IMPULS DER WOCHE

Vor allem für ältere Menschen wird so ein Lockdown schnell zu einer Wüste, aber auch viele junge Menschen tun sich schwer damit, wenn das breite Angebot an Zerstreuung und Freizeitaktivitäten, an Feiern und sozialem Austausch plötzlich nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr möglich ist.
Solch eine Stille und Leere würden wir heute am liebsten meiden und die eigene Ohnmacht ist für viele kaum auszuhalten. Dabei ist die Wüste in der christlichen Tradition immer schon ein Ort der besonderen Gottesbegegnung.
Die Heilige Schrift und viele unserer Heiligenlegenden sind voll von Gotteserfahrungen in der echten oder in der symbolischen Wüste und bis heute gehören Wüstentage und Exerzitien zu festen Bräuchen im Glaubensleben vieler Menschen.
Dabei ist vor allem die bewusste Auseinandersetzung mit der Stille und Leere, die heute scheinbar so schwer zu ertragen sind, ein wichtiges Element. Wenn die alltägliche Zerstreuung fehlt, wenn die vielen täglichen Ablenkungen und Nebensächlichkeiten schwinden, kann der Geist zur Ruhe kommen. Wenn nicht mehr Zerstreuung und Ablenkung, sondern Sammlung und das bewusste Wahrnehmen im Vordergrund stehen, kann auch die Stimme Gottes wieder besser gehört und der Geist sich ganz anders und neu mit dem eigenen Selbst beschäftigen.
Natürlich ist so ein Lockdown mit vielen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Schwierigkeiten verbunden und natürlich fällt diese Zeit, mit all den Einschränkungen niemandem leicht. Ich möchte Sie jedoch ermutigen, ohne zu große Angst auf diese Wüstenzeit zu schauen und der Stille und Leere einmal bewusst zu begegnen. Die Leere und Stille der Wüste war schon immer ein besonderer Ort der Gottesbegegnung und Erfahrung. Gott ist auch und besonders in den Wüsten unseres Lebens an unsere Seite. Hier kann er die Leere und Stille füllen, wenn wir sie nur zulassen und offen sind für ihn.
Ein Beispiel, wie dies gelingen und ganz praktisch aussehen kann, war die große Welle an Solidarität und Nachbarschaftshilfe während des ersten Lockdowns. So können die Leere, der Verzicht und die vermeintliche Stille im sozialen Leben ganz neue Bereiche eröffnen und Gott auf ganz neue Weise in unserem Leben wirken. Ich wünsche Ihnen viele solcher Gotteserfahrungen in ihrem Leben. So werden wir gemeinsam auch diese Wüste – diesen Lockdown überstehen, denn Gott ist mit uns.