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IMPULS DER WOCHE

Datum:
Veröffentlicht: 21.10.20
Von:
Leo Klinger

„Alles hat seine Zeit“

Am nächsten Wochenende steht sie wieder an: die Zeitumstellung von Sommer- auf Winterzeit!

Für die einen ist diese zweimalige Zeitumstellung im Jahr ein regelmäßiges Ärgernis im Frühjahr und im Herbst, eine unangenehme, unnötige Sache - verbunden mit Schlafstörungen und Ermüdungserscheinungen, der Biorhythmus kommt durcheinander und man braucht ein paar Tage, bis man sich auf die neue Zeit eingestellt hat.

Für die anderen ist dieser Wechsel zwischen Sommer- und Winterzeit, der in Europa seit 1996 praktiziert wird, eine durchaus sinnvolle und erfreuliche, mehr oder weniger leicht zu verkraftende „Zeitenwende“, freuen sie sich doch auf lange, lauschig-angenehme Sommerabende im Freien oder darauf, dass es im Winter nicht erst so spät am Morgen hell wird.

Verschiedene Zeiten kennen wir alle jedoch auch aus vielen anderen Lebensbereichen: da haben wir – wenn wir auf unsere individuelle Lebensgeschichte blicken – unsere Kindheit und Jugendzeit, die Zeit des Erwachsen-Werdens, die Zeit als Paar und als Familie, die Zeit unseres Berufs- und Arbeitslebens, die Zeiten der Rente und als rüstige/r Senior/in – heutzutage (im Vergleich zu früher) durchaus viele, viele Jahre, ja Jahrzehnte.

Diese verschiedenen Lebensalter haben natürlich auch ihre je eigene Prägung! Vielleicht gönnen Sie sich ja nach dem Lesen dieses Tagesimpulses (oder auch gleich an dieser Stelle) eine gewisse Zeit, ein paar Augenblicke der Ruhe und Besinnung, um ein bisschen zurückzublicken auf Ihr bisheriges Leben mit seinen verschiedenen Abschnitten …

Daneben gibt es freilich auch innerhalb eines jeden Lebensabschnittes vielfältige Erfahrungen und persönliche Erlebnisse: es gibt – wie wir in der Bibel, im Buch Kohelet oder Prediger (geschrieben im 3. Jahrhundert vor Christus) lesen können: „eine Zeit des Gebärens, des Pflanzens und des Bauens“, aber ebenso „eine Zeit des Sterbens, des Aberntens und des Niederreißens.“ Es gibt „eine Zeit zum Weinen und der Klage“ und es gibt eine Zeit zum Tanzen, zum Freuen und zur Liebe“, ja – es gibt auch „eine Zeit zum Umarmen und eine Zeit die Umarmung zu lösen.“

„Umarmen“ oder die Hand geben ist – wenn gleich wir es oft gerne tun würden, um menschliche Nähe und Herzlichkeit auszudrücken - in diesen unseren Tagen von Corona freilich gar nicht möglich. Angesichts dieser Pandemie und aktuell wieder steigender Fallzahlen zeigen sich in diesen Wochen und Monaten Nächstenliebe, Aufmerksamkeit und gegenseitige Wertschätzung sowie Rücksichtnahme vielmehr darin, einen gewissen Abstand (in der Regel 1,5 Meter) zu halten. Das heißt: wir müssen derzeit eine Zeit voller Sorgen und Klagen, eine schmerzliche Zeit des Verzichtens und der Einschränkungen, mitunter auch eine Zeit des Jammerns und des Unmuts mancher Zeitgenossen aushalten und durchstehen.

Wenn wir – wie Kohelet – jedoch auf Gott und sein Wirken schauen; darauf, dass alles in Gottes Händen liegt, und darauf, dass Gott – egal was geschieht – uns stets nahe ist, dann dürfen wir auch darauf vertrauen, dass auch diese Corona-Zeit einmal vergehen wird und eine neue, andere Zeit kommen wird.

Und wir dürfen bzw. können schließlich auch erkennen, dass diese unsere gegenwärtige Zeit – so schwierig, belastend und anstrengend sie sein mag – zugleich auch eine Zeit des solidarischen Miteinanders und der Verbundenheit, der Aufmerksamkeit und Sorge füreinander und der liebevollen Zuwendung ist - nun halt auf eine andere neue Weise …

So gilt wohl auch heute – nach mehr als 2300 Jahren – was Kohelet zu Beginn dieses Bibeltextes sagt: „Alles hat seine Stunde. Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit.“

Eine „gute Zeit“ wünscht Ihnen und Euch
Ihr und Euer Pastoralreferent Leo Klinger