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IMPULS DES TAGES

Datum:
Veröffentlicht: 30.5.20
Von:
Leo Klinger

Pfingsten 2020 – anders als gedacht …

Viele Erlangerinnen und Erlanger werden „Pfingsten“ heuer ganz anders und vielleicht auch ganz neu erleben!

Die einen, die mit Pfingsten schlicht und einfach „den Berg“, also die „Erlanger Bergkirchweih“ verbinden, und die normalerweise schon Wochen vorher auf dieses Ereignis hin fiebern, müssen irgendwie damit zurechtkommen, dass dieses wunderbare, faszinierende Großereignis aufgrund von „Corona“ in diesem Jahr nicht stattfinden kann; und die anderen, die mit Pfingsten eines der drei christlichen Hochfeste verbinden – zugegebenermaßen das in der Öffentlichkeit am wenigsten bekannteste und auch weniger groß gefeierte als Weihnachten und Ostern – müssen irgendwie damit zurechtkommen, dass dieses Fest heuer unter ganz anderen Bedingungen als sonst in unseren Kirchen gefeiert wird. Denn auch Gottesdienste unterliegen den Einschränkungen und Vorgaben, an die wir uns heuer angesichts der Corona-Pandemie aus guten Gründen halten müssen: die Gottesdienstbesucher/innen müssen Abstand halten, jede/r muss eine „Mund-Nase-Schutzmaske“ tragen (auch Pfarrer und LektorInnen, wenn er/sie nicht gerade selbst spricht), alle dürfen und können nur eingeschränkt singen (mit einer solchen Maske geht es auch schlecht!) und beim Empfang der Kommunion ist größte Vorsicht und Distanz geboten.

Bis zum Ausbruch der Corona-Pandemie hat sich diese Szenarien wohl niemand vorstellen können: weder dass die Bergkirchweih jemals total abgesagt werden würde noch dass man so miteinander Gottesdienst feiert!

Nicht damit gerechnet, dass es so kommen würde, wie es letztlich kam, hatten auch die Freunde und Jünger Jesu vor ca. 2000 Jahren - in diesem Fall allerdings mit umgekehrten Vorzeichen: Während sie ängstlich, enttäuscht und verstört hinter verschlossenen Türen versammelt waren, kam Jesus Christus, der Auferstandene, zu ihnen, um ihnen die Angst zu nehmen, um ihnen Frieden und Mut zuzusprechen. Und nach der Himmelfahrt Jesu kehrten die Jünger – wie es in der Apostelgeschichte heißt – in das „Obergemach zurück, wo sie nun ständig blieben.“

„Als jedoch der Pfingsttag gekommen war, …kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daher fährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren.“ Und „alle wurden mit dem heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab.“ (Apg 2,1-13)

Vielleicht, liebe/r Leser/in, können auch wir, wenn wir unsere „Corona-Schockphase“ überwunden haben, vertrauensvoll, neu und voller Hoffnung wieder in die Zukunft blicken;
vielleicht können auch wir gestärkt und ermutigt durch den Heiligen Geist Dinge anpacken, die wir vorher nicht im Blick hatten oder die wir uns vorher nicht zugetraut hatten;
vielleicht können auch wir die Botschaft Jesu verständlich und hilfreich an andere weitergeben – so wie es ihnen und ihrer Situation entspricht und angemessen ist.

Die „vielen Sprachen“, von denen in der Bibel die Rede ist, könnten ein Bild für die Vielfalt sein, in der wir auch heute die Botschaft Jesu annehmen und weitergeben, leben und erleben. Das II. Vaticanum sprach ja von den „Zeichen der Zeit“, die es für uns Christen zu erkennen und auf dem Hintergrund des Evangeliums zu deuten gilt.

Die Herausforderungen der Corona-Pandemie, die Menschen in aller Welt erfasst hat, sowie die gesamtgesellschaftliche Verantwortung als Antwort darauf, und ebenso die erfreulich große Solidarität unter den Menschen, das Füreinander-Einstehen in Zeiten der Beschränkungen und Zurückhaltung, und all die vielen konkreten und kreativen Formen der Hilfe und Unterstützung, die Menschen in diesen Tagen entwickelten, mögen ein hoffnungsvolles „Zeichen der Zeit“ von heute sein!

Denn: auch hier und heute wirkt der Geist Gottes unter den Menschen und ermutigt sie zum Guten und zu neuen Taten – innerhalb und außerhalb der Kirchen!

Vertrauen wir der Kraft des Heiligen Geistes in unseren Kirchengemeinden und in der Welt und singen oder beten wir gemeinsam – gerade auch in dieser Corona-Zeit: „Komm, Schöpfer Geist kehr bei uns ein!“