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Brieftaube zum Gründonnerstag

Gründonnerstag
Datum:
Veröffentlicht: 9.4.20
Von:
Beate Herrmann

Post für Kinder zu Hause, zum Vorlesen und Mitmachen

Es war wenige Tage, nachdem Jesus in unserer Stadt auf einem Esel eingezogen ist. Ein großes Fest stand bevor, das Pessachfest, das uns Juden ganz besonders wichtig ist.
Einer seiner Jünger kam zu mir und bat mich, ob Jesus nicht mit seinen Freunden bei mir, in meinem Haus, das große Pessachfest feiern dürfte. Das war eine Ehre für mich, das könnt ihr mir glauben!

Liebe Kinder!

Johannes, meinen Enkel, habt ihr wahrscheinlich schon am Sonntag kennengelernt, der Bursche, der so begeistert war, als Jesus in Jerusalem eingezogen ist.

Heute darf ich euch einen Brief schreiben, ich bin Ben Alochim und wohne mein ganzes Leben schon in Jerusalem. Es ist ein langes Leben gewesen, viel Schönes habe ich erlebt, aber auch schwere Zeiten. So wie ihr gerade vielleicht auch. Viele von euch sitzen schon seit etlichen Tagen zuhause, eng beieinander, in einem Haus zusammen, ohne das man groß etwas draußen unternehmen kann. Vielleicht habt ihr so langsam genug vom Drinnen sein, aber genau deshalb muss ich euch heute einen Brief schreiben, denn eines meiner schönsten Erlebnisse habe ich innen drinnen, in einem Haus erlebt.

Es war wenige Tage, nachdem Jesus in unserer Stadt auf einem Esel eingezogen ist. Ein großes Fest stand bevor, das Pessachfest, das uns Juden ganz besonders wichtig ist.
Einer seiner Jünger kam zu mir und bat mich, ob Jesus nicht mit seinen Freunden bei mir, in meinem Haus, das große Pessachfest feiern dürfte.
Das war eine Ehre für mich, das könnt ihr mir glauben!

Richtig aufgeregt war ich, als der Abend des Festes kam.
Im Obergeschoss hatte ich alles hergerichtet, eine große Festtafel, für jeden einen Platz.
Und dann kamen sie, Jesus und seine 12 Jünger, es war einmalig, eine ganz eigenartige Stimmung lag über dem Saal, alle waren gespannt und es schien, als würden die Freunde jedes einzelne Wort aufsaugen, das Jesus zu ihnen sprach.
Ich erinnere mich wie, als wäre es gestern gewesen, denn auch mir haben sich die Worte ins Herz eingebrannt.

„Nehmt“, so sprach Jesus, als er das Brot in seine Hände genommen hat, „das ist mein Leib, das bin ich selbst für euch“ und als er den Becher mit Wein genommen hatte „trinkt daraus, das ist mein Blut, das für euch vergossen wird, tut dies zu meinem Gedächtnis“.

Mucksmäuschen still war es geworden im Saal, keiner wagte zu sprechen, in meinen Ohren klangen die Worte wie Abschiedsworte, was sie eigentlich auch waren, aber dazu später mehr.
Es waren wunderschöne Worte von denen ich wusste, sie werden für seine Freunde wichtig bleiben, die werden noch oft davon erzählen. Scheint wohl so bis heute geblieben zu sein, denn in euren Kirchen hört man diese Worte Jesu wohl auch noch in jedem Gottesdienst, wenn ihr euch an dieses letzte Abendmahl erinnert, so habe ich mir sagen lassen.

Na jedenfalls, als das Mahl vorüber war, da steht plötzlich Jesus auf und nimmt eine Schüssel mit Wasser, und ehe ich es mich versehe, da hat er sich zu seinen Freunden heruntergebeugt und fängt an ihnen die Füße zu waschen!
Ich habe in dem Moment gedacht mich zwickt der Esel. Jesus wäscht die Füße?
Das hätte ich mir im Traum nicht ausgedacht. Wenn du jetzt vielleicht auch die Nase rümpfst und dir denkst, warum macht er das? Dann geht es dir wie seinem guten Freund Petrus, der mit dabei war, der hat doch wirklich zum poltern angefangen „Jesus, du willst mir die Füße waschen? Das darf doch nicht sein.“
Wisst ihr, so etwas haben damals wirklich nur die Haussklaven gemacht. Und an diesem Abend wollte das Jesus machen. Ich hab den Petrus eigentlich ganz gut verstanden, dass er sich so aufgeregt hat.

Aber auch da sagt Jesus plötzlich etwas, das ich bis heute nicht vergessen habe:
„Ich habe euch ein Beispiel gegeben, handelt ihr auch so aneinander.“

Und wie er sie so ansieht, einen nach dem anderen, da geht mir auf einmal auf, was er meint:
So lieb hat seine Freunde, dass er einfach alles für sie tut, dass er selbst das tut, was kein anderer mag, Füße waschen. So lieb hat er seine Freunde, dass er sogar sein Leben für sie gibt, doch das ist nicht mehr meine Geschichte, davon schreibt euch morgen eure nächste Brieftaube, ich grüße euch aus dem Abendmahlssaal,
euer Ben

Gebet

Guter Gott,
heute feiern wir in unserer Familie Gottesdienst,
wir haben davon gehört, dass Jesus beim letzten Abendmahl
ein ganz besonderes Freundschaftszeichen geschenkt hat – Brot und Wein,
und dass er seinen Freunden einen Dienst der Liebe erwiesen hat,
als er ihnen die Füße gewaschen hat.

Lass uns auch in unserer Familie spüren,
dass du bei uns bist,
vielleicht ganz besonders, wenn wir heute Brot miteinander teilen.

Lass uns den Mut und die Zuversicht nicht verlieren und hilf uns
füreinander da zu sein, so wie du für deine Jünger da warst.
Amen.

Segen

Gott - segne unsere Familie,
Gott - segne das Brot, das wir teilen,
Gott - segne unsere guten Einfälle füreinander
Gott - segne unsere Sorge und unsere Angst
Gott - segne uns, damit wir füreinander zum Segen werden.

Dazu segne uns der uns liebende Gott,
der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.
Amen.

Bastelidee

  • Wir laden euch ein heute das Abendbrot besonders zu gestalten, vielleicht deckt ihr den Tisch besonders schön mit eurer Familie, stellt eine Kerze in die Mitte, vielleicht sogar ein Kreuz dazu. Und wenn ihr dann Brot teilt, so richtig teilen, von einem zum anderen geben und es für einen Augenblick in den Händen haltet, bevor ihr es esst, dann denkt heute daran, dass Jesus mitten unter euch ist, so wie damals auch bei den Jüngern im Abendmahlssaal.
    Vielleicht habt ihr heute tagsüber auch Zeit und könnt ein einfaches Brot mit der Familie backen? Das schmeckt gleich nochmal besonderer.
  • Sprecht zusammen ein Vaterunser, wenn ihr das Brot teilt.
  • Vielleicht fallen euch auch Bitten für Menschen ein, an die ihr heute besonders denken möchtet? Sprecht sie einfach beim Tischgebet aus.
  • Im Internet gibt es viele schöne Ausmalbilder, gib doch einfach mal in Google „Ausmalbild Gründonnerstag“ oder „Mandala letztes Abendmahl“ ein, da findest du bestimmt etwas.
  • In eurer Phantasie habt ihr euch bestimmt vorgestellt, wie das ausgesehen hat, als Jesus da mit seinen Freunden zusammen war, das Brot geteilt hat oder die Füße gewaschen hat. Malt ein Bild davon und wenn ihr mögt.

Eure Bilder könnt ihr sehr gerne wieder an uns senden:
An basteln@ej-frauenaurach.de oder beate.herrmann@erzbistum-bamberg.de