Spannend finde ich es jetzt vor Pfingsten, die sieben Gaben des Heiligen Geistes in die Welt unseres Alltags zu buchstabieren.
- Die Weisheit: Das ist die Lebenserfahrung, die Zusammenhänge versteht. Ich empfinde es wie Durchblicke, die sich durch die Lebensjahre öffnen. Zum Beispiel, wenn wir erkennen, dass Konflikte manchmal ganz andere Ursachen haben, als man auf den ersten Blick annimmt. Da nervt ein Kollege und trotz bester Versuche kommt man nicht zusammen. Aber vielleicht liegt das gar nicht an den Themen zwischen uns, sondern an Verletzungen aus früherer Zeit, die hier wieder aufbrechen. Ein Konflikt mit dem Vater oder der Mutter, oder Kränkung durch einen Vorgesetzten. Die Weisheit kommt dem auf die Spur und kann dort heilen, wo alles beginnt, im Herzen.
- Die Erkenntnis: Das ist das Ende einer Verblendung. Vielleicht könnte man heute sagen: Wenn eine Filterblase aufbricht, entsteht Erkenntnis. Wenn ich über den eigenen Kirchturm hinausschaue, erkenne ich: Es geht nicht nur mir so, sondern vielen anderen auch. Gemeinsam lässt sich ein guter Weg finden.
- Der Rat: Ich finde, Rat zu bekommen und Rat zu geben, etwas Schönes und Schweres zugleich. Schwierig ist es, wenn mein gegenüber mir sagt: „Das musst du so machen.“ Dann ist es weniger Rat, sondern Befehl. Wenn das Gegenüber aber sagt: „Ich würde hier so handeln.“, wird aus dem Befehl ein Beispiel, dem ich folgen kann oder auch nicht.
- Die Stärke: Auch sie geht in zwei Richtungen. Es ist manchmal gut, einen starken Arm zu finden, der uns stützt und aufrichtet. Dann kann auch ich Stärke zeigen, helfen und unterstützen.
- Die Einsicht: Etwas endlich zu verstehen, ist wie ein freudiges Fest. Wir lernen ein Leben lang. Wir dürfen auch Fehler dabei machen, wenn wir nur erkennen, wie wir wieder auf den richtigen Weg kommen.
- Die Frömmigkeit: Das ist ein Leben aus dem Glauben. Unser Glaube sagt: Die Liebe ist stark, sogar stärker als der Tod. Die Liebe überwindet alles und Gott liebt uns.
- Die Gottesfurcht: Dieser Name hört sich abschreckend an, ist aber im Grunde nur das Gegenbild zu dem, von dem wir uns üblicherweise bestimmen lassen: von der Angst vor der Meinung anderer über mich, der Angst, benachteiligt zu werden. Von diesen negativen Ängsten sollen wir uns nicht steuern lassen, sondern auf Gottes guten Willen schauen.