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IMPULS DES TAGES

Kreuz im Schatten
Datum:
Veröffentlicht: 26.6.20
Von:
Dominik Stehl

Das Kreuz mit dem Kreuz

Wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht wert.

Diese harten Worte stehen im Evangelium dieses Sonntags. Wer will denn da noch nachfolgen?
Wer ist schon gerne bereit, seine Familie und Freunde, Hobby und Freizeit hinten anzustellen, weil er Christus nachfolgen will? Das widerspricht doch dem Lebensgefühl von Freiheit und Selbstbestimmung, von Spaß und grenzenloser Entfaltung. Wir Menschen suchen lieber das Leben und nicht das Kreuz.

Es ist ein Kreuz mit dem Kreuz.

Doch wenn man einmal genau hinschaut, dann bemerkt man schnell, dass wir das Kreuz nicht suchen müssen, weil es immer da ist. Bei all den Möglichkeiten und Freiheiten unserer Zeit, durchkreuzt das Kreuz immer wieder unsere Lebensbahn. Sei es durch eine Krankheit oder eine Pandemie mit immer noch nicht absehbaren Folgen, plötzliche Arbeitslosigkeit oder familiäre Probleme, Todesfälle oder anderer Schicksalsschläge, denen wir nicht entgehen können. Und selbst wenn scheinbar alles nach Plan läuft, bemerke ich immer wieder eine innere Unruhe und Unzufriedenheit bei vielen Menschen, weil ihnen dann doch irgend etwas fehlt und sie im ständigen Drang nach Erfüllung ihr eigenes Leben zu einem Kreuz für sich gemacht haben.

Es ist ein Kreuz mit dem Kreuz – weil es einfach da ist und scheinbar zum Leben dazugehört.

Eine Werbung der 90er liefert hierzu einen bemerkenswert einfachen Vorschlag.           
„Vielleicht hätten sie jemanden fragen sollen, der sich damit auskennt. Gelbe Seiten machen das Leben leichter“
Vielleicht ist ja Jesus derjenige, der sich wie kein Zweiter mit dem Kreuz-Tragen auskennt.     
Vielleicht bedeutet das Kreuz auf sich nehmen und Jesus nachfolgen ja nicht die Selbstaufgabe und Verlust, sondern den richtigen Weg und Umgang mit dem Kreuz zu lernen. Bei Jesus führt das Kreuz, das so lebensfeindlich und hart und immer wieder unser Leben durchkreuzt nicht zu einem Ende, sondern wird zu einem Symbol für das Leben.           
So gesehen ist Nachfolge Jesu dann nicht nur eine veraltete Lebensform für Priester und kirchlicher Mitarbeiter, sondern eine Form für das Leben selbst.
Und passt auch der zweite Teil des alten Werbeslogans beinahe perfekt, wenn man den Satz leicht abwandelt:   

 Jesus Christus macht das Leben – selbst mit dem Kreuz – leichter.