Die Arbeit bei Arete

Ruth in San Carlos - 3. Brief

San Carlos, 8. November 2012
Hallöchen ihr Lieben!
Ja, so verfliegt die Zeit! Kaum zu fassen, jetzt bin ich schon seit über 2 Monaten hier im Lande…
Ich habe Freundschaften geschlossen, kenne jetzt San Carlos, San Carlos kennt mich und so langsam kehrt der Alltag bei der Arbeit ein:
Morgens besuche ich die verschiedenen Pre-escolares, also Vorschulen, die hier die Kindergärten ersetzen. Ich arbeite mit den Kids an verschiedenen Themen und obwohl ich eigentlich nur mit ihnen spiele, bin ich jedes Mal richtig müde, wenn ich zum Mittagessen nachhause komme. Ja, auch die Kindergartenkinder von hier sind anstrengend, vor allem, wenn man nicht so viel Autorität hat wie die maestras und das Spanisch noch nicht perfekt beherrscht. Aber es macht mir unglaublich viel Spaß, es ist ein wunderschönes Gefühl, wenn sich die Kinder jedes Mal aufs Neue freuen, sobald ich den Raum betrete und alle hergelaufen kommen, um mich zu umarmen =) Das ist eine wahre Belohnung!
Nach dem Mittagessen kann ich frei entscheiden, was ich mache: Ich muss die Stunden für die kommende Woche vorbereiten, deswegen bin ich so drei, viermal die Woche im Büro, ich kann aber auch von zuhause aus vorbereiten. Außerdem wollen wir auch Projekte durchführen, diese Aufgabe wartet aber noch auf uns.
In meiner Freizeit gefällt es mir am Besten, am malecón, also der Uferpromenade, zu sitzen und einfach die Zeit zu genießen. Dann wird es mir immer am ehesten bewusst, dass ich hier in San Carlos, in Nicaragua, in Amerika auf einem völlig anderen Kontinent sitze und noch für (mittlerweile nur noch) 10 Monate hier sein werde. Unglaublich!
Ich wohne bei einem Paar, deren Kinder in Managua, der Hauptstadt Nicaraguas, studieren. Dafür wohnen bei uns zwei Nica-Mädels, die festangestellt bei Arete arbeiten. Außerdem wohnt hier noch Philipp, ein weiterer Arete-Freiwilliger aus München. Bei so vielen Leuten ist bei uns zuhause immer viel los!
Neulich waren Verwandte zu Besuch und wir haben ein typisches Nica-Gericht von der Atlantikküste gekocht: Rondon. Hier gibt’s übrigens zu mindestens einem Essen am Tag Gallo Pinto, das ist Reis mit Bohnen. Und wer mich gut kennt, weiß, dass ich Bohnen nicht besonders gerne mag. Aber hier ist alles anders: Sie sind zwar nicht mein Lieblingsessen, aber man kann sie gut essen und schmecken vieeel besser als in Deutschland! Ohne Bohnen würde man hier aber auch nicht überleben ;-)
Wir haben schon mit deutschen Schinkennudeln dagegen gehalten…
Hier deutsche Gerichte zu kochen ist aber ganz schön schwer, weil es viele Zutaten nicht gibt. Ohne Supermarkt am Ort sind sie eben schwer zu finden! Außerdem fällt hier oft der Strom aus und fließend Wasser gibt es auch nur so drei oder vier Stunden am Tag. Duschen funktioniert also nur, indem man sich Wasser aus einer Schüssel über den Kopf schüttet, selbstverständlich kalt…
Aber obwohl man sich hin und wieder deutsche Verhältnisse wünscht, obwohl das alles so grundverschieden zu Deutschland ist, fühle ich mich richtig wohl und schon ein kleines Bisschen zuhause!
Mit den allerbesten Grüßen aus Nicaragua,
Ruth