Gottesdienst für die Gemeinden im Erlanger Westen

Zum 15-jährigen Jubiläum unserer gemeinsamen Gottesdienste im Pfarreienverbund Erlangen-West waren wir heuer bei uns St. Heinrich.
Es sollte ein bunter Gottesdienst werden, gestaltet von den Mitgliedern der Gemeinden und eine aktuelle Sicht auf unser Leben und unsere Arbeit im Pfarreienverbund gegeben werden.
Überschattet wurde die Gottesdienstgestaltung allerdings von den aktuellen Ereignissen der Woche, mit der Veröffentlichung des Münchner Missbrauchsgutachten und der damit verbundenen Öffentlichkeitsdebatten. Dem konnten und wollten wir uns nicht entziehen, obwohl es nicht ganz einfach war, diese beiden gegensätzlichen Pole unterzubekommen im Gottesdienst. Gemäß den Rückmeldungen einzelner Teilnehmer ist es aber anscheinend ganz gut gelungen.
Nun zum Ablauf noch ein paar Details. Nach dem Evangelium und ein paar einleitenden Worten unseres Pfarrers, Herrn Jungbauer, zog Herr Wawerek mit einer bunten Traube an Luftballons, passend begleitet mit einer Hintergrundmusik „99 Luftballons“ ein und begann seine Ausführungen zur inneren Sicht auf die Gemeindeaktivitäten. Gedacht war es eher als Rückblick, „Was bislang geschah“. Kurz sei hier genannt, dass wir heute noch profitieren von der damaligen Neustrukturierung der Seelsorgeeinheit, und zwar in Form von unseren Kaplänen, die einen Teil ihrer praktischen Ausbildung hier bei uns durchführen und das in guter Regelmäßigkeit. Wir waren Vorreiter damals.
Im Anschluss weitete Herr Rödel den Blick in seinen Ausführungen, was wir derzeit tun und zeigte auf, dass wir uns engagieren in Kindertagesstätten, Begleitung der kleinsten Gemeindemitglieder bei der Kommunionvorbereitung, Zeltlageraktivitäten, die immer sehr gut angenommen werden, hin zur Firmbegleitung, zu Gruppenstunden und auch der Seniorenbetreuung mit Kommunionspende in den Altersheimen.
Frau Kern rundete die Ausführungen im Anschluss ab und verwies auf die verschiedenen Luftballons, welche am äußeren Rand des Kirchenraumes verteilt waren. Damit meinte sie die fernstehenden Katholiken, welche wir heute noch nicht erreichen und wie wir es eventuell schaffen könnten in Zukunft einen Perspektivwechsel hinzubekommen und mehr auf sie zuzugehen, um auch ihre Bedürfnisse zu kennen und zu berücksichtigen. Zugegebenermaßen wird das nicht leicht, aber unvermeidlich in Anbetracht der sinkenden Kirchenbesucherzahlen. Wie kann das gelingen? Naja, mit Offenheit, mit dem Mut, Neues zu wagen, mit Begeisterung und Gesprächen.
Wenn man die Luftballontraube genau beobachtet hat, konnte man auch ein paar dunkle Ballons erkennen, die wir bewusst mit eingebaut haben. Zum Abschluss führte Pfarrer Jungbauer nämlich aus, wie er und das Hauptamtlichen-Team das schwierige Thema Missbrauch in der Kirche sehen und was in unserem Bistum bisher geschehen ist. Was bleibt, war die Feststellung, dass, begleitet von Entschuldigungen und allen Betroffenheitsbekundungen eines stehen muss, nämlich den Opfern zu sagen: Ihr seid im Recht. Und alle, die abgewiegelt oder verborgen haben, sind im Unrecht.
Im Gottesdienstverlauf wurde auch eine Kerze entzündet und am Taufstein aufgestellt zum Gedenken aller Opfer. Die Ausführungen dazu sprach unser Pastoralreferent Leo Klinger.
Zu den Verkündigungen wurde von ihm auch auf einen Brief der evangelischen Nachbargemeinde Johanneskirche hingewiesen und daraus zitiert. Sie bekräftigten ihre Anteilnahme in dieser schwierigen Zeit für uns und bestätigten, entgegen einer einzelnen Meinung aus Herzogenaurach, dass die Ökumene nicht auf Eis gelegt werden wird.
Im Anschluss an den Gottesdienst wurde zu einem Stehempfang im Außenbereich eingeladen, um sich in ungezwungener Atmosphäre auszutauschen, natürlich unter der Beachtung der Regeln zum Infektionsschutz.
von Oliver Wawerek