Gedanken zum 5. Buch Mose 30,20

Bibelstelle
Liebe den Herrn, deinen Gott, hör auf seine Stimme, und halte dich an ihm fest; denn er ist dein Leben.
Gedanken
Diesem Bibelvers bin ich in der Kirche auf Burg Feuerstein begegnet. Dort sollte am Nachmittag eine Hochzeit stattfinden – die Kirche war festlich geschmückt, die Liedblätter lagen schon bereit. Darauf las ich den Bibelvers und fand es toll, dass sich ein junges Paar diese Worte als „Überschrift“ für ihre Hochzeit und ihr weiteres Leben ausgesucht hatte.
Der Vers hat sich mir eingeprägt. Ja, Gott ist mein Leben und er will, dass ich lebe.
Er hat „mein Inneres geschaffen, mich gewoben im Schoß meiner Mutter“ – genauso wie jeden anderen Menschen auch. Ich kann darüber nur staunen und Gott danken, dass er uns alle „so wunderbar gestaltet hat“ (Ps 139) - mitsamt unserer Fähigkeiten, aber auch unserer Fehler und Macken. Gott hat uns ins Leben gerufen, und er will für uns Leben in Fülle.
Dieses Leben in Fülle sehe ich momentan überall in der Natur aufsprießen, aber auch da, wo ein sterbenskranker Mensch würdig und achtsam begleitet wird, wo Versöhnung stattfindet, wo Kinder und alte Menschen umsorgt, wo gemeinsam Probleme gelöst werden, wo gute Zusammenarbeit spürbar ist, wo jemand trotz großer Schwierigkeiten nicht aufgibt, wo Menschen selbstverständlich helfen und ein gutes Wort füreinander haben ...
Wenn ich Entscheidungen zu treffen habe, überlege ich mir, womit wir am besten leben können. Ich möchte das erkennen und vermeiden, was uns am Leben hindert, und möchte mithelfen, das Leben um mich herum möglichst gut zu gestalten.
Aber das kann ich nicht aus mir heraus, ich brauche dazu den Anschluss an die Quelle des Lebens, die für mich Gott ist. Ich möchte mich an ihm festhalten, in seiner Nähe bleiben, so dass ich seine Stimme hören kann.
Und ich bitte Gott darum, dass er uns vor allem dann einen Weg zum Weiter-Leben zeigt, wenn uns Krankheiten, Schmerzen, schwere Sorgen, Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit und sogar der Tod bedrohen, dass er uns aufrichtet, heilt und Frieden schenkt.
Er hat uns Leben in Fülle versprochen, und daran halte ich mich fest!
von
Sibylle Flepsen, 58, St. Xystus