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Bußsakrament

Datum:
Veröffentlicht: 19.3.21
Von:
Dominik Stehl

„Was soll ich denn überhaupt beichten?“

Kaplan Dominik Stehl schreibt über Beichte und Buße

Das Bußsakrament hat als ungeliebtes Stiefkind der 7 Sakramente im Gegensatz zu seinen Geschwistern auch bei vielen gläubigen Christen einen eher schlechten Ruf und nur noch wenig Akzeptanz. Sünde, Schuld und das Zugeben, dass man selbst auch davon betroffen ist, gelten als überholt und nicht mehr zeitgemäß. Das liegt sicherlich auch an einem falschen Umgang mit diesem Zeichen der Barmherzigkeit Gottes, der zu generationsübergreifenden Missverständnissen, Vorurteilen und Ängsten geführt hat. Obwohl Papst Franziskus nicht müde wird dafür zu werben, ist das Bußsakrament bis auf wenige Orte und Zeiten beinahe völlig verschwunden.

„Was soll ich denn überhaupt beichten?“ lautet eine der häufigsten Ausreden und aus dieser scherzhaften Formulierung spricht eine tiefe Not. Viele wissen wirklich nicht wie und was sie als Erwachsene beichten sollen, weil seit den vorgeschriebenen Beichten der Kindheit keine weitere Erklärung und Entwicklung mehr stattfinden konnte. Ein modernes Schuldverständnis, das Schuld oft als Schwäche auslegt, tut sein Übriges. Bereits im Kindesalter wird das „schlechte Gewissen“ abtrainiert und die Kinder in eine Scheinfreiheit ohne Einschränkungen entlassen. Im Zeitalter der Selbstoptimierung und grenzenlosen Möglichkeiten stören Schuldgefühle, weil sie zu Zweifel oder Vorbehalten führen und eben nicht mehr alles erlaubt ist, was möglich ist.

Trotz aller Vorurteile geht es in der Beichte nicht um ein kirchlich-klerikales Gericht, das nur ein schlechtes Gewissen einreden soll, sondern um das eigene Leben. Denn genau hier liegt der Einstieg zum Bußsakrament, beim eigenen Ich und der Frage, wo mein Ich – wie ich es erlebe – von meinem Ich – wie ich doch eigentlich sein möchte – abweicht. Wie bei allen Sakramenten geht es darum, dass unser Leben gelingt, ein Leben in Fülle wird und sich entfalten kann. Und jeder findet doch unangenehme und belastende Situationen, die ein solches Leben in Fülle verhindern. Das sind nicht immer die Sünden im klassischen, theologischen Sinn, sondern oft alltägliche Dinge, die einfach so passieren und zu sündhaften Verstrickungen führen, die das Leben beeinträchtigen und zur Last werden. Entscheidungen, Worte oder Taten, die sich als falsch herausgestellt haben und nicht mehr ruhig schlafen lassen, die das Miteinander belasten und eigentlich nicht gewollt waren und doch passiert sind. Weder das Verdrängen, noch Ignorieren oder Schönreden können vor der Wirklichkeit schützen, dass es im Leben solche unguten Dinge und Situationen gibt. Wer aber den eigenen Anteil daran, die eigene Schuld erkennet und annimmt, erkennt auch, dass er nicht so sein muss und etwas ändern kann. Wie auch ein Arzt erst dann helfen und heilen kann, wenn die Krankheit erkannt ist.

Das Annehmen und Akzeptieren, dass ich nicht allmächtig und vollkommen bin und auch nicht sein muss, ist vor allem in unserer modernen Zeit schwer, aber notwendig und entlastend. Denn nur so, durch das Aussprechen und den Willen etwas zu ändern, kann sich auch etwas verändern. Und Gott will mir dabei helfen, die Last des Lebens mit mir zu tragen und zu ertragen. Die Beichte ist der Ort, wo mir das zugesagt wird und ich neuen Mut zum Leben gewinnen kann.

Um das Bußsakrament in neuer Tiefe zu erfahren kann es helfen, diese unguten Situationen, was nicht zu mir gehören soll – aber dennoch vorhanden ist – zunächst zu erkennen und in Worte zu fassen. Dabei gibt es kein unwichtig oder falsch, denn alles, was das Leben beeinträchtigt und die Seele belastet darf im Beichtgespräch vor Gott gebracht werden. Durch das Her-Aussprechen aus meinem Inneren wird deutlich, dass nicht ich böse oder schlecht bin, sondern das Gute will und bei Gott Barmherzigkeit und Vergebung suche. Gott kennt als Einziger neben mir selbst die Last, die mein Leben schwer macht. Im Bußsakrament will er mir begegnen und helfen, diese Last abzulegen, die unguten Strukturen aufzubrechen und neu aufzuatmen. Die Aufgabe des Priesters ist es dann, in einem guten Zuspruch die Barmherzigkeit und Vergebung Gottes in Worte zu fassen.

Was geschehen, gesagt oder getan wurde, kann zwar nicht rückgängig gemacht werden, aber die Beichte kann ein Ort der Barmherzigkeit sein, an dem eine positive Veränderung hin zum wirklichen, guten Ich beginnen kann. An dem ich wieder ein Stückchen mehr von meinem Leben zurückgewinne, weil ich wieder mehr der Mensch werde, der ich sein möchte.

Ich würde mir wünschen, dass das Bußsakrament wieder zu einem Heilmittel für die Seele wird. Dass in diesem Sakrament die Größe der Barmherzigkeit Gottes für jeden Menschen erfahrbar und in der Vergebung spürbar wird. Dass darin Wege zu einem besseren, erfüllteren, glücklicheren Leben ermöglicht, und die Last des Alltags leichter zu tragen werden. Dass der Wunsch Jesu Wirklichkeit wird und wir ein Leben in Fülle haben.

Beten wir darum, dass Bußsakrament in neuer Tiefe erfahren zu dürfen, um so die grenzenlose Barmherzigkeit Gottes besser zu verkosten.