IMPULS DER WOCHE
„Sonne der Gerechtigkeit gehe auf in unserer Zeit …“
Eigentlich sollte mein Impuls für diese Woche den „SSB-Gottesdienst“, den alle katholischen Gemeinden des Erlanger Westens am kommenden Sonntag in St. Heinrich feiern, zum Thema haben; und damit verbunden alles Gemeinschaftliche, was in den letzten Jahren hier gewachsen ist, wie z.B. eben dieser Gottesdienst, den wir jedes Jahr reihum miteinander feiern, oder der ökumenische Pfingstmontagsgottesdienst, den wir abwechselnd mal in Büchenbach, mal in Alterlangen feiern, mal in einer katholischen, mal in einer evangelischen Kirche, oder die ökumenische Bibelwoche, die letzte Woche stattgefunden hat, oder die Gremien, die inzwischen pfarreiübergreifend arbeiten, usw.
Diese Gemeinschaft verbindet, stärkt und belebt, ja: „Gemeinsam sind wir stark“ – könnte man da als Resumee festhalten.
Auch das regelmäßige Miteinander im Pastoralteam, das sich ja aus verschiedensten Personen mit unterschiedlichen Berufungen und Berufen (Pfarrer, Kaplan, Diakon, Gemeinde- und PastoralreferentInnen, mitunter auch PraktikantInnen oder FSJlerInnen) zusammensetzt, fördert die Gemeinschaft und das Miteinander in der pastoralen Arbeit vor Ort.
Und ebenso natürlich das Miteinander von Haupt- und Ehrenamtlichen in den Gemeinden und in der Seelsorge, was sehr wertvoll und wichtig ist für unsere Gemeinden und das Gemeindeleben.
Ja: „Gemeinsam sind wir stark!“
Eigentlich sollte das – wie gesagt – mein Thema sein …
Die aktuellen Ereignisse in unserer katholischen Kirche lassen uns jedoch nicht so einfach zur Tagesordnung zurückkehren. Zu belastend und bedrückend für viele von uns ist, was das Münchner Missbrauchsgutachten zu Tage gefördert hat; als eine „Bilanz des Schreckens“ bezeichneten es die damit beauftragten Anwälte. Und noch bedrückender und beschämender ist, wie manche zuständige und verantwortliche kirchliche Würdenträger, an oberster Spitze der emeritierte Papst Benedikt XVI., damit umgehen.
„Institutionen- und Täterschutz standen vor der Sorge um das Wohl der Betroffenen sexuellen Missbrauchs. Das ist die erschreckende Bilanz auch dieser Studie“ so fasst es der Würzburger Bischof Franz Jung zusammen. Und der Nürnberger Stadtdekan stellt fest, was viele Beobachter und Christen wohl ähnlich sehen, dass „es lange Zeit eine wirkliche Blindheit bei der Institution Kirche gegeben hat, was das Thema Missbrauch angeht“.
Gott sei Dank gibt es inzwischen in unserer und vielen anderen Diözesen viele Präventionsschulungen und eine gesteigerte Sensibilität und Aufmerksamkeit gegenüber dieser Thematik in allen kirchlichen Einrichtungen und Ebenen, konkret auch in den Gemeinden und Gremien vor Ort.
In einem aktuellen Brief an die pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie an die Gläubigen schreibt unser Erzbischof Ludwig Schick, dass die Opfer von Missbrauch und Gewalt bei allem Handeln an oberster Stelle stehen müssten. „Persönlich und auch als Institution müssen wir alles tun, um ihnen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen und wiedergutzumachen, soweit es geht.“
Zum Christsein gehöre, sich der eigenen Schuld und dem Versagen zu stellen. „Wahrheit ist dabei ein hohes Gut, das niemals aus opportunistischen Gründen, aus Feigheit oder Selbstgerechtigkeit durch Unwahrhaftigkeit, Verschleierung oder Vertuschung gebeugt oder missachtet werden darf.“ Jeder Missbrauch müsse geahndet und aufgearbeitet werden.
Dennoch bleibt angesichts der aktuellen Erfahrungen und Nachrichten m.E. in der Kirche – wie auch in jedem anderen großen System – die Frage, wie es um die Reformfähigkeit und –bereitschaft bestellt ist: „von oben her“ oder „von unten her“ oder in einem konstruktiven Miteinander? (s. „Synodaler Weg“)
Wie ist es möglich, die Frohe Botschaft Jesu so umzusetzen, dass sie zu einem gelingenden, zu einem glückenden Leben für alle führt, zu einem gerechten und wahrhaften, wertschätzenden Umgang miteinander?
Erzbischof Schick schreibt weiter: „Unsere Zeit und unsere Zukunft brauchen die Schätze des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe. Unsere Gesellschaft und die Menschheit aber auch unsere Kirche benötigen die Werte und Tugenden der Wahrheit, der Treue, der Güte und des Wohlwollens, der Gerechtigkeit und des Friedens, der Menschenfreundlichkeit und Liebe“, und er kündigt an, dass in den kirchlichen Gremien demnächst vertieft über die Situation der Kirche und ihre Aufgaben heute gesprochen werde.
Am besten tun wir dies – wie auch schon bislang (siehe mein ursprüngliches Impuls-Thema) - gemeinsam und miteinander, offen und ehrlich und auf dem Hintergrund eines Liedes, welches mich – trotz aller Enttäuschungen und Rückschläge - immer wieder neu motiviert:
„Sonne der Gerechtigkeit gehe auf zu unserer Zeit; brich in deiner Kirche an, dass die Welt es sehen kann. Erbarm dich, Herr.“
„Weck die tote Christenheit aus dem Schlaf der Sicherheit, … (siehe Gotteslob Nr. 481)
Ihr und Euer Pastoralreferent Leo Klinger