich merke, wie ich mich im Gespräch mehr konzentrieren und genauer zuhören muss, wenn ich den Mund nicht sehe und die Worte durch den Mundschutz dumpf klingen. Ich denke an all die Gehörlosen, die auf diesen Augenkontakt beim Lippenlesen angewiesen sind.
So kann ich mir das Gesicht dazu denken. Ich kann mir überlegen: wie schaut mein Gegenüber wohl grade hinter der Maske? Wie geht es wohl – wirklich?
Don‘t worry. Be happy. Das erzählen die meistens lachenden Smileys.
Manchmal bekommt das „Pfarrhaus“, bekommt der Pfarrer von Menschen unserer Gemeinden ein Geschenk – als Zeichen des Dankes, als Zeichen der Aufmunterung. Manchmal reicht es nicht nur für ihn, sondern auch für all seine MitarbeiterInnen: eine Flasche Wein, Osterbrot, … Letzte Woche gab es – ausreichend für viele - MUNDSCHUTZ in besonderer Form.
Erst beim zweiten Blick habe ich den lachenden Smiley mit Mundschutz auf den Kuchenstücken erkannt (siehe Bild) und dann gedacht:
Ja, don‘t worry. Be happy.
(und Dank an den freundlichen Spender :-) )
Christine Held-Winkelmann