Ein halbes Jahr ist vorbei!

Ruth Meißner schreibt zum fünften Mal
Ein Brief von Ruth Meißner aus San Carlos.

San Carlos, 7. März 2013
Hallöli alle zusammen!
Zack und buuum und meine ersten sechs Monate Freiwilligendienst sind vorbei! Kaum zu glauben, ich fühle mich doch, als hätte ich erst gestern Abitur gemacht und dennoch ist das so weit in die Ferne gerückt! Die Zeit verging wie im Flug… Kein Wunder, bei dem, was ich alles erlebt habe!
Immer alles selbst zu entscheiden, zum ersten Mal wirklich arbeiten, eigenverantwortlich alles um sich herum selbst organisieren…
Sechs Monate fern von zu Hause mit immer weniger Kontakt.
Sechs Monate mit Geburtstag, Weihnachten, Silvester, … und alles ohne meine Familie!
Sechs Monate alles selbst entscheiden.
Sechs Monate arbeiten, wo man immer voll bei der Sache sein muss.
Sechs Monate alles um sich herum eigenverantwortlich organisieren.
Aber auch sechs Monate mit einer super Familie,
sechs Monate mit vielen neuen Freunden,
sechs Monate mit unvergleichlichen Momenten, kurzen Reisetrips und Urlaubsgefühlen…
Vergangenes Wochenende war ich mit einer Freundin in León am Strand! Wer das einmal gesehen hat, hat keine Lust mehr auf Strandurlaub in Italien: Menschenleere Strände, keine Algen, Muscheln, Krebse, Palmen, Wellen und ein atemberaubender Sonnenuntergang!
Der Tag war einfach das absolute Highlight! Erst haben wir uns nicht ins Wasser getraut, weil die Wellen so stark waren, dass man so schon richtig gegen sie kämpfen musste, ohne dass wir dort waren, wo sie brechen. Aber wie wunderschön es war, als sie an den Felsen brachen! Und dann der leuchtende rote Feuerball, der da mehr und mehr im Pazifik versank… Unbeschreiblich!
Aber ich mache ja nicht nur Urlaub. In den letzten Wochen habe ich die Erfahrung gemacht, wie es ist, wirklich fast Vollzeit zu arbeiten, immer auf Arbeit zu sein. Dass man sich mit Freunden nur noch abends treffen kann, wenn man fertig nach Hause kommt und am liebsten schlafen würde…
Ja, die Mädels aus dem Frauenhaus, mit denen ich arbeite, können wirklich anstrengend sein! Und gerade jetzt, wo ich mit meinen Psychomotorikgruppen in den Kindergärten wieder angefangen habe, merke ich, was mich das alles an Kraft und Energie kostet. Aber es macht Spaß und ist abwechslungsreich: Vor ein paar Wochen sind die ersten Teile für unsere Bäckerei angekommen, ich durfte vorher noch die Verkaufsräume streichen und gestalten, das war wirklich schön! Jetzt fehlt nur noch der Container mit den letzten Materialen, der noch im Zoll in Managua steht (schon seit ein paar Wochen) und daaaaann gibt es hier richtiges Brot! Juhuu, ich freue mich schon so! Hoffen wir, dass sich das mit dem Tod von Venezuelas „presidente comandante“ Hugo Chavez (was hier in den Medien übrigens superpräsent ist, es gibt sogar drei Tage Staatstrauer) nicht noch allzu sehr verzögert…
Und auch generell wünsche ich mir, dass die Zeit langsamer vergeht… Das ging alles so schnell vorbei und ich kenne noch längst nicht alles!
Halbzeit!
Muchos Saludos de Nicaragua!
Ruth


