IMPULS DER WOCHE
Johannes der Täufer – der Wegbereiter Jesu
Mitten im Sommer, am 24. Juni, und damit genau 6 Monate vor Weihnachten, feiern wir das Fest des Johannes des Täufers - einen Festtag, um den sich im Laufe der Jahrhunderte auch viele Bräuche und Riten entwickelt haben, insbesondere das Johannisfeuer, auf das wir aufgrund von Corona leider auch heuer verzichten müssen.
Die Kirche feiert diesen Johannistag ganz bewusst genau ein halbes Jahr vor Heiligabend; denn die Lebensgeschichte Jesu und die von Johannes dem Täufer werden bereits im Lukasevangelium ganz eng miteinander verwoben.
Dort finden sich neben dem Hinweis auf die Geburt des Johannes auch zwei großartige Lobgesänge: das „Benedictus“ (Gotteslob Nr. 617/2) und das „Magnifikat“ (Gotteslob Nr.634/4) – zwei Texte, die in der Kirche bis heute ganz wichtige Bestandteile des täglichen Stundengebets sind. Die besondere Bedeutung von Johannes, dem Vorläufer Jesu, kommt auch noch dadurch zum Ausdruck, dass dieses Hochfest vom Johannes dem Täufer (außer dem Fest „Maria Geburt“) der einzige Geburtstag eines Heiligen ist, den die Kirche feiert.
Johannes – dieser Name bedeutet: „Gott hat Gnade erwiesen“ – wurde als Kind von Elisabeth und Zacharias im Bergland von Judäa geboren; zu einer Zeit, da seine Eltern aufgrund ihres hohen Alters die Hoffnung auf ein Kind schon fast aufgegeben hatten.
So erzählt das Lukas-Evangelium auch von wunderbaren Zeichen, die mit der Geburt des Johannes verbunden sind – Hinweise darauf, dass hier etwas Besonderes geschieht, dass Gott hier den Menschen Gnade erweist. Im „Benedictus“, dem Lobgesang des Zacharias, heißt es: „Gepriesen sei der Herr, der Gott Israels! Denn er hat sein Volk besucht und ihm Erlösung geschaffen … Und du, Kind, wirst Prophet des Höchsten heißen, denn du wirst dem Herrn vorangehen und ihm den Weg bereiten.
Das ist und war Johannes: der Wegbereiter Jesu!
Sein späteres Wirken zeigt dies – als er sich in die Wüste zurückzog und als er schließlich mit viel Mut und großer Kraft predigte und die Menschen zur Umkehr zum Guten aufrief. Und als Zeichen der Umkehr taufte Johannes die Menschen im Jordan. Er verwies die Menschen dabei immer wieder auf den Willen, auf das Reich Gottes und forderte Gerechtigkeit und Gewaltlosigkeit, die Bereitschaft zum Teilen und zum Verzicht. Er stärkte die Kleinen und Armen im Volk, und er übte Kritik an den Mächtigen und ihren Machenschaften, auch am König Herodes, was ihm letztlich Kerker und Tod brachte.
In Jesus, der auch zum Jordan kam, um sich von Johannes taufen zu lassen, erkannte er den Messias, den Sohn Gottes, und sprach: „Nach mir kommt einer, der ist stärker als ich … Seht, das ist das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinweg nimmt.“
So erfüllte Johannes der Täufer auf beeindruckende Weise seine Aufgabe, für Jesus den Weg zu bereiten und die Menschen auf Jesus, den Retter und Erlöser, hinzuweisen – auf den, der Licht in unsere Welt und in unser Leben bringen will: "Durch die barmherzige Liebe unseres Gottes wird uns besuchen das aufstrahlende Licht aus der Höhe, um allen zu leuchten, die in Finsternis sitzen und im Schatten des Todes" (Lukas 1,78f) so lesen wir im Lukas-Evangelium.
Und somit wären wir auch wieder beim Brauch, am Johannistag, ein großes Feuer zu entzünden: das Johannis- oder Sonnwendfeuer – ein Symbol für die Sonnen- und Zeitenwende am längsten Tag des Jahres; ein Symbol, das Licht, Segen und Freude in die Welt und für die Menschen bringen soll.
Möge dieses Licht, diese Hoffnung und Freude, die wir mit dem Johannisfeuer verbinden, sowie der Mut und die Standhaftigkeit des „Wegbereiters“ Johannes auch Sie und uns alle in unserem Alltag, im vor uns liegenden Sommer begleiten und stärken!
Das wünsche ich Ihnen, liebe Leserin und Leser, und ganz besonders allen, die Johann(es), Hannes oder Hans bzw. Hanna, Johanna, Jeanette oder ähnlich heißen.