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Brieftaube zum 28. Juni

Verlorene Sohn
Datum:
Veröffentlicht: 27.6.20
Von:
Beate Herrmann

Post für Kinder zu Hause, zum Vorlesen und Mitmachen

Ihr glaubt nicht wie glücklich ich darüber bin, endlich wieder zuhause zu sein. Dabei wollte ich vor gar nicht allzu langer Zeit unbedingt ganz weit weg. Mir war total langweilig und ich wollte endlich mal etwas erleben.

Liebe Kinder!

ihr glaubt nicht wie glücklich ich darüber bin, endlich wieder zuhause zu sein.
Dabei wollte ich vor gar nicht allzu langer Zeit unbedingt ganz weit weg.
Mir war total langweilig und ich wollte endlich mal etwas erleben.

Deshalb ging ich zu meinem Vater und fragte ihn, ob er mir mein Erbe nicht einfach jetzt schon geben kann. Normalerweise hätte ich das Erbe, also das Geld, erst bekommen, wenn mein Vater stirbt. Aber so lange konnte ich nicht mehr warten. Ich wollte ja jetzt etwas erleben. Ich hatte einfach keine Lust mehr daheim rumzusitzen und jeden Tag das Gleiche zu tun.

Mein Vater war sehr traurig, weil ich weit weg in ein anderes Land gehen wollte. Trotzdem gab er mir das Geld.
Also packte ich alles zusammen um in ein fernes Land zu reisen.
Habe ich mich dabei toll gefühlt!

Endlich war ich frei. Da war keiner, der mir gesagt hat, was ich als nächstes tun soll. Ich konnte einfach machen, was ich wollte. Und kaufen konnte ich mir auch alles mit dem vielen Geld. Ich wurde zu einem richtigen Angeber.
Schnell fand ich neue Freunde. Mit denen feierte ich fast jeden Tag ein ausgelassenes Fest. Viele neue Kleider habe ich mir auch gekauft. Natürlich nur die teuersten und schönsten. Ich musste ja schließlich zeigen wie reich ich war.

Aber dann irgendwann war das ganze Geld aufgebraucht und ich hatte nichts mehr.
Ganz alleine stand ich da.
Meine neuen Freunde waren gar keine echten Freunde. Als ich ihnen keine teuren Dinge mehr ausgeben konnte, wollten sie nichts mehr mit mir zu tun haben.
Das machte mich total traurig.

Und es kam noch schlimmer: eine große Hungersnot brach über das Land, in dem ich war. Ich hatte einen Bärenhunger, aber ich konnte mir nichts zu essen kaufen. Also begab ich mich auf die Suche nach Arbeit. Das war gar nicht so einfach. Keiner wollte mich anstellen. Egal wie viel ich bettelte. Ich war allen egal. Dann, endlich, erbarmte sich doch ein Mann und gab mir eine Aufgabe. Ich sollte auf seine Schweine aufpassen. Schweinehirte, pah, niemals hätte ich gedacht, dass ich einmal auf die Schweine eines fremden Mannes aufpassen muss. Das hat vielleicht gestunken! Ein freches kleines Ferkel ist ständig abgehauen. Dauernd musste ich diesem blöden Schwein hinterherrennen. Und diese Hitze. Den ganzen Tag stand ich in der Sonne. Nein, das war wirklich kein schöner Job. Dennoch war ich froh, überhaupt eine Arbeit gefunden zu haben. Viel Geld habe ich nicht verdient. Wisst ihr, an manchen Tagen war ich sogar so hungrig, dass ich das Schweinefutter essen wollte. Aber auch das durfte ich nicht.

In dieser Zeit musste ich sehr oft an meinen Vater und an mein Zuhause denken. Ständig fragte ich mich, wie es ihm wohl geht.
Wäre ich doch nur zuhause geblieben, dachte ich mir immer wieder, dann müsste ich nicht hungern und kein freches Ferkel einfangen.
Ich hatte wirklich ganz schlimmes Heimweh.

Deshalb fasste ich eines Tages einen Beschluss. Ich wollte zu meinem Vater zurückkehren. Ich war mir ganz sicher, dass er stinksauer sein wird, wenn er herausfindet, dass ich sein ganzes Geld aus dem Fenster geworfen habe und jetzt wieder ankomme. Deshalb habe ich einen Plan gemacht. Ich wollte mich bei ihm entschuldigen und ihm anbieten, für ihn zu arbeiten.

So schlecht habe ich mich noch nie zuvor in meinem Leben gefühlt.
Ich habe echt großen Mist gebaut.
Und ein richtig schlechtes Gewissen hatte ich auch.
Trotzdem wollte ich zurück nach Hause und mich entschuldigen.
Auf dem ganzen Weg malte ich mir aus, wie mein Vater wohl reagieren wird.

Wird er mich anschreien?
Ob er mich noch mag?
Wird er mich vielleicht sogar gleich wieder wegschicken?
Vielleicht möchte er mich gar nicht mehr sehen?
Auf jeden Fall wird er richtig wütend sein und ganz gewiss mit mir schimpfen.
Ich habe so vieles falsch gemacht. Sicher ist er total enttäuscht von mir.

Nach einer langen, anstrengenden Reise sah ich dann endlich das Haus.
Schon aus der Ferne erkannte ich meinen Vater.
Ein letztes Mal überlegte ich mir, was genau ich ihm sagen werde und wie ich mich entschuldige. Ich atmete noch einmal tief durch, nahm all meinen Mut zusammen und ging die letzte paar Meter auf das Hoftor zu.

Aber was war das? Mein Vater kam schon auf mich zu gerannt. Mir rutschte das Herz in die Hose. Wird er mich sofort wieder wegschicken? Soll ich vielleicht doch schnell wieder umdrehen und weglaufen? Als er näherkam, konnte ich meinen Augen kaum trauen. Er hat die Arme ausgebreitet und gelächelt. Und als er bei mir war, hat er mich ganz fest umarmt. Nicht mal der Schweinegeruch hat ihn gestört. Ich war wirklich überrascht. Damit habe ich überhaupt nicht gerechnet. Natürlich habe ich mich bei ihm entschuldig. Ich habe ihm gesagt, dass ich nicht mehr sein Sohn sein kann, weil ich weggelaufen bin und ganz viel Blödsinn gemacht habe. Aber er hat nicht mal ein winziges bisschen mit mir geschimpft. Stattdessen hat er gesagt: „Du bist und bleibst mein Sohn. Ganz egal was du gemacht hast. Ich hab dich lieb. Heute bist du wieder nach Hause gekommen. Das ist ein richtiger Freudentag. Deshalb wollen wir ein großes Fest feiern.“ Ist das nicht toll?

So glücklich wie jetzt war ich noch nie in meinem Leben.

Euer Benjamin

Gebet

Lieber Gott,
du kennst jeden Einzelnen von uns.
Du weißt, dass wir nicht immer alles richtig machen.
Trotzdem hast du uns immer lieb.
Hilf uns, dass wir anderen auch nach einem Streit verzeihen können.
Amen.

Vater unser

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe.
Wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung
Sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich, und die Kraft und die Herrlichkeit
In Ewigkeit,
Amen.

Segen

Gott segne und behüte uns.
Sei bei uns und bei den Menschen, die wir lieb haben.
Begleite uns mit deiner Liebe auf all unseren Wegen.
Amen.

Bastelidee

  • Die Geschichte ist in der Bibel unter den Namen „Der barmherzige Vater“ oder „Der verlorene Sohn“ bekannt. Da ist ja einiges los darin! Sie eignet sich prima dafür, einen eigenen Comic daraus zu entwerfen! Wenn du Anregungen oder schon fertige Bilder dafür brauchst, findest du im Internet viele schöne Ideen.
  • Hast du dich auch schon einmal „schweineelend“ gefühlt, so wie der Sohn? Du kannst davon Gott erzählen oder wie in einem Tagebuch oder Brief davon schreiben. So wie der barmherzige Vater in der Geschichte, so hält Gott auch uns seine ausgebreiteten Arme entgegen, vor ihm brauchen wir niemals Angst zu haben!
  • Vielleicht hast du in den nächsten Tagen mit deiner Familie Zeit, einfach etwas Schönes zu unternehmen oder zuhause ein schönes Essen zu veranstalten? Freut euch einfach daran, dass es den anderen gibt, so wie er ist!

beate.herrmann@erzbistum-bamberg.de oder basteln@ej-frauenaurach.de