Brieftaube zum 12. Juli
Post für Kinder zu Hause, zum Vorlesen und Mitmachen
Liebe Kinder,
habt ihr auch manchmal das Gefühl, dass ihr euch anstrengt und macht und tut, aber irgendwie schafft ihr doch nicht alles?
Mir ging das oft so, wenn ich mit Jesus unterwegs war. Von Morgens bis Abends haben wir uns um Menschen gekümmert: ihnen erzählt, wie sehr Gott sie mag, ihnen zugehört und Jesus hat viele Kranke geheilt. Aber es gab ja immer noch mehr Menschen: einsame, von Gott enttäuschte oder kranke Menschen. Wir haben es nie geschafft, uns um alle Menschen zu kümmern. Und jeden Tag kamen neue dazu und wir begegneten wieder anderen Menschen, die unsere Hilfe gebraucht hätten.
Eines Abends saßen wir Jünger und Jesus ziemlich erschöpft vom langen Tag am Lagerfeuer zusammen. Da hab ich mich getraut, zu erzählen, wie es mir geht: Dass ich das Gefühl habe, nie genug zu schaffen, dass es nie wirklich reicht, was wir machen können.
Jesus sah mich an und ich merkte, dass er genau verstanden hatte, was ich meinte. „Schau mal!“ sagte er und zeigte mir ein winziges Senfkorn, das am Boden gelegen hatte. Stell dir vor, du nimmst einen Filzstift und tippst damit einmal auf ein Papier. Ungefähr so klein, wie dieser Punkt, ist ein Senfkorn.
Jesus erzählte weiter: „Das Korn ist zwar winzig, aber wenn man es einpflanzt, wird es noch im selben Jahr eine große Pflanze. Größer, als ein erwachsener Mensch.“ Wir nickten, denn wir alle kannten Senfpflanzen. Bei euch gibt’s die nicht mehr so oft. Aber ihr kennt doch bestimmt alle Mais, oder? Ein Maiskorn ist größer als ein Senfkorn, aber immer noch ganz schön klein. Im Frühling werden die kleinen Maiskörner gesäht und im Sommer sind auch die Maispflanzen größer als Erwachsene.
Aber was hat das mit meinem Gefühl zu tun, nie genug schaffen zu können? Ich sah Jesus immer noch fragend an, da erklärte er: „Bei Gott ist es so, wie beim Senfkorn (oder wie beim Mais).“ Langsam verstand ich: „Du meinst, aus etwas Kleinem wird was Großes?“ fragte ich Jesus. Er nickte und sagte augenzwinkernd: „Du kannst Gott ruhig auch noch was von der Arbeit übrig lassen, Andreas. Du musst nicht alles allein machen.“
Am nächsten Tag dachte ich immer noch an die Geschichte vom Senfkorn. Ich hetzte mich nicht mehr so ab, um von einem Menschen zum nächsten zu kommen. Ab und zu nahm ich mir die Zeit, zu hören und zu schauen, was um mich herum geschah. Und da merkte ich, wie das Senfkorn wuchs: die Menschen erzählten ein Geschichte von Jesus weiter. Sie berichteten ihren Nachbarn und Freundinnen, was sie bei uns gehört hatten. Und die erzählten es wieder weiter. Wir mussten ja wirklich nicht alles allein machen!
Seitdem weiß ich: Es reicht, wenn ich das tue, was ich kann. Und auf Gottes Kraft vertraue, die Kleines ganz groß wachsen lassen kann.
Euer Jünger Andreas
Gebet
Lieber Gott,
Sei bei uns, wenn wir nicht alles schaffen und können, was wir wollen.
Sei bei uns, wenn wir aufgeben wollen.
Sei bei uns, wenn wir nicht mit uns zufrieden sind.
Sei bei uns, wenn wir denken, dass wir doch sowieso nichts erreichen können.
Gib uns dann das Vertrauen in deine Hilfe. Lass uns spüren: wir müssen nicht alles alleine machen.
Amen
Segen
Gott segne und behüte uns,
Gott segne, was wir anfangen und machen,
Gott segne unsere Pause im Schatten des Senfbaums.
Amen
Zum Selbermachen
- Habt ihr schon mal Kresse gepflanzt? Die wird zwar nicht so groß wie eine Senfpflanze, aber wächst auch sehr schnell und schmeckt super auf einem Butterbrot!
- Schaut Euch doch mal ein Maisfeld an: ist es nicht wunderbar, dass so große Pflanzen in so kurzer Zeit aus einem kleinen Maiskorn wachsen? Vielleicht besucht Ihr ja auch mal ein Labyrinth im Maisfeld, das macht echt Spaß!