Brieftaube - zum 5. Fastensonntag
Post für Kinder zu Hause, zum Vorlesen und Mitmachen
Liebe Kinder!
Geht’s Euch schon langsam auf die Nerven, immer nur zu Hause zu sein? Ich kann mir das gut vorstellen. Mir ging es mal ganz ähnlich: meine Schafherde und ich, Schaf Irmi, gehen immer denselben Weg vom Stall auf die Weide. Die alten Schafe gehen voran, wir jüngeren danach und hinten passt unser Hirte auf, dass alle mitkommen. Neulich habe ich gesehen, dass Großtante Ursula sogar beim Gehen die Augen zu hatte, so gut kennt die den Weg.
Jeden Tag das Gleiche: aus dem Stall raus, an der Schule vorbei, über einen Hügel, durch ein kleines Wäldchen und dann auf unsere Weide. Dabei wollte ich doch so gerne mal schauen, was die Kinder da in der Schule machen! Und vom Hügel aus, da kann man in eine Schlucht sehen und auf eine kleine Wiese. Da wollte ich immer schon mal hin!
Eines Tages kam meine große Chance: Mein Cousin Olli hatte einen Dorn im Huf. Unser Hirte war so damit beschäftigt den herauszuziehen, dass er gar nicht gemerkt hat, wie ich mich hinter einem Felsen versteckt habe. Wir waren gerade mal wieder auf dem Hügel und die Sonne schien auf die kleine Wiese hinter der Schlucht. Ich wollte da jetzt unbedingt hin!
Ein bisschen schlechtes Gewissen hatte ich ja schon. Aber dann dachte ich mir: wir sind 100 Schafe, der Hirte merkt doch eh nicht, wenn ich heute mal nicht mit auf die Weide gehe. Der hat genug mit den anderen zu tun. Und selbst wenn: was soll er denn machen? Die anderen einfach alleine lassen und sich nur um mich kümmern? So wichtig bin ich ihm sicher nicht.
Also habe ich hinter dem Felsen gewartet bis die anderen weg waren. Und dann bin ich den kleinen Pfad runter in die Schlucht gegangen. Am Anfang war alles sehr aufregend: Ein ganz neuer Weg! Ganz andere Pflanzen zum Knabbern! Leider war der Pfad wirklich sehr schmal. Und die Schlucht ganz schön tief. Die kleine Wiese konnte ich auch nicht mehr sehen. War die jetzt links oder rechts? Und wo ging's nochmal zurück? Ich hatte mich verlaufen.
Auf einmal fielen mir die Gruselgeschichten von wilden Tieren und abgestürzten Schafen wieder ein. Dunkel wurde es auch schon. Ich hatte schreckliche Angst. Ich saß bibbernd in einem Strauch versteckt, als ich plötzlich Schreie hörte. „Die wilden Tiere!“, dachte ich und kroch noch weiter unter den Strauch. Die Rufe kamen näher. Da hörte ich es genau: „Irmi!“, rief jemand, „Irmi, wo bist du?“
Es war mein Hirte! Er hatte doch gemerkt, dass ich nicht bei den anderen war! Und tatsächlich alle 99 anderen Schafe alleine grasen lassen, nur um mich zu suchen! Schnell trabte ich auf ihn zu. War ich froh, dass er da war! Obwohl er bestimmt auch sauer war, dass ich abgehauen bin... Aber als ich endlich bei ihm war, freute er sich so, dass er mich auf die Schultern nahm!
Den ganzen Weg bis nach Hause trug er mich! Und dann ging er sogar im ganzen Dorf mit mir herum und erzählte allen freudestrahlend, wie er mich wiedergefunden hat.
Seitdem weiß ich: egal ob immer das Gleiche oder aufregende Abenteuer: einer gibt auf mich acht.
Gott ist für uns alle wie mein Hirte. Auch wenn wir uns das manchmal nicht vorstellen können: Er kennt uns genau, er weiß wie es uns geht. Und er freut sich, wenn es uns gut geht.
Seit meinem Abenteuer ist mir auch klar: Wie mein Hirte, kümmert sich Gott um diejenigen, die gerade seinen Schutz am nötigsten haben.
Und wisst ihr was? Im Moment machen wir es alle ein bisschen so wie der Hirte: wir passen auf die auf, die am meisten Schutz brauchen. Denen der Corona-Virus wirklich gefährlich werden könnte. Indem wir zu Hause bleiben.
Das Gute ist: auch das wird mal vorbeigehen. Etwas Neues fängt an und Gott ist immer noch bei uns.
Liebe Grüße
eure Irmi, das verlorene und wiedergefundene Schaf
Gebet
Lieber Gott,
toll, dass dir jede und jeder von uns wichtig ist!
Sei bei uns, wenn uns die Zeit zu Hause schwer fällt.
Gib uns Sicherheit in dieser ungewissen Situation.
Hilf uns, gut auf diejenigen aufzupassen, die am meisten Schutz brauchen.
Amen
Segen
Gottes Nähe sei bei uns, bei allem was wir tun.
Gottes Nähe begleite uns auf all unseren Wegen.
Gottes Nähe mache uns gelassen in unruhigen Zeiten.
So segne und behüte uns Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
Amen
Bastelidee
Wie gut, dass wir in unserer Phantasie und Vorstellung überallhin können. Wo möchtest Du gerne unbedingt hin? Auf die kleine Wiese hinter der Schlucht? Auf den Spielplatz mit Deinen Freunden?
Ans Meer? Du könntest ein Bild davon malen. Oder eine Art Landkarte vom Land Deiner Träume.
Möchtest Du das Schaf Irmi basteln? Dann mal ein Schaf auf ein Papier. Vielleicht gibt’s bei Dir zu Hause Wollreste oder Watte. Die könntest Du in Schnippselchen schneiden oder in Fitzelchen zerpflücken und dann als Fell auf das Schaf kleben. Vielleicht wird es ja sogar eine Schafsherde?
Wenn Du Dein Bild oder Dein Schaf herzeigen möchtest, kannst Du uns wieder Fotos davon mailen.
An basteln@ej-frauenaurach.de oder beate.herrmann@erzbistum-bamberg.de
Ihr könnt die Fotos und Bilder dann hier auf der Internetseite anschauen.