Gedanken zum Sonntag
Lukas 6, 27-38
Stellen Sie sich vor, dieser jemand blickt Sie auch dann noch so an, wenn es mal nicht rund läuft, wenn Ihre Ecken und Kanten doch sehr deutlich hervorgekommen sind, wenn da vielleicht sogar Schuld ist, ein verstocktes Herz?
Ab heute werden wir jede Woche die "Gedanken zum Sonntag" veröffentlichen.
Unsere Hauptamtlichen werden sich an jedem Samstag mit einem Impuls zum Sonntagsevangelium oder den anderen Texten des Sonntags an Sie wenden.
Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!
Richtet nicht, dann werdet auch ihr nicht gerichtet werden! Verurteilt nicht, dann werdet auch ihr nicht verurteilt werden! Erlasst einander die Schuld, dann wird auch euch die Schuld erlassen werden!
Gebt, dann wird auch euch gegeben werden! Ein gutes, volles, gehäuftes, überfließendes Maß wird man euch in den Schoß legen; denn nach dem Maß, mit dem ihr messt, wird auch euch zugemessen werden. (Lk 6,36–38)
Stellen Sie sich vor, jemand blickt Sie an,
und in diesem Blick nur Liebe.
Stellen Sie sich vor, dieser jemand blickt Sie auch dann noch so an,
wenn es mal nicht rund läuft, wenn Ihre Ecken und Kanten doch sehr deutlich hervorgekommen sind,
wenn da vielleicht sogar Schuld ist, ein verstocktes Herz?
Und nun stellen Sie sich vor das geschieht jeden Tag!
Ich möchte es mir vorstellen, ich möchte es von ganzem Herzen glauben,
denn da höre ich heute im Evangelium, dass da einer barmherzig ist mit mir.
Ja, auch mit mir Mensch, trotz meiner Gedanken, trotz meiner Worte, trotz meiner Taten, die nicht die Liebe immer als erstes tragen, sondern so vieles menschliches mehr.
Und doch und dennoch oder gerade deshalb steht da einer an meiner Lebensseite, der dann immer noch Barmherzigkeit für mich übrig hat,
der mich immer noch anblickt und ich darf hoffen voller Liebe anblickt.
Unser menschgewordener Gott.
Dort, wo nach menschlichen Maßstäben eigentlich GERICHTET stehen müsste – ERLÖST
Dort, wo nach menschlichen Maßstäben eigentlich VERURTEILT stehen müsste – BEFREIT
Dort, wo ein Messen an meiner Schuld stehen müsste – BARMHERZIGKEIT
Unfassbar und unglaublich, aber für uns Christen fassbar in diesem Jesus von Nazareth, der uns diese Botschaft gebracht und für uns gelebt hat.
Und deshalb auch von uns Unfassbares möchte, nämlich an unserem Nächsten, ob Freund oder Feind, ebenfalls so zu handeln, es zumindest zu probieren.
Den Feind zu lieben – nach menschlichen Maßstäben ein Ding der Unmöglichkeit.
Das Evangelium heute lädt mich dazu ein, mich daran zu erinnern, dass mir selbst ein liebevoller Blick gilt.
Und es möchte mich herausfordern, bei der nächsten Situation mit meinen Nicht-Lieblingsmenschen nicht sofort ins Gericht zu gehen, nicht sofort ein Urteil, einen Maßstab anzulegen, den ich wohl zugegebenermaßen selbst nicht halten könnte.
Und dann möchte ich mich daran erinnern, dass dieser jemand wohl auch liebevoll angesehen wird, wahrscheinlich nicht von mir, aber von unserem Gott, der es irgendwie schafft, für uns beide ein Herz zu haben.
Und vielleicht gelingt hier und da dann immer mal wieder, dass diese Barmherzigkeit Gottes Hand und Fuß und Wort und Herz bekommt, nämlich auch in mir für meinen Feind.