IMPULS DES TAGES
Brotbrechen
Liebe Schwestern und Brüder,
an diesem Wochenende steht der „Weiße Sonntag“ im liturgischen Kalender - jener Sonntag, an dem traditionell und zu „normalen Zeiten“ in vielen Gemeinden die Erstkommunionkinder zum ersten Mal zum Tisch des Herrn gehen und gingen, um den Leib Christi, das heilige Brot zu empfangen.
In unserem Seelsorgebereich war dieses Fest für die kommenden Sonntage vorgesehen; aufgrund der „Corona-Pandemie“ müssen wir unsere Erstkommunionfeiern heuer allerdings bis in den Herbst hinein verschieben. Die Kommunionkinder und ihre Eltern müssen mit viel Geduld und Ausdauer nun auf ihr großes Fest, auf den Tag ihrer Erstkommunion warten. Und auch die geplanten Jubelkommunionfeiern in St. Xystus und in St. Heinrich, welche für heute vorgesehen war, mussten wir verschieben.
Das stimmt uns – genauso wie schon der Ausfall der öffentlichen Ostergottesdienste und aller Feierlichkeiten – traurig und lässt uns angesichts der weltweiten Corona-Krise ratlos zurück. Diese Pandemie mit ihren gravierenden Folgen bedeutet einen Bruch innerhalb unseres Alltags, eine einschneidende Zäsur in unserem gesellschaftlichen und auch privaten Leben.
Viele Gläubige vermissen inzwischen die gemeinschaftlichen Gottesdienste, die Eucharistiefeiern, die Menschen zusammenführen, das Miteinander-Beten und -Singen in der Kirche, die Mahlfeiern, in denen das Brot gebrochen wird, und die Kommunion um den Altar.
Das „Brotbrechen“ erinnert uns – ebenso wie die Emmausjünger, für die mit dem Tod Jesu auch Vieles zerbrochen war – an Jesu Wirken im Abendmahlsaal, an seine Liebe und Hingabe, an seinen Auftrag: „Tut dies zu meinem Gedächtnis!“
Dieses „Brotbrechen“ ist seit unserer Erstkommunion ein wichtiges und wertvolles Zeichen für uns, ein Zeichen, dass Jesus Christus sich uns mit-teilt, dass er stets für uns da ist, dass er auch die Brüche in unserem Leben - wie verschieden sie auch aussehen mögen – annimmt und letztlich zu einem guten Ganzen zusammenfügt.
Das Brotbrechen
ist heute wie damals
Erkennungszeichen der Christen.
Seine Spur führt vom Abendmahlssaal
über das Kreuz
bis in unsere Kirchen.
Im gebrochenen Brot
feiern wir die Gegenwart dessen,
der unsere Gebrochenheit annahm,
der Menschen von ihren Gebrechen befreite,
der sich die Knochen brechen ließ,
ohne daran zu zerbrechen.
Das gebrochene Brot
ist damit auch Zeichen für unsere Gebrochenheit,
für die Bruchstellen in unserem Leben,
für Versagen, an dem wir zu zerbrechen drohen,
für die Zerbrechlichkeit unserer Beziehungen,
Zeichen für zerbrochene Hoffnungen und Pläne.
Beim Brechen des Brotes
dürfen wir die Brüche unseres Lebens
annehmen und vor Gott tragen,
voll Vertrauen, dass auch er sie annimmt
und sie zusammenfügt
zu einem neuen Ganzen.
Text: Gisela Baltes, www.impulstexte.de, in: Pfarrbriefservice.de