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IMPULS DES TAGES

Datum:
Veröffentlicht: 28.3.20
Von:
Pastoralreferent Leo Klinger

„Entschleunigung“

„Entschleunigung“ - ein Wort, das auch schon vor der Coronakrise bekannt gewesen ist und auf dessen Bedeutung bereits damals viele Psychologen, Seelsorger, Literaten und Philosophen hingewiesen haben, erfährt in diesen Tagen für viele Menschen eine besondere nie zuvor dagewesene Aktualität.

- ein Wort, das auch schon vor der Coronakrise bekannt gewesen ist und auf dessen Bedeutung bereits damals viele Psychologen, Seelsorger, Literaten und Philosophen hingewiesen haben, erfährt in diesen Tagen für viele Menschen eine besondere nie zuvor dagewesene Aktualität.

„Wie das Land entschleunigt wird“,
„Quarantäne oder: endlich Entschleunigung“,
„Wir erleben, dass die Welt innehält.“
so und ähnlich lauteten in den vergangenen Tagen Überschriften in unseren Zeitungen.

Ja, das Leben vieler, fast aller Menschen hat sich in den letzten Wochen mit den Absagen von öffentlichen Veranstaltungen, nicht zuletzt aller Gottesdienste und pfarrlichen Treffen, mit der Schließung vieler Einrichtungen und mit den Ausgangsbeschränkungen grundlegend verändert.

Unzählige, ja die allermeisten Termine und Vorhaben mussten aufgrund von Corona gestrichen werden: Wir wurden durch das Virus sozusagen „ausgebremst“, und unser Leben, unser Alltag wurde damit zwangsläufig „entschleunigt“.

Wir haben plötzlich viel mehr Zeit für Dinge, die sonst in unserem täglichen Leben oft zu kurz kommen: für das Miteinander daheim, für Gespräche und Telefonate, fürs Innehalten und Nachdenken, für evtl. neue Orientierungen, …

Fragen, die wir uns gerade auch oftmals in der Fastenzeit stellen – was ist eigentlich wichtig und notwendig im Leben, was ist für das Miteinander gut und hilfreich, was trägt zu Frieden und Gerechtigkeit in unserer Gesellschaft und in der ganzen Welt bei? – die tauchen nun aufgrund der aktuellen Situation, aufgrund einer weltweiten Pandemie auf!

„Entschleunigung“ ist nun gezwungener maßen, aber auch konkret möglich!

Als Anregung dazu möchte ich Ihnen einen Text von Andrea Schwarz mit auf den Weg geben:

„Entschleunigung“

Was ist los mit unserer Welt?
Was ist los mit unserer Zeit?
Immer mehr, immer besser, immer schneller,
schneller, besser, mehr,
lauter, hektischer, anstrengender,
noch eine Idee, noch ein Termin, noch eine Aktivität,
noch ein Plan, noch eine Veranstaltung, noch ein Gremium.
Wir legen uns krumm, sichern uns ab, amüsieren uns zu Tode.
Wir stopfen uns voll mit Bildern und Eindrücken,
und lärmen und hasten, und machen und tun, und strengen uns noch mehr an
und doch ändert sich nichts –
also:
noch mehr tun, noch mehr machen,
noch besser, noch schneller, noch mehr?
noch mehr von demselben!?
das scheint nicht der Weg zu sein, der unsere Sehnsucht stillt
ganz im Gegenteil;
ein dumpfer Verdacht beschleicht mich:

Könnte es sein,
dass wir das Eigentliche verloren, vergessen, verdrängt haben -
dass wir unsere Wurzeln abgeschnitten, unseren Grund verlassen,
die Quellen zugeschüttet haben?

Könnte es sein,
dass wir gerade deshalb so viel tun?

Könnte es sein,
dass wir die Fragen nicht mehr aushalten, und deshalb dauernd Antworten geben?

Könnte es sein,
dass wir die Stille nicht mehr aushalten und deshalb so laut geworden sind?

Könnte es sein,
dass wir uns selbst nicht mehr aushalten und uns deshalb so nach außen orientieren?

Könnte es sein,
dass wir vor lauter Unterwegs-Sein das Ziel aus den Augen verloren haben?

Könnte es sein ... ?

Vielleicht ist jetzt etwas anderes angesagt;
vielleicht müssen wir den Teufelskreis von Machbarkeit, von Leistung und Tun durchbrechen,
um das zu finden, was wir wirklich suchen
damit unser Herz ruhig wird, unsere Sehnsucht sich stillt?

Vielleicht ist jetzt innehalten angesagt;
Tempo herausnehmen, entschleunigen, sich neu orientieren, den Weg neu bestimmen.

Vielleicht ist es angesagt;
Abschied zu nehmen
vom Glauben an die Machbarkeit,
vom Überzeugt-Sein „alles hängt allein an mir“
vom Glauben an die Götzen Macht, Besitz, Leistung.

Vielleicht ist lassen angesagt;
sich lösen von vordergründig Wichtigem
sich lösen von Erwartungen, Bildern, Ideen
um neu hinzuschauen, hinzuhören,
sich hinzugeben in den Strom der Lebendigkeit, in die Liebe Gottes
um neu zu sein, und neu zu werden.

(Andrea Schwarz)

Dass Sie, liebe Leserin, lieber Leser, diese Zeit – trotz der gegenwärtigen Einschränkungen – auch als eine sinnvolle, wertvolle Zeit, als eine Zeit, wo Neues aufbrechen und erfahren werden kann, erleben mögen und dass die Liebe Gottes Sie allzeit begleiten möge!

das wünscht Ihnen und dafür betet


Alle bisherigen Impulse finden Sie hier