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IMPULS DES TAGES

Gesundheit
Datum:
Veröffentlicht: 1.6.20
Von:
Christine Held-Winkelmann

Bleib negativ

„Ein seltsamer Gruß.“    Habe ich gedacht, als ich das letzte Woche zum ersten Mal gehört habe.

Noch dazu von einem Bekannten, den ich als fröhlichen, lebensfrohen, zuversichtlichen und alles in allem POSITIVEN Menschen kenne. Nach einiger Zeit des Nachdenkens konnte ich dann in diesem Gruß auch den guten Wunsch entdecken: in der aktuellen Zeit ist ein negativer Befund ein Hinweis auf gute Gesundheit.

Seit Anfang März höre ich oft den neuen Gruß „Bleib gesund“. Ja, das erhoffen wir für uns und die Menschen, die uns nahe sind, denen wir begegnen:  beim Einkaufen, auf der Straße, beim Radfahren und bei vielem mehr. Dieser Gruß hat das „Alles gut??!!“, der letzten Jahre abgelöst. Davor hörte man noch eher mal „Alles Gute“ beim Auseinandergehen. In meiner hessischen Heimat heißt es „Ei, guude wie“ (als Kurzformel für Hallo, guten Tag, wie geht es dir?)

Grußformeln ändern sich und sind von vielem abhängig: Situation, Alter, Zeitpunkt, Umfeld, Gelegenheit, Treffpunkt, …

Im Gottesdienst verwenden wir ebenfalls Grußworte:  der Herr sei mit euch, Gegrüßet seist du Maria, der Friede sei mit dir, sei gesegnet, … 

Immer klingt ein positiver Wunsch an, eine Bitte um gelingendes Leben, vielleicht auch die Hoffnung auf Gottes Begleitung und Nähe.

Aber wie schnell kann so ein Gruß auch oberflächlich und leer werden. Da hilft es über einen neuen Spruch zu stolpern und ins Nachdenken zu kommen: was wünsche ich denn WIRKLICH für den anderen? Was erhoffe und erbitte ich? Oder ist mein Gruß nur so daher gesagt?

Im Moment begegnen mir im Alltag immer mehr Menschen, die ich lange nicht gesehen, gehört, gesprochen habe. Vielleicht gelingt es mir, beim Grüßen wieder mehr ins Nachdenken, ins Stolpern, ins „von Herzen Gutes wünschen“ zu kommen.

Also:  bleiben Sie negativ.

 

Christine Held-Winkelmann, Gemeindereferentin