Brieftaube zum 2. Sonntag der Osterzeit
Post für Kinder zu Hause, zum Vorlesen und Mitmachen
Liebe Kinder!
Jesus hatte mir einen Spitznamen gegeben: Petrus, das heißt Fels. Aber wie ein sicherer, fester Fels fühlte ich mich nach Jesus Tod ganz und gar nicht. Im Gegenteil. Mein bester Freund war gestorben, und alles wofür ich lebte war vorbei. Als ich damals Jesus kennengelernt hatte, hatte ich ja mein ganzes altes Leben hinter mir gelassen um mit ihm durch's Land zu ziehen. Ich war nicht nur furchtbar traurig, sondern noch schlimmer: ich hatte auch schreckliche Schuldgefühle.
Dreimal hatte ich so getan, als würde ich Jesus nicht kennen. Einfach gelogen. Nur weil ich Angst hatte, dass sie mich sonst auch verhaften könnten. Eigentlich hatte ich mich bis dahin für einen halbwegs anständigen Kerl gehalten. Aber das war ja wirklich feige und gemein von mir gewesen.
Bester Freund weg, Sinn meines Lebens weg, Zuversicht in mich selbst weg.
Auch wenn ein paar Frauen und Jünger erzählten, sie hätten Jesus lebendig gesehen: Mich hielt nichts mehr in Jerusalem.
Ich ging zurück nach Hause, nach Galiläa, zum See Genezareth. Ein paar andere Jünger kamen mit.
Wir beschlossen, das zu tun, was wir mal gekonnt hatten: Fischen gehen. So verbrachten wir die Nacht in einem Fischerboot auf dem See Genezareth.
Waren wir mit dem Kopf nicht richtig bei der Sache, hatten wir es verlernt oder war es einfach nur Pech? Die ganze Nacht ging uns nicht ein einziger Fisch ins Netz. Als wir am nächsten Morgen mit leeren Netzen das Land ansteuerten war ich endgültig entmutigt. Nicht einmal Fische konnte ich mehr fangen!
Da rief uns plötzlich ein Mann vom Ufer aus zu: „Freunde, habt ihr was zu essen? Fisch zum Brot dazu?“, „Nein“, rief ich, „wir haben nichts gefangen!“. „Versucht es nochmal,“ rief der Fremde, „aber diesmal werft euer Netz auf der rechten Seite aus!“ Ich weiß nicht, warum wir auf ihn hörten. Wir warfen das Netz aus. Im Nu war so voller Fische, dass wir es nicht mal mehr an Bord ziehen konnten.
Da flüsterte Johannes: „Das ist Jesus!“ Ich konnte keine Sekunde länger warten: ich sprang aus dem Boot und schwamm und watete meinem Freund entgegen. Die anderen Jünger kamen im Boot mit dem vollen Netz im Schlepptau nach.
Als wir an Land kamen, sahen wir dort schon ein kleines Feuerchen glühen und Brot bereit liegen. „Legt was von euren Fischen dazu“ sagte Jesus und dann setzten wir uns zusammen ans Feuer und aßen. Jesus teilte das Brot und wir alle wussten: er ist wirklich hier bei uns. Keiner sprach ihn direkt darauf an oder fragte ihn, wie das sein kann.
Nach dem Essen wandte sich Jesus an mich: „Bist du mein bester Freund, Petrus?“, „Du weißt, Jesus, dass ich dein bester Freund bin!“, antwortete ich natürlich.
„Sorge für die, die zu mir halten Petrus, wie ein Hirte für sein Schafe!“, sagte Jesus und fragte mich noch ein zweites Mal. Wieder bestätigte ich ihm, dass ich sein bester Freund sei.
Als ich das dritte Mal hörte: „Petrus, bist du mein bester Freund?“ wurde ich traurig: Jesus vertraute mir wohl nicht. Dann verstand ich plötzlich: drei Mal. Drei Mal hatte ich auch behauptet, Jesus nicht zu kennen. Und trotzdem saß ich jetzt hier zusammen mit Jesus. Er hatte für uns alle gesorgt: er hatte uns zu essen gegeben nach der langen Nacht auf dem See, er hatte uns getröstet, indem er mit uns zusammen am Feuer saß. Und jetzt vertraute Jesus ausgerechnet mir, der ihn drei Mal verraten hatte, die wichtigste Aufgabe an: Leite die, die zu mir halten, Petrus, wie ein Hirte seine Schafe.
Jetzt wusste ich: es ist nicht alles vorbei. Jesus ist immer bei uns. Und ich hatte wieder eine neue Aufgabe im Leben: auf alle aufzupassen, die immer noch zu Jesus hielten.
Aber vor allem war ich unglaublich erleichtert, dass Jesus mir meine Lügen verziehen hatte.
Wenn ich jetzt meinen Namen Petrus – Fels höre, dann denke ich oft an den Felsen, der mir damals vom Herzen gefallen ist. Und ich weiß: ich bin nicht immer so gut und lieb, wie ich das eigentlich sein will. Aber ich muss mich nicht auf ewig mit meinem schlechten Gewissen quälen: Gott mag mich trotzdem. So wie ich bin.
Liebe Grüße,
Petrus
Gebet
Lieber Gott,
du kennst mich ganz genau. Du weißt wie ich bin.
Du weißt, was meinen guten Seiten sind und auch wo ich meinen Schwächen liegen.
Danke, dass ich mich rundum bei Dir aufgehoben fühlen kann.
Danke Gott, dass Du mich so liebst, wie ich bin.
Gerade, wenn wir jetzt alle so eng zusammen sind, fallen uns vielleicht die Schwächen der anderen auf.
Hilf uns, uns auch gegenseitig so anzunehmen und zu mögen wie wir sind.
Hilf uns, zu verzeihen und uns zu versöhnen, wenn es Streit gab.
Amen
Segen
Der Friede Gottes, der all unser menschliches Verstehen übersteigt,
bewahre unsere Herzen und Gedanken, in der Gemeinschaft mit Jesus Christus.
Amen
Bastelidee
Hast Du Lust das Fischerboot zu falten?
Hier gibt’s ein Anleitungsvideo, falls Du nicht eh schon weisst wie das geht:
www.youtube.com/watch?v=riEes5JApxA
Und dann fehlen natürlich noch die Fische dazu:
wie das geht, könnt Ihr hier sehen:
www.youtube.com/watch?v=KL1WFivbnDo
Vielleicht bastelt ihr ein Bild, auf das ihr das gefaltete Boot und die Fische draufklebt? Da könnte man den Strand dazu malen und ein Lagerfeuer um das die Jünger mit Jesus sitzen...
Wollt ihr eure tollen Ergebnisse andere sehen lassen? Dann schickt sie uns wieder zu, wir stellen sie auf unseren Homepages wieder ein.
basteln@ej-frauenaurach.de oder beate.herrmann@erzbistum-bamberg.de