Brieftaube zum 21. Juni
Post für Kinder zu Hause, zum Vorlesen und Mitmachen
Ja, und irgendwie hab ich mir das selbst zuzuschreiben. Ich bin nämlich von Beruf Zöllner.
Liebe Kinder!
Habt ihr schon mal so richtig Mist gebaut? Also so, dass jemand böse auf euch geworden ist? Also ich muss zugeben, ich schon.
Mein Name ist Zachäus und ich wohne in der Stadt Jericho.
Es gab einmal eine Zeit in meinem Leben, da hat mich fast die ganze Stadt auf dem Kicker gehabt. Die ganze Stadt fragt ihr euch jetzt vielleicht?
Ja, und irgendwie hab ich mir das selbst zuzuschreiben.
Ich bin nämlich von Beruf Zöllner.
Vielleicht sagt dir das nichts, weil es bei euch heute diesen Beruf nicht mehr gibt, oder nicht mehr so, wie ich ihn damals gemacht habe.
Meine Aufgabe ist am Stadttor zu sitzen und Geld von den Menschen zu verlangen, die in die Stadt ein – und ausgehen. Eigentlich gibt es da feste Preise, die ich verlangen darf, aber ehrlich gesagt habe ich es nicht immer so genau genommen.
Hier mal ein wenig mehr und da ein bisschen mehr, ach, vom reichen Kaufmann vielleicht sogar noch mehr und schwups bin ich da so reingesaust und hab einfach das, was ich zu viel eingenommen habe, in meine eigene Tasche gesteckt. Ich weiß zwar, dass das nicht richtig war, aber die Versuchung war so groß und je öfter ich das gemacht habe, desto reicher bin ich geworden.
Naja, zumindest mein Geldbeutel.
Denn je länger ich diesen Schwindel betrieben habe, desto mehr Menschen aus der Stadt haben sich von mir zurückgezogen. Zuerst meine Freunde, die schon bald nichts mehr mit mir zutun haben wollten, dann schließlich haben die Menschen sogar die Straßenseite gewechselt, wenn ich ihnen mal in der Stadt begegnet bin.
Immer öfter konnte ich die Menschen schimpfen hören und über mich tuscheln sehen.
Bis der Tag kam, der mein ganzes Leben verändert hat.
Es war ein sonniger Tag in Jericho.
In unserer Stadt hatte sich herumgesprochen, dass Jesus kommen würde. Schon mittags war die Hauptstraße, die durch unsere Stadt führt, so vollgestopft, dass kaum mehr ein Durchkommen möglich war.
Ich bin von Natur aus ziemlich neugierig und wollte Jesus auch sehen.
Und noch eins bin ich, nämlich ziemlich klein. Ich hatte keine Chance zwischen all den Menschen auch nur einen Blick auf die Straße zu erhaschen und ehrlich gesagt habe ich mich auch ein wenig gefürchtet vor den Beleidigungen der Leute. Wenn die mich gesehen hätten, hätten sie mit mir geschimpft und das wollte ich an diesem Tag vermeiden.
Also bin ich auf einen Maulbeerfeigenbaum gestiegen, der dort ganz in der Nähe stand. Von dort aus konnte ich die ganze Straße überblicken und war vor den Blicken der Menschen geschützt.
Ich freute mich richtig, dass ich so schlau gewesen war und machte es mir auf meinem Baum bequem.
Und da kam er endlich: Jesus, und im Schlepptau seine Freunde.
Die Menschen auf der Straße riefen laut durcheinander: „Jesus, hierher, komm zu mir!“ Aus allen Ecken tönte es nur so, jeder wollte ihn berühren, aus nächster Nähe sehen und sogar zu sich nach Hause einladen.
Freundlich, aber bestimmt ging Jesus weiter,
und er kam näher,
immer näher,
und plötzlich fing mein Herz an wie wild zu klopfen, denn er steuerte direkt auf den Baum zu, in dem ich saß!
Hoffentlich sieht er mich nicht!
Was, wenn er von meinen Betrügereien gehört hat und mich jetzt vor allen bloßstellt?
Ich kniff die Augen fest zusammen und hoffte, dass er mich nicht entdeckte,
da hörte ich plötzlich, direkt unter mir seine Stimme:
Zachäus, komm schnell herunter von deinem Baum, ich muss heute bei dir zu Gast sein!
Ausgerechnet bei mir? Das gibt es doch gar nicht, dachte ich mir, aber das ließ ich mir nicht zweimal sagen.
Irgendwas lag in seiner Stimme, dass all meine Angst und Sorge verfliegen ließ.
Unter dem Murren und Maulen der Menschen auf der Straße nahm ich Jesus mit in mein Haus,
wir aßen und tranken und unterhielten uns die ganze Zeit.
Nicht ein Wort hat Jesus darüber verloren, dass ich eigentlich ziemlich viel falsch gemacht habe.
Er war einfach gütig und freundlich zu mir,
wie ein neuer Freund fühlte er sich an.
Und da gab ich mir einen Ruck, irgendwie fühlte es sich wie eine neue Chance für mich an.
Alle, was ich zu viel genommen habe, das will ich zurückgeben, das war mir jetzt klar.
Und das sagte ich ihm auch gleich.
Da huschte ein Lächeln über Jesus Gesicht und mit einem Funkeln in seinen Augen sagte er:
„Heute ist diesem Haus das Heil geschenkt worden.“
Und wisst ihr was?
Mir ist wirklich etwas geschenkt worden,
nämlich ein Freund, der mich nicht verurteilt hat, obwohl ich es eigentlich verdient hätte,
ein Freund, der mich so angenommen hat wie ich bin,
der in mir mehr gesehen hat als nur die Fehler.
Als ich das gespürt habe, dass Jesus mich gern hat, da wollte ich nicht mehr betrügen,
da ist mir klar geworden, dass mir das Geld nichts bedeutet,
dass seine Freundschaft viel wichtiger für mich ist.
Seitdem geht es für mich in der Stadt Jericho aufwärts,
letztens hat mich sogar jemand wieder von der anderen Straßenseite aus gegrüßt
und an der Stadtmauer habe ich schon das ein oder andere freundliche Nicken von den Menschen erhalten.
Das hätte ich mir nicht träumen lassen, als ich auf den Baum geklettert bin!
Euer, nun ehrlicher, Zachäus aus Jericho!
Gebet
Guter Gott,
du schaust auf das Herz der Menschen,
bei dir ist jeder gleich wertvoll.
Lass uns immer neu spüren,
dass du uns lieb hast,
auch mit unseren Ecken und Kanten.
Hilf uns andere nicht zu verurteilen,
sondern ihnen zuzuhören und auf das zu schauen,
was sie brauchen.
Amen.
Vater unser
Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe.
Wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung
Sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich, und die Kraft und die Herrlichkeit
In Ewigkeit,
Amen.
Segen
Gott segne unser Herz,
Gott segne unsere Hände,
Gott segne unseren Mund,
Gott segne uns rundherum,
dazu segne uns Gott der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.
Amen.
Bastelidee
- Im Internet findet ihr viele schöne Ausmalbilder zum Thema Zachäus
- Wie wäre es heute einfach einmal mit jemandem zu spielen und gemeinsam Zeit zu verbringen?
- Wen magst du so, wie er ist? Mama, Papa, Geschwister, einen Freund? Bestimmt freut sich jemand, wenn du es einfach einmal sagst oder sogar in einem Brief schreibst oder malst?
basteln@ej-frauenaurach.de oder beate.herrmann@erzbistum-bamberg.de