IMPULS DER WOCHE
Gaudete – Freut Euch!
so ist der 3. Adventssonntag, den wir ja gerade eben gefeiert haben, im kirchlichen Kalender überschrieben. Diese wunderbare Bezeichnung, dieser hoffnungsvolle Ausruf stammt aus dem sog. „Eröffnungsvers“ dieses Sonntags, der da lautet: „Gaudete in Domino semper“ - zu deutsch: „Freut euch im Herrn zu jeder Zeit!“ (Phil 4.4)
Mit diesem 3. Adventssonntag beginnt ja – so könnte man sagen – die „zweite Halbzeit des Advents“. Das große Ereignis, auf welches uns die Adventszeit vorbereitet, die Geburt des Jesuskindes, rückt also immer näher; und die Vorfreude auf dieses Fest ist immer deutlicher zu spüren. Im Philipperbrief, dem dieser Vers entnommen ist, heißt es dann auch gleich noch einmal bekräftigend: „Noch einmal sage ich: Freut euch! Denn der Herr ist nahe.“ (Phil 4,5)
Die sonst im Advent übliche liturgische (Buß-)Farbe „violett“ kann an diesem Tag durch ein seltenes „rosa“ aufgehellt werden – vergleichbar dem 4. Fastensonntag in der Fastenzeit vor dem Osterfest. Mancherorts wird am „Gaudete-Sonntag“ am Adventskranz deshalb auch eine rosafarbene Kerze entzündet, um der Vorfreude auf das bevorstehende Weihnachtsfest besonderen Ausdruck zu verleihen, denn Weihnachten soll ja für alle Menschen ein Tag der Freude und Zuversicht werden.
„Gaudete – Freut euch!“ Schön klingt das, so wird manche oder mancher nun vielleicht sagen, aber wie soll ich mich freuen in einer Zeit, die zum Verzweifeln ist, in einer Zeit, wo aufgrund der Corona-Pandemie Vieles eingeschränkt ist und selbst unser „normales, alltägliches Leben“, unser übliches, gewohntes Miteinander nur unter gewissen Auflagen stattfinden kann.
Wie sollen wir uns freuen, da unser Leben mit Sorgen und Mühen, mit Krankheiten und Ängsten, mit Ungewissheiten und vielen offenen Fragen behaftet ist. Wie soll angesichts so vieler düsterer Nachrichten aus aller Welt, die wir täglich der Zeitung, dem Fernsehen und den neuen sozialen Medien entnehmen können, Freude und Hoffnung aufkommen?
Und solche unbefriedigenden, scheinbar hoffnungslosen und ausweglosen Situationen gibt es in der Politik, in der Wirtschaft und in der Gesellschaft, aber ebenso auch in der Kirche und in unseren Gemeinden, und natürlich auch im ganz persönlichen, privaten Bereich, wo Konflikte und Streit, Ängste und Aggressionen, Verzweiflung, Wut und Spannungen der Hoffnung und Freude kaum Platz lassen.
Freude, Hoffnung und Zuversicht lassen sich nun mal nicht mit einem Knopfdruck oder mit einem Code so einfach herstellen und erzeugen. Da braucht es mehr, zumal wenn es um jene tiefere Freude geht, von der die Bibel spricht.
Dennoch lohnt es m.E., mal auch darüber nachzudenken, worüber sich Menschen denn freuen bzw. freuen können: manche finden Freude und Erfüllung in der Natur, manche in ihrem Hobby oder auch in ihrer Arbeit, manche – hoffentlich viele - finden Freude und Glück in ihrer Partnerschaft, unter Freunden und im Kreise einer größeren Gemeinschaft; dazu könnte ein Verein, ein Seniorenclub oder auch eine Kirchengemeinde zählen, und manche finden auch Freude am Leben überhaupt bzw. an vielen kleinen Erlebnissen, die das Leben und das Miteinander-Leben so mit sich bringt: ein kleiner Plausch, ein freundlicher Blick, ein ermunterndes Wort, eine versöhnliche Geste nach einem Streit, wenn jemand nach einer Krankheit oder einer OP wieder auf den Beinen und gesund ist, wenn kleine Kinder ihren Eltern oder Großeltern stolz etwas Neues zeigen oder vormachen, wenn ich etwas geschenkt bekomme, wenn ein Lob oder gute Wünsche mich erreichen, usw. usf.
Vielleicht nehmen Sie sich an dieser Stelle auch mal einen Augenblick Zeit, um einmal darüber nachzudenken, worüber Sie sich selbst freuen oder in den letzten Tagen und Wochen gefreut haben … und wofür wir – trotz aller Einschränkungen – dankbar sein können. Auch dazu lädt der Advent uns ein!
Der Advent als eine Zeit der Besinnung und Erwartung, der Vorfreude und der Hoffnung lässt uns Ausschau halten nach Gott, der in einem kleinen Kind in unsere Welt kommt, nach Gott, der uns ganz nahe kommt und Mensch wird, nach dem Retter und Erlöser für alle Menschen!
Das ist der Grund und Anlass unserer adventlichen Freude, die uns am 3. Adventssonntag besonders aufleben lässt, und in einem bekannten Lied folgendermaßen zum Ausdruck gebracht wird: „… du bist der Freudenschein, der uns so glücklich macht, dringst selber in uns ein; du bist der Stern in der Nacht, der allem Finsteren wehrt, bist wie ein Feuer entfacht, das sich aus Liebe verzehrt, du, das Licht der Welt.“
Dass dieses „Licht der Welt“, dieser „Freudenschein“ Sie in der restlichen Adventszeit begleiten und an Weihnachten erfreuen möge!
das wünscht Ihnen und Euch von Herzen
Ihr und Euer Pastoralreferent Leo Klinger