IMPULS DER WOCHE
Katharina von Siena
Im Laufe des Kirchenjahres begegnen uns Feste und Gedenktage, bei denen an das Leben und die Legenden heiliger Frauen und Männer gedacht wird. Manche sind uns sehr gut bekannt (Nikolaus, Martin, Barbara,..).
Aber immer wieder sind da auch Heilige, die eher unbekannt sind. Eine davon hat am 29. April ihren Festtag:
Katharina von Siena (1347 -1380), 1461 heiliggesprochen
Mystikerin, Ordensfrau, Kirchenlehrerin (seit 1970), Schutzpatronin Europas (seit 1999), …). Eine beeindruckende Frau, ein beeindruckendes Leben. 1347 in Siena als 24. von 25 Kinder in einer verarmten Adelsfamilie geboren, die meisten Geschwister starben an der Pest, mit 6 Jahren erste Visionen, mit 7 Jahren gelobt sie Jungfräulichkeit, mit 12 Jahren verweigert sie sich den Heiratsplänen der Eltern, sie verbringt ihre Jugendjahre mit Fasten und harten Bußübungen, sie schließt sich mit 16 Jahren den Dominikanerinnen an. Später kümmert sie sich in Siena um Kranke und wird für viele zur „geistlichen Mutter“. Sie lernte erst spät lesen und schreiben und trotzdem sind von ihr fast 400 diktierte Briefe erhalten. Sie schreibt an die Päpste ihrer Zeit und nimmt Stellung zu den kirchlichen und politischen Fragen. Sie bewegt den Papst zur Rückkehr von Avignon nach Rom und kämpft für die Einheit der Kirche und Frieden in der Gesellschaft. Mit 33 Jahren stirbt sie nach langer Zeit des Fastens und Verzichts in Rom.
Und doch begann ihr Leben im Kreis der Familie mit den Höhen und Tiefen des Alltags, mit dem Streit unter Geschwistern und mit den Sorgen und Ängsten der Eltern. Vieles aus ihrer Lebensgeschichte - gerade auch der Jugendzeit- kennen Familien auch heute noch: das Kind hat seltsame Träume (Visionen), es verweigert Nahrung (Fasten? Oder bereits Magersucht?), es hat seinen eigenen Kopf (warum macht sie was sie will? Ich will doch nur ihr Bestes), sie kann kaum lesen und schreiben (und doch findet sie einen Weg zum Briefeschreiben), sie hält sich nicht an die Traditionen der Gesellschaft und Kirche (sie wagt als Frau mehr als erlaubt ist) und vieles mehr.
In ihrem Leben finden wir viel Kampf, viel Begeisterung, viel Einsatz, viel Verzicht und Fasten, viel Leid und viel Hingabe an den Weg des Glaubens. Mit intensiver Leidenschaft lebte sie ihr Leben. All das finden wir auch heute in unseren Familien. Trotz aller Sorgen gehen Töchter und Söhne ihren Weg, nicht immer im üblichen Rahmen. Meist werden sie nicht heiliggesprochen oder berühmt, aber sie nutzen ihre Lebenszeit.
Manchmal haben sie, haben wir ein Vorbild, ein Lebensmotto, etwas wofür wir uns begeistern, etwas was wir mit ganzer Seele lieben.
Zwei Zitate von Katharina passen dazu in diese „besondere“ Zeit:
- Die Stunde ist kostbar. Warte nicht auf spätere Gelegenheit.
- Ohne Liebe kann die Seele nicht leben. Die Liebe trägt die Seele.