IMPULS DER WOCHE
„Du stellst meine Füße auf weiten Raum …“
Das diesjährige Misereor-Hungertuch (siehe Bild), welches die Künstlerin Lilian Morena Sanchez geschaffen hat, zeigt den Fuß eines Menschen; allerdings in einer etwas anderen Form und Art, wie man das normalerweise wohl erwarten würde.
Denn: die Basis dieses Hungertuches ist ein Röntgenbild. welches den gebrochenen Fuß eines Menschen wiedergibt – eines Menschen, der bei Demonstrationen gegen Ungerechtigkeit und soziale Ungleichheit durch die Staatsgewalt verletzt worden ist.
Dazu passend ist als Überschrift der Psalmvers 31,9 ausgewählt: „Du stellst meine Füße auf weiten Raum“. So heißt es in diesem Psalm 31, der an „Gott, unsere sichere Zuflucht“ gerichtet ist, und der vom großen Vertrauen auf Gott, den Retter, Erlöser und Befreier erzählt.
Ja, Gott sieht die Situation der Menschen, er sieht Elend und Not und wendet sich dem Menschen zu, der zu ihm ruft. Gott behütet und stärkt den Menschen, Gott schafft Freiräume und schenkt Zuversicht, er ist an unserer Seite! – darauf vertraute damals der alttestamentliche Beter und darauf dürfen auch wir heute in den verschiedensten Situationen hoffen!
„Du stellst meine Füße auf weiten Raum“ …
- ich denke da an viele Menschen, die an vielen Orten dieser Welt gegen Ungerechtigkeit, Willkürherrschaft und Gewalt aufstehen und auf die Straße gehen, die unermüdlich – Woche für Woche – für Freiheit und Gerechtigkeit eintreten.
- ich denke an die vielen Menschen, die vor Krieg und Gewalt, Unterdrückung und Verfolgung aus ihrer Heimat fliehen und in der Fremde Schutz und Hilfe suchen.
„Du stellst meine Füße auf weiten Raum“ …
- ich denke dabei auch an all jene, die - zwar in sicherer Umgebung, aber nach einem Konflikt, einem Streit voneinander getrennt – wieder erste Schritte aufeinander zu tun und bereit sind zu Verständigung und Vergebung.
- ich denke ebenso an viele aufgeschlossene, hilfsbereite und offenherzige Menschen, die ohne Vorbehalte auf andere zugehen, die kontaktfreudig sind und neue Begegnungen ermöglichen.
„Du stellst meine Füße auf weiten Raum“ …
- ich denke da auch an viele junge Eltern, Väter und Mütter, (und auch an Omas und Opas) die sich aus ganzem Herzen freuen, wenn ihr Nachwuchs (bzw. ihr Enkelkind) zuerst noch wacklig und dann immer sicherer die ersten Schritte alleine schafft; und wenn - einige Jahre später - die Jugendlichen und jungen Erwachsenen lernen, auf eigenen Füßen zu stehen und „durchs Leben zu gehen“
- und ich denke schließlich an alle Menschen, die „mit beiden Beinen im Leben stehen“ und die auf Gott vertrauend stets den Mut und die Kraft haben, immer wieder aufrecht vor Gott und voreinander zu stehen …
denn „Gott stellt unser aller Füße auf weiten Raum!“
Mit ermutigenden Grüßen in dieser angespannten Zeit!
Ihr und Euer Pastoralreferent Leo Klinger