IMPULS DER WOCHE
„Arbeiter/innen im Weinberg des Herrn gesucht!“
Seit Jahr und Tag gibt es ihn schon – genau genommen seit 1934, als er in der St. Hedwigskathedrale in Berlin zum ersten Mal begangen wurde: der monatliche Gebetstag um geistliche Berufungen.
Eingeführt wurde dieser Tag durch Bernhard Lichtenberg, einem Priester, der mehr als vierzig Jahre in der Berliner Seelsorge tätig war und zuletzt als Domprobst an der Bischofskirche St. Hedwig wirkte. Während der nationalsozialistischen Diktatur trat Bernhard Lichtenberg öffentlich für die Verfolgten ein, was ihm selbst später auch den Tod einbrachte.
Seit jener Zeit kommen jeweils am Donnerstag vor dem Herz-Jesu-Freitag (das ist immer der erste Freitag im Monat) Gläubige an verschiedenen Orten zusammen, um für geistliche Berufungen zu beten. Sie tun dies entsprechend dem Auftrag Jesu, wie er im Matthäus-Evangelium formuliert ist: „Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden“ (Mt 9,38).
Und das bedeutet heute, nicht nur für Priesterberufe, sondern für alle Berufe in der Kirche Sorge zu tragen und dafür zu beten. Da dieser Gebetstag demnächst wieder ansteht, und wir in unserem Pastoralteam – was ich sehr positiv und schön finde - auch vielfältige Berufungen und Berufe vertreten haben, u.a. auch einen angehenden Priester, möchte ich meinem heutigen Impuls diesem Thema widmen. Nicht zuletzt hat auch ein Artikel im letzten „Heinrichsblatt“ (= unsere Bistumszeitung) über die neuen Pastoralassistentinnen und –assistenten zu dieser meiner Entscheidung beigetragen.
Dort wird berichtet, dass vor kurzem elf junge Leute aus dem Erzbistum Bamberg sowie den Diözesen Würzburg und Eichstätt nach Abschluss ihres Theologie-Studiums nun ihre Ausbildung zur Pastoralreferentin, zum Pastoralreferenten begonnen haben. Leider geht inzwischen auch hier – wie bei der Priesterausbildung schon länger – die Zahl der Berufsanfänger immer mehr zurück. Als ich vor gut drei Jahrzehnten meine Ausbildung machte, waren es allein in der Erzdiözese Bamberg mehr als elf Männer und Frauen, die neu in den Dienst der Kirche starteten.
Was aber, liebe Leserin, lieber Leser, früher wie auch heute immer noch gilt, das ist gleich in der Überschrift zu diesem Artikel beschrieben: „Es ist ein Beruf, der nie langweilig wird!“
Wenn ich in meine persönliche Geschichte zurückblicke, so kann ich dies nur bestätigen: egal ob in meinen ersten Berufsjahren in der Jugendarbeit im Stadtteil Anger, wo es darum ging, mit und für die Jugendlichen vor Ort den „Jugendtreff Anger-Heilig Kreuz“ auf der „Kumpfwiese“ ganz neu aufzubauen und mit Pfadfindern, offener Jugendarbeit, Hausaufgabenbetreuung für Flüchtlingskinder, Aktionstagen uvm. zu beleben, oder später in der Gemeinde mit jungen Familien, mit Kommunionkindern und Firmlingen, mit kreativen, engagierten Arbeitskreisen, mit Kindergarten-Kindern und –Eltern in Kontakt zu kommen und vielfältigste Gottesdienste sowie auch Wochenenden miteinander zu gestalten oder nun hier in St. Heinrich die Leitung einer Gemeinde in einem größeren Seelsorgebereich innezuhaben – langweilig wurde es mir dabei nie!
Denn: immer wieder neu geht es um die Begegnung mit Menschen auf dem Hintergrund des Evangeliums, der Frohen Botschaft, die Jesus in unsere Welt gebracht hat – einer Botschaft, die von Gerechtigkeit und Solidarität, von Liebe und Frieden, von der Wertschätzung eines jeden einzelnen geprägt ist, von einer Botschaft, die befreiend und hilfreich sein will …
Die Motive und die Zugangswege, manchmal auch Umwege, einen kirchlichen Beruf zu ergreifen, können freilich ganz verschieden sein: manche/r mag vielleicht schon jahrelange Ministranten/innen-Erfahrung mit sich bringen oder in der Jugend(verbands-)arbeit aktiv gewesen sein; ein/e andere/r mag vielleicht eine ganze Zeit lang auf Distanz zur Kirche gewesen sein, und beginnt etwas später sozusagen als „Quereinsteiger/in“, aber jede/r bringt ihr/sein persönliches Charisma mit – und davon kann die Kirche sehr vielfältige und verschiedene gebrauchen: Gemeindereferentinnen und Pastoralreferenten, Priester und Diakone, Religionslehrer/innen und Kirchenmusiker, Ordensleute, Erzieherinnen und Pfarrsekretärinnen, Sozialpädagogen/innen, usw. usf.
Nicht nur am Gebetstag um geistliche Berufungen können wir beten:
Herr Jesus Christus,
immer wieder stehe ich vor der Herausforderung, mich entscheiden zu müssen.
So viele Möglichkeiten stehen mir offen.
Gibt es einen Auftrag für mein Leben, den ich entdecken und erfüllen kann?
Gibt es eine konkrete Aufgabe, die mir für den heutigen Tag gestellt ist?
So vieles scheint sinnvoll und gut.
Wie finde ich in all dem das Richtige für mich?
Was kann mir helfen, das zu wählen, was zu mir passt und was du von mir willst?
Welche Richtung soll ich einschlagen?
Ich bitte dich: zeige mir, wie ich meine Fähigkeiten sinnvoll einsetzen kann.
Lass mich erkennen, für wen ich da sein soll; und hilf mir, entsprechend zu handeln.
Ich vertraue darauf, dass du auch für mich eine Aufgabe hast, die zu mir passt.
Ich weiß, dass du mir zur Seite stehst und mir die Kraft gibst, sie zu erfüllen.
Hilf mir, dass ich durch meinen Glauben andere für deine frohe Botschaft begeistere.
Stärke mich, damit ich durch meine Hoffnung Trost spende.
Erfülle mich mit deiner Liebe, damit ich meinen Mitmenschen liebevoll begegne.
Mach mich bereit, auf dein Wort zu hören … und gib mir den Mut, darauf zu antworten.